Jiddu Krishnamurti

Jiddu Krishnamurti
Wir werden sehen wie wichtig es ist die radikale Revolution in den Köpfen der Menschen zu verursachen. Die Krise ist eine Krise des Bewusstseins. Ein Krise, die nicht mehr die alten Normen akzeptieren kann, die alten Muster, die uralten Traditionen. Wenn man in Betracht zieht, was die Welt jetzt ist, mit all dem Elend, den Konflikten, der zerstörerischen Brutalität, Aggressionen usw. Der Mensch ist immer noch wie er war. Er ist immer noch brutal, zerstörerisch, aggressiv, habgierig, wetteifernd. Er hat eine Gesellschaft darauf aufgebaut.

Montag, 25. August 2014

Die Endzeitrede Jesu - Matthäus Kapitel 24

Ich möchte keineswegs übermäßig dramatisieren, aber schon recht pfiffig dieser Jesus...
Lassen wir das christliche doch einfach mal beiseite und schauen uns im wesentlichen 6 - 12 an.



Das Ende des Tempels
1 Und Jesus ging aus dem Tempel fort und seine Jünger traten zu ihm und zeigten ihm die Gebäude des Tempels. 2 Er aber sprach zu ihnen: Seht ihr nicht das alles? Wahrlich, ich sage euch: Es wird hier nicht ein Stein auf dem andern bleiben, der nicht zerbrochen werde.
Mk 13,3-13; Lk 21,7-19

Der Anfang der Wehen
3 Und als er auf dem Ölberg saß, traten seine Jünger zu ihm und sprachen, als sie allein waren: Sage uns, wann wird das geschehen? Und was wird das Zeichen sein für dein Kommen und für das Ende der Welt? 4 Jesus aber antwortete und sprach zu ihnen: Seht zu, dass euch nicht jemand verführe. 5 Denn es werden viele kommen unter meinem Namen und sagen: Ich bin der Christus, und sie werden viele verführen. 6 Ihr werdet hören von Kriegen und Kriegsgeschrei; seht zu und erschreckt nicht. Denn das muss so geschehen; aber es ist noch nicht das Ende da. 7 Denn es wird sich ein Volk gegen das andere erheben und ein Königreich gegen das andere; und es werden Hungersnöte sein und Erdbeben hier und dort. 8 Das alles aber ist der Anfang der Wehen. 9 Dann werden sie euch der Bedrängnis preisgeben und euch töten. Und ihr werdet gehasst werden um meines Namens willen von allen Völkern. 10 Dann werden viele abfallen und werden sich untereinander verraten und werden sich untereinander hassen. 11 Und es werden sich viele falsche Propheten erheben und werden viele verführen. 12 Und weil die Ungerechtigkeit überhand nehmen wird, wird die Liebe in vielen erkalten. 13 Wer aber beharrt bis ans Ende, der wird selig werden. 14 Und es wird gepredigt werden dies Evangelium vom Reich in der ganzen Welt zum Zeugnis für alle Völker, und dann wird das Ende kommen.
Mk 13,14-23; Lk 21,20-24

Die große Bedrängnis
15 Wenn ihr nun sehen werdet das Gräuelbild der Verwüstung stehen an der heiligen Stätte, wovon gesagt ist durch den Propheten Daniel (Daniel 9,27; 11,31) - wer das liest, der merke auf! -, 16 alsdann fliehe auf die Berge, wer in Judäa ist; 17 und wer auf dem Dach ist, der steige nicht hinunter, etwas aus seinem Hause zu holen; 18 und wer auf dem Feld ist, der kehre nicht zurück, seinen Mantel zu holen. 19 Weh aber den Schwangeren und den Stillenden zu jener Zeit! 20 Bittet aber, dass eure Flucht nicht geschehe im Winter oder am Sabbat. 21 Denn es wird dann eine große Bedrängnis sein, wie sie nicht gewesen ist vom Anfang der Welt bis jetzt und auch nicht wieder werden wird. 22 Und wenn diese Tage nicht verkürzt würden, so würde kein Mensch selig werden; aber um der Auserwählten willen werden diese Tage verkürzt. 23 Wenn dann jemand zu euch sagen wird: Siehe, hier ist der Christus!, oder: Da!, so sollt ihr's nicht glauben. 24 Denn es werden falsche Christusse und falsche Propheten aufstehen und große Zeichen und Wunder tun, sodass sie, wenn es möglich wäre, auch die Auserwählten verführten. 25 Siehe, ich habe es euch vorausgesagt. 26 Wenn sie also zu euch sagen werden: Siehe, er ist in der Wüste!, so geht nicht hinaus; siehe, er ist drinnen im Haus!, so glaubt es nicht. 27 Denn wie der Blitz ausgeht vom Osten und leuchtet bis zum Westen, so wird auch das Kommen des Menschensohns sein. 28 Wo das Aas ist, da sammeln sich die Geier.
Mk 13,24-27; Lk 21,25-28

Das Kommen des Menschensohns
29 Sogleich aber nach der Bedrängnis jener Zeit wird die Sonne sich verfinstern und der Mond seinen Schein verlieren, und die Sterne werden vom Himmel fallen und die Kräfte der Himmel werden ins Wanken kommen. 30 Und dann wird erscheinen das Zeichen des Menschensohns am Himmel. Und dann werden wehklagen alle Geschlechter auf Erden und werden sehen den Menschensohn kommen auf den Wolken des Himmels mit großer Kraft und Herrlichkeit. 31 Und er wird seine Engel senden mit hellen Posaunen, und sie werden seine Auserwählten sammeln von den vier Winden, von einem Ende des Himmels bis zum andern.
Mk 13,28-32; Lk 21,29-33; 12,39-40

Mahnung zur Wachsamkeit
32 An dem Feigenbaum lernt ein Gleichnis: Wenn seine Zweige jetzt saftig werden und Blätter treiben, so wisst ihr, dass der Sommer nahe ist. 33 Ebenso auch: Wenn ihr das alles seht, so wisst, dass er nahe vor der Tür ist. 34 Wahrlich, ich sage euch: Dieses Geschlecht wird nicht vergehen, bis dies alles geschieht. 35 Himmel und Erde werden vergehen; aber meine Worte werden nicht vergehen. 36 Von dem Tage aber und von der Stunde weiß niemand, auch die Engel im Himmel nicht, auch der Sohn nicht, sondern allein der Vater. 37 Denn wie es in den Tagen Noahs war, so wird auch sein das Kommen des Menschensohns. 38 Denn wie sie waren in den Tagen vor der Sintflut - sie aßen, sie tranken, sie heirateten und ließen sich heiraten bis an den Tag, an dem Noah in die Arche hineinging; 39 und sie beachteten es nicht, bis die Sintflut kam und raffte sie alle dahin -, so wird es auch sein beim Kommen des Menschensohns. 40 Dann werden zwei auf dem Felde sein; der eine wird angenommen, der andere wird preisgegeben. 41 Zwei Frauen werden mahlen mit der Mühle; die eine wird angenommen, die andere wird preisgegeben. 42 Darum wachet; denn ihr wisst nicht, an welchem Tag euer Herr kommt. 43 Das sollt ihr aber wissen: Wenn ein Hausvater wüsste, zu welcher Stunde in der Nacht der Dieb kommt, so würde er ja wachen und nicht in sein Haus einbrechen lassen. 44 Darum seid auch ihr bereit! Denn der Menschensohn kommt zu einer Stunde, da ihr's nicht meint.
Lk 12,41-46

Vom treuen und vom bösen Knecht
45 Wer ist nun der treue und kluge Knecht, den der Herr über seine Leute gesetzt hat, damit er ihnen zur rechten Zeit zu essen gebe? 46 Selig ist der Knecht, den sein Herr, wenn er kommt, das tun sieht. 47 Wahrlich, ich sage euch: Er wird ihn über alle seine Güter setzen. 48 Wenn aber jener als ein böser Knecht in seinem Herzen sagt: Mein Herr kommt noch lange nicht, 49 und fängt an, seine Mitknechte zu schlagen, isst und trinkt mit den Betrunkenen: 50 dann wird der Herr dieses Knechts kommen an einem Tage, an dem er's nicht erwartet, und zu einer Stunde, die er nicht kennt, 51 und er wird ihn in Stücke hauen lassen und ihm sein Teil geben bei den Heuchlern; da wird sein Heulen und Zähneklappern.

Dienstag, 12. August 2014

Eine gewaltfreie Armee

Während des Vietnamkrieges bewegten sich die Angehörigen unserer Schule oft auf gefährlichem Terrain. Da wir die Herzen der Menschen so schnell gewannen, verdächtigten uns beide Kriegsparteien der Kollaboration mit der Gegenseite und wollte uns eliminieren. Beide Seiten hatten Angst vor uns. Sie unterstellten uns politische Motive, die wir gar nicht hatten. Friedensaktivisten ergreifen im Krieg nicht Partei. Sie treten vielmehr für Versöhnung ein und versuchen, die Gegner an einen Tisch zu bringen. Damit begibt man sich in große Gefahr. Obwohl uns nur unsere Bodhicitta motivierte, der Geist der Liebe, töteten beide Kriegsparteien aus Unverständnis viele von uns. 

Der eigentliche Mörder war das Unverständnis.

Wir waren eine gewaltfreie Armee und kämpften ausschließlich mit den Waffen der Liebe und Hilfsbereitschaft, trotzdem hatten wir Verluste wie andere Armeen auch. Bruder Nhat Tri (den kennen wir ja schon, Er wurde doch von nem GI bespuckt) und sieben weitere Sozialarbeiter wurden auf dem Weg zu einem abgelegenem Dorf ermordet. Für mich waren sie wie Söhne und Töchter gewesen. Ich empfand den Verlust wie ein Vater,der acht Kinder von seinem eigenen Fleisch und Blut verloren hat. Ich litt schwer, und dieses Leid spricht aus vielen meiner Gedichte.

Das nachfolgende Gedicht habe ich 1965 eigens für die jungen Leute unserer Schule geschrieben, die während des Krieges Tag für Tag ihr Leben aufs Spiel setzten, als Rat sich darauf vorzubereiten, ohne Hass zu sterben. Da einige bereits gewaltsam ums Leben gekommen waren, warnte ich die anderen davor, Hass zu empfinden. Unser Feind seien unsere eigene Wut und Gier, Hass, Fanatismus und Diskriminierung, sagte ich zu ihnen. Für einen gewaltsamen Tod sollte man durch Meditation über das Mitgefühl gerüstet sein, um denen vergeben zu können, die einen töten. Wenn man im Bewusstsein dieses Mitgefühls stirbt, ist man wahrhaft ein Kind des Erwachten. Wenn man durch Tyrannei, Schande und Gewalt umkommt und mit einem Lächeln der Vergebung sterben kann, hat man große Kraft.

(wow - der Satz geht rein)

Als ich die Zeilen dieses Gedichtes noch einmal las, verstand ich plötzlich den Abschnitt des Diamant Sutras über Kshanti, die Geduld und Toleranz:


Das Gedicht:
Mit ungebrochenem Mut,
die Augen freundlich, ruhig
(auch wenn die keiner sieht),
wird aus deinem Lächeln
eine Blume erblühen,
und die dich lieben,
werden deiner gedenken
über zehntausend Welten von Geburten
    und Tod hinweg.

Wer im Geist des Mitgefühls stirbt, ist wie eine Fackel,, die unseren Weg erhellt.


RATSCHLAG

Versprich mir,
versprich mir noch heute,
versprich mir jetzt gleich
unter der Sonne hoch am Himmel,
die genau im Zenit steht,
versprich mir:

Auch wenn Sie dich
niederschlagen
mit einem Berg von Hass und Gewalt;
auch wenn sie dich treten und zermalen
wie einen Wurm,
auch wenn sie dich aufschlitzen und
zerstückeln,
denke daran Bruder,
denke daran:
Nicht der Mensch ist unser Feind.

Das einzige, was deiner würdig ist,
ist Mitgefühl -
unerschütterlich, grenzenlos, bedingungslos.
Mit Hass wirst du niemals
dem Tier im Menschen begegnen können.

Eines Tages, wenn du dem Tier allein
begegnest,
mit ungebrochenem Mut,
die Augen freundlich, ruhig
(auch wenn sie keiner sieht),
wird aus deinem Lächeln,
eine Blume erblühen.
Und die dich lieben,
werden deiner gedenken
über zehntausend Welten von Geburten
    und Tod hinweg.

Wieder allein,
werde ich weitergehen mit gesenkten Haupt,
in dem Wissen, dass die Liebe ewig währt.
Auf der langen, rauen Strasse
werden Sonn und Mond
weiter scheinen.

Morgen gibt es mehr :)
Habt einen wunder_schönen Tag
t.om

Montag, 28. Juli 2014

Durch achtsames Konsumieren unsere Erbe bewahren: die vier Arten von Nahrung


Im Gleichnis vom "Fleisch des Sohnes" erfahren wir von Buddha auch, dass es vier Arten von Nahrung gibt, die wir zu uns nehmen:
die essbare Nahrung
die Sinneseindrücke,
die Intentionen und
das Bewusstsein.
Die erste Art ist also die essbare Nahrung, die unser Körper aufnimmt. Wir üben uns im achtsamen Verzehr essbarer Nahrung, um unseren Körper keine Gewalt anzutun. Unser Körper ist uns über viele Generationen hinweg zugewachsen, und wir haben kein Recht, ihn durch das was wir essen und trinken zu schädigen. Wenn wir Gifte wie Drogen oder Alkohol zu uns nehmen, sind wir unseren Vorfahren, unseren Kindern und Kindeskindern gegenüber undankbar, weil wir das zerstören, was wir von unseren Ahnen empfangen haben und an zukünftige Generationen weitergeben wollen. Die Leute denken oft: "Das ist mein Körper, ich kann damit machen was ich will, denn er gehört mir." Das ist eine falsche Auffassung; unser Körper gehört nicht uns allein, sondern auch unseren Vorfahren, unserer Familie, unseren Kindern. In unseren Körper setzten sich Vorfahren, unser Vater und unsere Mutter fort. Wir müssen gut für Ihn sorgen, um nur das Allerbeste an unsere Kinder und Enkel, unsere Familie und unserer Gemeinschaft weiterzugeben.

Essbare Nahrung:
die erste Nahrungsart

Wir Menschen kommen nie ganz ohne Gewalt aus, aber wir bewegen uns immerhin in Richtung Gewaltfreiheit. Wenn wir kontinuierlich üben, reduziert sich der Gewaltanteil in vielen Bereichen unseres Lebens, zum Beispiel in unserer Nahrung. Wie zivilisiert wir sind, lässt sich daran ablesen, wie viel Verständnis, Mitgefühl und Gewaltlosigkeit in den Herstellungsprozess und Verzehr unsere Nahrung einfließen.
Wir alle müssen essen, um am Leben zu bleiben.
Wir können keine perfekten Vegetarier sein, weil wir beim Zubereiten und Verzehr von Gemüse Mikroorganismen töten.



Zitate von Thay:
Verständnis und Liebe sind Werte, die alle Dogmen transzendieren.


Unsere Verabredung mit dem Leben findet immer im gegenwärtigen Augenblick statt. Und der Treffpunkt unserer Verabredung ist genau da, wo wir uns gerade befinden.

Wenn wir in das tiefste Innere einer Blume blicken, sehen wir in ihr Wolken, Sonnenschein, Minerale, Zeit, Erde und alles andere im Kosmos. Ohne Wolken könnte es keinen Regen geben und so auch keine Blume.

Wenn du Gehmeditation übst und erkennst, dass du auf dem schönen Planeten Erde schreitest, wirst du dich selbst und deine Schritte in einem ganz anderen Licht sehen und von den engen Sichtweisen und Begrenzungen befreit werden.


Als ein Vater seinen zwölfjährigen Sohn fragte, was er sich zum Geburtstag wünsche, antwortete dieser; «Papa, ich möchte dich!»
Sein Vater arbeitete die ganze Zeit und war selten zu Hause. Sein Sohn war eine Glocke der Achtsamkeit, die ihn daran erinnerte, daß das kostbarste Geschenk, das wir unseren Liebsten machen können, unsere wirkliche Gegenwart ist.  

Unsere einzige Waffe ist die Liebe || Thich Nath Hanh

An einem Tag im Jahre 1965 - ich war damals Mönch im Truc-Lam- Kloster in Saigon - war mein junger Ordensbruder Nhat Tri in Saigon unterwegs. Ein amerikanischer Militärlastwagen fuhr an ihm vorbei, und ein amerikanischer Soldat, der hinten auf der Ladefläche stand, spuckte Bruder Nhat Tri auf den Kopf, der danach weinend zu mir kam, so gedemütigt fühlte er sich. Ich erklärte ihm, dem amerikanischen Soldaten sei möglicherweise durch eine Menge Propaganda eingetrichtert worden, dass sich die Kommunisten als buddhistische Mönche und Nonnen tarnen würden. Deshalb habe der Soldat bei seinem Anblick hasserfüllt ausgespuckt. Der amerikanische GI sei ein Opfer von Täuschung und Unwissenheit. Ich sagte: "Bruder, du sollst ihn nicht hassen. Wenn du ihn hasst, bedeutet es, dass du noch nicht verstanden hast." Es waren solche Vorkommnisse, aufgrund derer viele junge Leute die Gewaltlosigkeit, die sie praktizierten, aufgeben wollten, um sich der Nationalen Befreiungsfront anzuschließen und mit der Waffe in der Hand gegen die Amerikaner zu kämpfen. Ich hielt Bruder Nhat Tri lange Zeit in meinen Armen und sagte: "Mein Kind, wir sind nicht dazu geboren, zur Waffe zu greifen, wir sind zum Lieben geboren. Die Liebe ist die einzige Waffe, die wir tragen." Diese Worte halfen ihm, wieder zu seinem ursprünglichen Anliegen zurückzukehren, er blieb und widmete sich weiterhin seinen karitativen Aufgaben.
Die Welt ist voller Diskriminierung, Gewalt und Hass. Wenn wir uns von diesen negativen Energien vereinnahmen lassen, können wir weder uns noch unserem Planeten helfen. Wir müssen Freiheit, Solidarität und Verständnis entwickeln. Man muss nicht Mönch oder Nonne sein, um sich darin zu üben. Man muss den Willen haben, sein Herz der eigenen Güte, der eigenen Buddhanatur, dem Geist der Liebe zu öffnen.

Freitag, 25. Juli 2014

Text: Warum unser Geldsystem nicht funktionieren kann

http://www.sein.de/gesellschaft/neue-wirtschaft/2009/warum-unser-geldsystem-nicht-funktionieren-kann.html

Es wurde viel geschrieben und gesagt über unser Geldsystem in letzter zeit - oft sind die Texte sehr lang, voller sonderbarer Wörter und viele Menschen fühlen sich verwirrt. Dies ist der Versuch, die grundlegenden Fehler des Systems noch einmal leicht verständlich zusammenzustellen, da diese Informationen in den nächsten Wochen und Monaten essentiell sein werden, um zu verstehen, was passiert.

1. Geld als Schuld

US-SchuldenGeld kann in unserem System nur dadurch entstehen, dass sich eine Bank bei der Zentralbank Zentralbankgeld leiht, es wird aus Schuld geschöpft. Alles Geld, das in Umlauf ist, ist die Schuld von irgendjemandem an irgendjemand anderen. Je mehr Geld es gibt, desto mehr Schulden muss es auch geben. Würden alle ihre Schulden zurückzahlen, gäbe es kein Geld mehr.
Fatalerweise muss auch der Staat einen Kredit aufnehmen, wenn er Geld in Umlauf bringen will - deshalb sind alle Staaten mit Zentralbanksystemen hoch verschuldet. Das müsste nicht so sein. Würden die Zentralbanken verstaatlicht, könnte der Staat Geld herausgeben, ohne dadurch in die Schuld privater Geldinstitute zu gelangen. Es wird oft argumentiert, dies sei deshalb nicht möglich, weil der Staat dann einfach Unmengen Geld drucken und dadurch die Währung zerstören würde. Wie wir an den USA sehen, hindert aber auch das gegenwärtige System niemanden daran das zu tun - nur das in diesem Fall auch ein milliardenhoher Schuldenberg entsteht, der nie wieder abgezahlt werden kann. (derzeitige Verschuldung: 11,321,599,905,356.40 $ = 11.000 Millarden $!)

2. Die wundersame Geldvermehrung

Das Geld, das sich die Banken von der Zentralbank leihen wird ebenfalls benutzt, um Kredite zu vergeben. Jedoch verleiht die Bank nicht - wie man vielleicht meinen könnte - dieses Geld selbst, sondern „erfindet" einfach ausgedachtes Geld, das sie dann ihren Kunden anbietet. Eine Bank muss nämlich nur 2 % des Geldes, das sie verleiht auch tatsächlich besitzen (USA 10%). Das heißt: Wenn eine Bank 2 Euro hat, kann sie 100 Euro verleihen - ohne dass es dieses Geld überhaupt gibt!
Dies funktioniert deshalb, weil sie den Kunden den Kredit in fast allen Fällen nicht in Form von Geldscheinen, sondern in Form von Guthaben auf ihren Konten auszahlt. Das Guthaben auf den Konten ist aber nicht mehr als eine Zahl in einem Computer, es ist zwar der Anspruch auf Geld, aber nicht das Geld selbst. Sichtguthaben auf einem Konto ist kein gesetzliches Zahlungsmittel - sondern erstmal reine Phantasie, auch wenn wir es benutzen wie Geld.
Durch diesen Vorgang ist eine riesige Menge von Geld in Umlauf, die es real gar nicht gibt.
Mehr dazu: Bankgeheimnis Geldschöpfung

3.Zinsen

Durch die Verwendung von Zinsen schließt sich dann der Griff der Banken um die Nationen und Menschen. Denn schon wenn eine Bank sich Geld bei der Zentralbank leiht, entsteht eine Mehrschuld gegenüber dem vorhandenen Geld: Nehmen wir an, die erste Bank leiht sich 100 € von der Zentralbank zu einem Zins von derzeit 1%. Sie schuldet der Zentralbank dann also 101 €, obwohl überhaupt nur 100 € erschaffen wurden!
Die Schuld der Gesellschaft gegenüber den Banken kann also niemals beglichen werden, da es im gesamten System nicht genug Geld gibt, um all diese Schulden zurück zu bezahlen. Auch auf der Ebene von Privatkunden und Banken werden wieder Zinsen erhoben, und auch wenn hier, wo selbst die Kreditsumme aus rein virtuellem Geld besteht, kommen oben drauf noch Zinsen, die es nichtmal virtuell gibt.
So kämpfen die Menschen stets darum, ihre Schulden loszuwerden oder genug Geld zum Leben zu verdienen - nicht wissend, dass es dieses Geld überhaupt nicht gibt und das System auch gar nicht vorsieht, dass sie jemals schuldenfrei werden. Denn irgendjemand muss zwangsläufig bankrott gehen. Es ist das Reise-nach-Jerusalem-Spiel mit viel zu wenig Stühlen.
Das gleiche Prinzip greift auch global: Über die angeblichen Hilfsinstitutionen IWF und Weltbank treiben die Industrienationen die dritte Welt immer weiter in die Schuldenfalle - um sie dann hemmungslos auszubeuten und zu kontrollieren.
Das Zinssystem ist also im Wesentlichen eine moderne Form der Kontrolle und Sklavenhaltung.
Noch deutlicher wird dies, wenn man versteht, wie durch den Zins das Geld immer in die Hände einiger weniger Reicher fließt: Hat man erstmal eine gewisse Summe Geld, vermehrt sich dieses durch den Zins automatisch immer weiter. Wo kommt dieses Geld her? Es wird der übrigen Bevölkerung entzogen und steckt zum Beispiel in den Zinsen ihrer Kredite. So werden die Reichen immer reicher und die Armen immer ärmer.
Mehr zum Zins: Der Zinssklave

4. Grenzenloses Wachstum

Das beschriebene Zinssystem führt auch dazu, dass die Wirtschaft immer weiter wachsen muss, um mit den Zinsrückzahlungen schritt zu halten. Auf einer Kugel ist grenzenloses Wachstum aber nicht möglich.
Und es führt auch dazu, dass alles im System auf Profit und Wachstum ausgerichtet sein muss, soll das System nicht in sich zusammenbrechen. Das dabei keine Zeit für Moral oder Umweltschutz bleibt und auch vor Kriegen als profitables Geschäft nicht zurück geschreckt wird, davon gibt die Geschichte reichlich Zeugnis.
In der Konsequenz führt all dies zu Angst, Kontrollwahn, Profitgier und Konkurrenzkampf.

5. Knappheit & Verschwendung

Da der Profit stets maximiert werden soll, ist alles in einem Zinsgeldsystem darauf ausgelegt, möglichst große Knappheit zu erzeugen - denn je knapper ein Gut, desto größer der Profit. An einfachen, intelligenten und nachhaltigen Lösungen besteht also gar kein Interesse! Auch nicht an qualitativ hochwertigen Produkten: alles muss möglichst schnell überholt sein oder kaputt gehen - eine unglaubliche Verschwendung ist das Resultat. Sowohl an Material, als auch an den menschlichen Ideen, die alle unsere Probleme eigentlich längst gelöst haben.
Auf unserer Erde ist weder Energie noch Nahrung knapp - diese Illusion wird nur aus reiner Profitgier aufrecht erhalten. In Wirklichkeit könnten wir die Welt nachhaltig und ökologisch sowohl mit Energie als auch mit Nahrung versorgen - aber daran hat niemand Interesse.

6. Das Ende der Arbeit

Da der Profit immer weiter maximiert werden muss, muss Arbeitskraft immer billiger werden. Arbeiter werden entweder ausgebeutet, oder durch Maschinen ersetzt. In den nächsten Jahren wird die Arbeitslosigkeit dramatisch explodieren - ganz einfach darum, weil es keine Arbeit mehr gibt. Zumindest nicht in der Logik unseres Systems.
Das wäre auch gar nicht schlimm - wer arbeitet schon gern viel - aber leider werden gleichzeitig auch die Sozialleistungen immer weiter gekürzt und Menschen geradezu daran gehindert, sinvolle ehrenamtliche Arbeit zu verrichten. Wir haben also ein System, das immer mehr Arbeitslose produziert, diesen Arbeitslosen jedoch gleichzeitig die Unterstützung immer weiter versagt und sie in die absolute Armut treibt. Noch dazu tut das System so, als sei Arbeitslosigkeit das Verschulden der Person und stigmatisiert sie zu gesellschaftlichen Schmarozern. Das kann und wird auf Dauer nicht gut gehen.
Mehr dazu: Das Ende der Arbeit

Konsequenzen

Die Konsequenzen dieses Systems sehen wir überall in der Welt: Hunger, Armut, Krieg, Angst, Misstrauen, Umweltzerstörung. Ein menschenfreundlicher Kapitalismus oder die Vorstellung, die Welt könne sich durch die Einsicht der Unternehmer oder strategischen Konsum wesentlich ändern, ist eine Illusion. Das System selbst ist so angelegt, dass es immer wieder Zustände produzieren wird, wie wir sie gegenwärtig haben.
Mathematisch gesehen muss dieses System alle 70-100 Jahre zusammenbrechen - was es bisher auch getan hat (1857 und 1920 global, 1990er Jahre nur in Asien, Russland und Lateinamerika). Die Welt hat am Ende eines Zyklus nur zwei Möglichkeiten: Krieg oder ein anderes System. Bisher haben wir uns immer für Krieg entschieden - und danach dasselbe System wieder aufgebaut.

Neuanfang

Wir können nur hoffen, dass sich die Menschheit diesmal dafür entscheidet, etwas Neues zu versuchen. Das liegt auch an uns. Es ist es nötig, das jetzt jeder versteht, dass das Geldsystem in dem wir leben niemals Frieden und Wohlstand erzeugen kann und welche immensen Auswirkungen das System auf unser Leben und unser Bewusstsein hat.
Der Crash wird diesmal härter ausfallen, als jemals zuvor, denn die Welt ist durch die Globalisierung so ineinander verwoben, dass diesmal kein Land unverschont bleiben kann und wird. Aber gerade dadurch bietet die Systemkrise diesmal auch eine Chance, wie sie die Menschheit noch niemals hatte.

Text: Sozialstaat in der Krise - Das Geld reicht für alle

http://www.sein.de/gesellschaft/neue-wirtschaft/2009/das-geld-reicht-fuer-alle.html

Einen großartigen Kommentar von B.Müller zu unserem Gesellschafts- und Sozialsystem gibt es auf süddeutsche.de zu lesen.
Müller erklärt dort, warum unser Sozialsystem und auch unsere Vorstellung von Gesellschaft längst überholt sind.
"Der Sozialstaat beruht auf der fundamentalen Tatsache, die gleichzeitig gründlich vertuscht wird, dass die Arbeit nicht für alle langt, das durch sie erzeugte Geld aber schon."
Schon seit geraumer Zeit nimmt die Produktivität zu, die benötigte Arbeit ab:
"Die Produktivitätsrate der Arbeit, heißt es, steige hierzulande jährlich um 0,6 Prozent. Um denselben Wert zu erzeugen, braucht man also jedes Jahr 0,6 Prozent weniger Zeit und damit Arbeitskraft. [...] Doch wie auch sonst so oft, ist es der Menschheit auch hier geglückt, aus einer Lösung ein Problem zu machen."
Das liegt vor allem daran, dass sich die gesamte Gesellschaft über Arbeit definiert - sowohl ideologisch als auch wirtschaftlich. Das ist widersinnige Realitätsverweigerung, aber es ist scheint schwierig diese Konditionierung abzulegen. Und so führen wir ein System fort, dessen Disfunktionalität wir fleißig ignorieren. Derzeit haben wir folgerichtig eine Besteuerung, die bei rund 50 % liegt - brüderlich geteilte Einkünfte sozusagen.

Von der Arbeits- zur Lebensgemeinschaft

"Im Grunde garantieren Staat und Gesellschaft längst jedermann ein Grundeinkommen, das er in jedem Fall bezieht, egal, was ihm widerfährt. Es hat sich bislang auf verschiedene Weise verkleidet, um seinen einheitlichen Charakter nicht preisgeben zu müssen: bei denen, die im Erwerbsleben stehen, als Sockelfreibeträge in der Besteuerung oder als Kindergeld, bei den anderen als Sozialhilfe und Arbeitslosengeld, vulgo Hartz IV.
Wie wäre es, wenn man das Bürgergeld, das faktisch da ist, endlich auch bei seinem Namen nennen wollte, um es bedingungslos und lebenslagenunabhängig auszuzahlen? [...]
Warum sollte man die Leute zwingen, nach einer Arbeit zu suchen, die es nicht mehr gibt?"
Arbeit soll sich auch nach Müller wieder lohnen: Wer nicht arbeitet, soll ein ordentliches Auskommen haben, wer es freiwillig tut, ordentlich dazuverdienen. Das würden Motivation und Innovation vorantreiben und außerdem das Tätigkeitsspektrum von überflüssiger Arbeit befreien.
"Außerdem bricht die Arbeit von unten nach oben weg, die Jobs verschwinden in der Reihenfolge ihrer Unattraktivität, [...]. Die stumpfsinnigeren Dienstleistungen werden aussterben [...]."


Den Arbeitswillen abtrainieren

Innovation wird außerdem fast alle warenproduzierende Jobs auslöschen, denn Waren werden nach Müllers Vision in nicht allzu ferner Zukunft wie von selbst und ohne menschliche Arbeitskraft "wachsen". Bis dahin sollten wir die Gesellschaft von einer Arbeits- in eine Lebensgemeinschaft umgewandelt haben.
"Dann wäre es gut, wenn die Gesellschaft sich nicht länger über die Arbeit definiert: Es wird nämlich keine mehr da sein. Mit dem Abtrainieren sollten wir heute schon anfangen."

Text: Die Befreiung der Arbeit: Das 7-Tage-Wochenende

http://www.sein.de/archiv/2010/september/die-befreiung-der-arbeit-das-7-tage-wochenende.html

Weltweit starren Manager fassungslos auf die Firma Semco: Was dort passiert, widerspricht allem, an was sie glauben. Die 3000 Mitarbeiter wählen ihre Vorgesetzten, bestimmen ihre eigenen Arbeitszeiten und Gehälter. Es gibt keine Geschäftspläne, keine Personalabteilung, fast keine Hierarchie. Alle Gewinne werden per Abstimmung aufgeteilt, die Gehälter und sämtliche Geschäftsbücher sind für alle einsehbar, die Emails dafür strikt privat und wie viel Geld die Mitarbeiter für Geschäftsreisen oder ihre Computer ausgeben, ist ihnen selbst überlassen.


Respekt als Erfolgsrezept

Was für heutige Personalchefs klingen mag, wie ein anarchischer Alptraum, ist in Wirklichkeit eine Erfolgsgeschichte. Seit das Unternehmen von Inhaber Ricardo Semler umgestellt wurde, stiegen die Gewinne von 35 Millionen auf 220 Millionen Dollar. Und nicht nur die Zahlen geben Semler recht, sondern vor allem die Mitarbeiter: Die Fluktuationsrate bei Semco liegt unter einem Prozent.

Das Rezept ist einfach: Behandele deine Mitarbeiter wie Erwachsene, dann verhalten sie sich auch so. Je mehr Freiheiten du ihnen gibst, desto produktiver, zufriedener und innovativer werden sie. Ein Unternehmen besteht aus erwachsenen gleichberechtigten Menschen, nicht aus Arbeitskräften. Jeder hat das Recht, sich frei zu entfalten und eine gesunde Balance zwischen Beruf und Privatleben zu finden. Entgegen allem, was man aktuell zu glauben scheint, machen Druck und Stress Menschen nicht produktiv, sondern ganz einfach nur kaputt. Und dabei verliert das Unternehmen letztlich genauso wie der Mensch.

Es geht Semler um ein neues Verständnis von Arbeit: Eine Firma ist ein Gemeinschaftsprojekt, im besten Fall eine geteilte Leidenschaft. Die Gesellschaft hat uns das allerdings anders beigebracht, wir sollen uns als Steinmetze, Maler und Hilfsarbeiter sehen, nicht als Kathedralen-Schöpfer. Bei Semco sind die Mitarbeiter essenzieller Teil eines Ganzen, sie sind Mit-Schöpfer, nicht bloß ein Rädchen im System. Sie haben Ideen, sie verstehen ihre Arbeit, sie wissen, was sie wert ist.


Vertrauen statt Kontrolle

Ricardo Semler SemcoAber unsere Personalchefs glauben noch immer, dass man Angestellte kontrollieren muss, über Stechuhren, feste Arbeitszeiten, Produktivitäts-Reports und Email-Spionage. Semco hat das alles aufgegeben und die Kontrolle durch Vertrauen ersetzt - und mal im Ernst: Wer will eigentlich mit Leuten zusammenarbeiten, denen man nicht trauen kann?

Für Semler ist der Kontrollwahn der meisten Unternehmen einfach nur noch verrückt. Seine Mitarbeiter erziehen ihre Kinder und wählen Gouverneure, es sind erwachsene Menschen, die selbst am besten wissen, was sie möchten und brauchen.

"Es ist völlig verrückt, diese Idee, dass die Menschen immer noch so fixiert darauf sind, wie etwas gemacht wird. Bei uns sagt keiner: 'Du bist fünf Minuten zu spät' oder 'warum geht dieser Fabrikarbeiter schon wieder aufs Klo?' [...] Wenn Du dich bei Semco im Büro umsiehst, sind da immer jede Menge leere Plätze. Die Frage ist: Wo sind diese Leute? Ich hab nicht die leiseste Idee und es interessiert mich auch nicht.

Es interessiert mich in dem Sinne nicht, dass ich nicht sicherstellen möchte, dass meine Mitarbeiter zur Arbeit kommen und der Firma eine bestimmte Anzahl Stunden pro Tag geben. Wer braucht eine bestimmte Anzahl Stunden pro Tag? Wir brauchen Leute, die ein bestimmtes Ergebnis abliefern. Mit vier Stunden, acht Stunden oder zwölf Stunden im Büro - sonntags kommen und Montags zu Hause bleiben. Es ist irrelevant für mich", erklärt Semler seltsam einleuchtend.


Keine Hierachie, dafür Teams

SemcoSemco ist etwas, dass es laut dem Menschenbild heutiger Manager eigentlich gar nicht geben dürfte. Und wenn doch, dann dürfte es nicht funktionieren. Tut es aber. Drei Fragen hört Semler immer wieder: Macht ihr das wirklich so? Funktioniert es ganz im Ernst? Und: Was jetzt?

Die ersten zwei sind einfach zu beantworten: "Wir machen das jetzt seit 25 Jahren, so ziemlicher jeder, den es wirklich interessiert, ist hergekommen, um zu sehen, ob es wahr ist. Und unsere Zahlen sind über jeden Zweifel erhaben", sagt Semler selbstbewusst.
Für ihn ist war das Aufbrechen der Unternehmensstruktur von Anfang an keine Traumtänzerei, sondern vielmehr die einzig mögliche Antwort auf unsere unmenschliche Arbeitswelt. Er hat es auf die harte Tour gelernt, wachte selbst erst auf, als er kollabierte und mit Komplett-Burnout in ein Krankenhaus eingeliefert wurde. Das war der Punkt, an dem er beschloss, seine geistige und körperliche Gesundheit nie mehr dem Job unterzuordnen - und das auch von seinen Angestellten nicht zu verlangen. Dass der Wahnsinn ein Ende haben muss.

"Wenn man es sich genauer ansieht, muss man feststellen, dass das traditionelle System nicht funktioniert. Und das ist der Anreiz, sich nach etwas anderem umzusehen" - so einfach sieht Semler das.

Doch es fehlt vielen Unternehmern noch immer schwer, die Kontrolle loszulassen. Denn heutige Firmen sind nicht aufgebaut wie Orte des Schöpfens, sondern wie das Militär: mit einer hierarchischen Machtstruktur, mit Befehlsgebern und -empfängern. Semco hingegen ist in konzentrischen und durchlässigen Kreisen aufgebaut, es gibt keine Arbeitstitel, keine festen Büros. Niemand muss zur Arbeit kommen, ob von zu Hause, aus dem Dschungel oder einem Cafe an der Strandpromenade gearbeitet wird, ist den einzelnen Mitarbeitern und Teams selbst überlassen.

Diese Teams sind das Herzstück von Semco. Die Menschen arbeiten in Gruppen, die jeweils ein Produkt oder ein Zwischenprodukt selbstständig fertigstellen. Wie sie das machen, in welcher Zeit und mit welchem Geld, das ist ihre Sache. Wer zwischendurch schlafen will, geht einfach in den Firmengarten und legt sich für ein paar Stunden in die Hängematte - wer müde ist, macht ja eh nur Fehler.

Die Firma ohne Personalabteilung

semco PersonalSemco hat 3000 Mitarbeiter, aber keine Personalabteilung, da steht dem traditionellen Unternehmer der Angstschweiß auf der Stirn. Wer stellt diese Leute ein? Wer überprüft die Leistung?

Das machen die Angestellten alles selbst. Stellt ein Team fest, dass eine neue Person gebraucht wird, schreibt sie im Intranet der Firma ein entsprechendes Meeting aus. Das ist natürlich freiwillig: Alle können kommen, keiner muss.

"Wir wollen nicht, dass irgendwer in etwas verwickelt wird, was ihn nicht interessiert, deshalb sind alle Meetings freiwillig. Das heißt die Meetings werden bekanntgegeben und wer interessiert ist, kann und wird vorbeikommen und soll in dem Moment den Raum wieder verlassen, wenn es anfängt, ihn zu langweilen", erklärt Semler die Meeting-Philosophie.

Leute, die mitten in einem Meeting gehen, weil es sie langweilt - das würde so manchen Vorgesetzten in den Wahnsinn treiben. Aber bei Semco sollen eben nur die Menschen eine Entscheidung treffen und tragen, die es unmittelbar angeht und interessiert.

Auf so einem Meeting könnte zum Beispiel beschlossen werden, dass neuer Mitarbeiter gebraucht wird und was er oder sie können muss. Dann wird gemeinschaftlich eine Annonce geschrieben, und sobald die Bewerbungen kommen, werden sie im Team aufgeteilt: Jeder, der möchte, nimmt einfach ein paar mit nach Hause und bringt die interessantesten dann wieder mit. Statt Vorstellungsgesprächen gibt es ein Gruppengespräch mit allen Kandidaten gleichzeitig - auch hier darf kommen, wer will.

Die einzigen Mitarbeiter, die regelmäßig formal bewertet werden, sind jene in Entscheidungs-Positionen - und zwar von allen anderen. Sollte einer dieser Manager wiederholt schlechte Bewertungen kriegen, geht er für gewöhnlich von selbst.


Gruppenzwang

Tatsächlich regeln die Teams fast alles unter sich. Macht jemand keinen guten Job, so wird das im Team diskutiert, oder ein Meeting einberufen. Wer sich ein hohes Gehalt zuteilt, erhöht damit auch die Erwartungen des Teams und den Leistungsdruck. Aber auch die Mitarbeiter haben mittlerweile ein anderes Verhältnis zur Arbeit: Wenn jemand einen Haufen Geld verdient, die ganze Woche eigentlich nur Golf spielt, aber trotzdem einen guten Job macht und seine Aufgaben erledigt - wen kümmert's dann? Was zählt, ist das Ergebnis.

Eine Studie von CNN hat festgestellt, dass die Mitarbeiter bei Semco eine sehr viel gesündere Balance zwischen Privatleben und Beruf haben, sich mehr Zeit für Beziehungen, Kinder und Hobbys nehmen, aber gleichzeitig auch ungewöhnlich hohen Einsatz und bemerkenswerte Leistungen im Beruf zeigen. Nicht trotz, sondern wegen der Freiheiten. Für Semler ist das wenig verwunderlich: Menschen müssen sich entfalten können, um ihr Potenzial optimal einzubringen.


Und es funktioniert

Semler ist sich sicher: Sein Konzept funktioniert überall. Er selbst hat es in Fabriken ebenso eingesetzt, wie in IT-Büros. Tatsächlich ist es eigentlich andersherum - es funktioniert überhaupt nur so. Unsere derzeitige Arbeitswelt mit ihren Burn-Out-Syndromen, mit Mobbing, Stress, Magengeschwüren und Depressionen funktioniert nämlich eben nicht, sie ist fortgesetzter Wahnsinn.

Es wird Zeit, dass wir eine Gesellschaft erschaffen, in der Beruf wieder mit Berufung und Leidenschaft assoziiert wird, nicht mit Sklaverei und Ausbeutung. In der Menschen wieder freie Entscheidungen treffen können und mit Respekt behandelt werden. In der Privatleben und Arbeit gleichwertig sind – auch für die Vorgesetzten. Es wird Zeit für das 7-Tage-Wochenende!

Von Ricardo Semmler sind mehrere Bücher erschienen darunter: "The Seven-Day Weekend: A Better Way to Work in the 21st Century" und "Das Semco System: Management ohne Manager".

Text: Das Ende der Arbeit

http://www.sein.de/gesellschaft/neue-wirtschaft/2009/das-ende-der-arbeit.html

Was viele bei der Diskussion um die Wirtschaftskrise vergessen: Unser gegenwärtiges System kann schon deshalb nicht länger funktionieren, weil uns ganz einfach die Arbeit ausgeht. Endlich wird die Arbeit knapp!
Denn mit der technischen Entwicklung und der Steigerung der Arbeitsproduktivität haben sich die Voraussetzungen für Arbeit fundamental verändert. In einem Interview mit der Stuttgarter-Zeitung brachte US-Ökonom Jeremy Rifkin die Entwicklung jüngst auf den Punkt:
"Wir sind mitten in einer Umwälzung, die die industrielle Revolution noch übertrifft. Durch die ersten Mechanisierungsschübe verloren Millionen von Menschen ihre Jobs und wanderten vom Land in die Städte, um dort mit den Maschinen zusammen zu arbeiten. Aber die Computer und Informationstechnik von heute machen immer mehr Menschen ganz überflüssig. [...] Wir vollziehen gerade einen Wandel hin zu einem Markt, der zum allergrößten Teil ohne menschliche Arbeitskraft funktioniert. Bis 2010 werden nur noch zwölf Prozent der arbeitenden Bevölkerung in Fabriken gebraucht. Bis 2020 werden es weltweit nur noch zwei Prozent sein."
Sein Fazit: "Langfristig wird die Arbeit verschwinden."
Das sollte eigentlich eine gute Nachricht sein. Schon jetzt müssten wir nach verschiedenen Berechnungen nur noch 3-6 Stunden arbeiten, um das gleiche Wohlstands-Niveau zu halten, wie vor 10 Jahren - wenn es bei Arbeit überhaupt darum ginge, die Sachen herzustellen, die alle Menschen brauchen, um ihre Bedürfnisse zu befriedigen.
Auch die Befürworter des Bürgergeldes verweisen immer wieder auf die Tatsache, dass es völlig absurd ist, ein System zu erhalten in dem Arbeitslosigkeit ein Problem darstellt, während es gleichzeitig Arbeitslosigkeit produziert:
"In Zeiten produktivitätssteigernder Rationalisierungen stellen Aufrufe zur Vollbeschäftigung nichts als einen Ausdruck von Realitätsverlust dar.
Um "Vollbeschäftigung" herzustellen müsste man die Wirtschaft an der Modernisierung hindern, massiv Löhne senken oder künstlich steuerfinanzierte "Arbeit" schaffen." schreibt die Bundesagentur für Einkommen in ihrem Aufruf zum 1. Mai.

Die Lüge erhalten

Die Regierung tut dennoch alles erdenkliche, um die Illusion aufrecht zu erhalten - noch immer ist die Reduzierung der Arbeitslosigkeit Thema Nummer eins in den Wahlkämpfen und für die Herkunft der Arbeitslosigkeit bekommen wir immer wieder dieselben Lügen aufgetischt:
1. Arbeitslosigkeit entsteht, weil die bösen Unternehmer Stellen ins Ausland verlagern
Die Wahrheit: Die Zahl der Jobs die in Deutschland verschwinden, weil sie zum Beispiel nach Osteuropa oder China verlagert wird, ist verschwindend gering. Sie macht gerade mal ein Prozent der abgebauten Stellen aus.

Der wirkliche Jobkiller ist der technologische Fortschritt.
2. Arbeitslosigkeit entsteht, weil die Leute für die bestehenden Jobs nicht richtig ausgebildet sind.

Die Wahrheit: Selbst wenn alle Arbeitslosen in Deutschland Professor Dr. Dr. Ing. wären, hätten sie immer noch keinen Job.
3. Wir haben zu wenig Jobs, weil die Sozialabgaben zu teuer sind.
Die Wahrheit: Die Vergleiche zu den USA, mit denen hier immer wieder argumentiert wird, greifen kaum, wenn man sich die Auswirkungen eines abgespeckten Sozialsystems genauer anschaut: Allein 2 Millionen Menschen sitzen in den USA zum Beispiel in Gefängnissen.
Die Lüge muss aber aufrecht erhalten werden, weil nur durch das gegenwärtige System eine Umverteilung des Reichtums von unten nach oben möglich ist. Nur in der bestehenden Logik können Menschen gezwungen werden, menschenunwürdige oder moralisch bedenkliche Arbeit anzunehmen.

Die Zeit nach der Arbeit

Es wird Zeit zu erkennen, das Lohnarbeit nicht mehr notwendig ist, sondern nur Relikt eines gescheiterten Systems ist, dass soziale Ungerechtigkeit immer aufs Neue manifestiert. Und es gilt nun, Utopien zu wagen für eine Zeit nach der Arbeit. Das sieht auch Jeremy Rifkin ähnlich:
"Ich sehe zwei Alternativen für unsere Zukunft. Die eine ist eine Welt mit Massenarmut und Chaos. Die andere ist eine Gesellschaft, in der sich die von der Arbeit befreiten Menschen individuell entfalten können.
Das Ende der Arbeit kann für die Menschheit einen großen Sprung nach vorn bedeuten. Wir müssen ihn aber auch wagen."
Wie das Aussehen könnte, wird zur Zeit an vielen Stellen diskutiert: Bürgergeld/Bedingungsloses Grundeinkommen, Währungen auf Zeitbasis, massiver steuerfinanzierter Ausbau des Non-Profit Sektors, Ressourcenbasierte Ökonomie ... Vorschläge gibt es genug. Sie alle werden aber nur dann funktionieren, wenn sich gleichzeitig auch das Bewusstsein der Menschen ändert: Wenn nicht mehr gearbeitet wird, um eine Minderheit reich zu machen, sondern ein erfülltes Leben in Wohlstand für alle zu ermöglichen.
Dazu muss zunächst der mit der Lohnarbeit zusammenhängende, fast religiöse Wahn beendet werden, zu dem wir alle konditioniert wurden. Wenigstens im Kopf sollten wir jetzt frei werden, denn:
Eine mögliche Welt ist anders!