Jiddu Krishnamurti

Jiddu Krishnamurti
Wir werden sehen wie wichtig es ist die radikale Revolution in den Köpfen der Menschen zu verursachen. Die Krise ist eine Krise des Bewusstseins. Ein Krise, die nicht mehr die alten Normen akzeptieren kann, die alten Muster, die uralten Traditionen. Wenn man in Betracht zieht, was die Welt jetzt ist, mit all dem Elend, den Konflikten, der zerstörerischen Brutalität, Aggressionen usw. Der Mensch ist immer noch wie er war. Er ist immer noch brutal, zerstörerisch, aggressiv, habgierig, wetteifernd. Er hat eine Gesellschaft darauf aufgebaut.

Samstag, 21. September 2019

Krishna Das ♥ Sundhara (Hanuman) Chalisa


Hanuman* Chalisa ist ein Gedicht in Hindu, das vor allem Hanuman preist. Es handelt sich hierbei um einen religiösen Gesang. Wörtlich übersetzt heißt es: “die vierzig Lobverse auf Hanuman”. Es ist nach der Ramacharitamanasa das berühmteste Stück von Tulsidas. Die Grundidee zu der Hanuman Chalisa stammt aus dem 16. Jahrhundert.

Shree Guru charana saroja raja nija manu mukuru sudhaari
Nimm den Staub von den Lotusfüßen meines Gurus, um den Spiegel meines Herzens zu polieren

Baranaun Raghubara bimala jasu jo daayaku phala chaari
Ich singe den reinen Ruhm des Besten von Raghus, der die vier Früchte des Lebens schenkt.

Buddhi heena tanu jaanike sumiraun pawana kumara (Siya Ram)
Ich weiß nichts, also erinnere ich mich an dich, Sohn des Windes

Bala budhi vidyaa dehu mohin harahu kalesa bikaara
Gib mir Kraft, Intelligenz und Weisheit und entferne meine Unreinheiten und Sorgen

Seeyavara Ramchandra pada jai sharanam
Zuflucht zu Füßen von Sitas Lord Ram

1 Jaya Hanumaan gyaana guna saagara, Jaya Kapeesa tihun loka ujaagara
Sei gegrüßt, Hanuman, Ozean der Weisheit. Sei gegrüßt, Monkey Lord! Sie beleuchten die drei Welten.

2 Raama doota atulita bala dhaamaa, Anjani putra Pawanasuta naamaa
Du bist Ram's Bote, der Wohnsitz der unübertroffenen Macht Anjanis Sohn, "Sohn des Windes".

3 Mahaabeera bikrama bajarangee, Kumati niwaara sumati ke sangee
Großer Held, du bist ein mächtiger Blitz, Entferner böser Gedanken und Gefährte des Guten.

4 Kanchana barana biraaja subesaa, Kaanana kundala kunchita kesa
Goldfarben und prächtig geschmückt / mit schweren Ohrringen und lockigen Locken

5 Haata bajra au dwajaa biraajai, Kaandhe moonja janeu saajai
In deinen Händen leuchten Streitkolben und ein Banner, ein heiliger Faden ziert deine Schulter.

6 Shankara suwana Kesaree nandana, Teja prataapa mahaa jaga bandana
Du bist eine Inkarnation von Shiva und Kesaris Sohn, Deine Herrlichkeit wird auf der ganzen Welt verehrt.

7 Vidyaawaana gunee ati chaatura, Raama kaaja karibe ko aatura
Sie sind die weisesten der weisen, tugendhaften und sehr klugen, die jemals bestrebt sind, Rams Arbeit zu tun

8 Prabhu charitra sunibe ko rasiyaa, Raama Lakhana Seetaa mana basiyaa
Sie freuen sich, von den Taten des Herrn zu hören, die Ram, Lakshman und Sita in Ihrem Herzen leben.

9 Sookshma roopa dhari Siyahin dikhaawaa, Bikata roopa dhari Lankaa jaraawaa
Angenommen, eine winzige Form, in der Sie Sita erschienen sind, haben Sie Lanka verbrannt.

10 Bheema roopa dhari asura sanghaare, Raamachandra ke kaaja sanvaare
Sie haben eine schreckliche Form angenommen und die Dämonen geschlachtet, um Lord Rams Arbeit zu vervollständigen.

11 Laaya sajeevana Lakhana jiyaaye, Shree Raghubeera harashi ura laaye
Indem du das magische Kraut gebracht hast, das du wiederbelebt hast, hat dich Lakshman Shri Ram entzückt umarmt.

12 Raghupati keenhee bahuta baraaee, tuma mama priya Bharatahi sama bhaaee
Der Herr der Raghus hat dich sehr gelobt. Du bist mir so teuer wie mein Bruder Bharat


13 Sahasa badana tumharo jasa gaawain, asa kahi Shreepati kanta lagaawain
Tausende von Mündern werden Ihren Ruhm singen! Wenn du also sagst, Lakshmis Lord hat dich zu sich gezogen.

14 Sanakaadika Brahmaadi muneesaa, Naarada Saarada sahita Aheesaa
Sanak und die Weisen, Brahma und die Munis Narada, Saraswati und der König der Schlangen

15 Yama Kubera digapaala jahaante, kabi kobida kahi sake kahaante
Yama, Kubera, die Wächter der vier Dichter und Gelehrten - niemand kann Ihren Ruhm ausdrücken.

16 Tuma upakaara Sugreevahin keenhaa, Raama milaaya raaja pada deenhaa
Sie haben Sugriva großen Dienst erwiesen, als Sie ihn zu Ram brachten. Sie haben ihm das Königtum gegeben.

17 Tumharo mantra Vibheeshana maanaa, Lankeshwara bhaye saba jaga jaanaa
Vibhishana hat Ihren Rat befolgt. Er wurde der Herr von Lanka, wie die ganze Welt weiß.

18 Yuga sahasra yojana para bhaanu, leelyo taahi madhura phala jaanu
Obwohl die Sonne Millionen von Kilometern entfernt ist, haben Sie sie geschluckt und gedacht, sie sei eine süße Frucht.

19 Prabhu mudrikaa meli mukha maaheen, jaladhi laanghi gaye acharaja naaheen
Es ist keine Überraschung, dass Sie mit dem Ring des Herrn im Mund über den Ozean gesprungen sind.

20 Durgama kaaja jagata ke jete, sugama anugraha tumhare tete
Jede schwierige Aufgabe in dieser Welt wird durch Ihre Gnade leicht.

21 Raama duaare tuma rakhawaare, hota na aagyaa binu paisaare
Sie sind der Wächter an Rams Tür, den niemand ohne Ihre Erlaubnis betritt.

22 Saba sukha lahai tumhaaree sharanaa, tuma rakshaka kaahu ko dara naa
Diejenigen, die Zuflucht bei Ihnen suchen, finden alles Glück, die Sie beschützen, kennen keine Angst.


23 Aapana teja samhaaro aapai, teenon loka haanka ten kaanpai
Du allein kannst deiner eigenen Pracht widerstehen, die drei Welten zittern vor deinem Gebrüll.

24 Bhoota pisaacha nikata nahin aawai, Mahaabeera jaba naama sunaawai
Geister und Goblins können sich dem Großen Helden nicht nähern, wenn dein Name ausgesprochen wird.

25 Naasai roga hare saba peeraa, japata nirantara Hanumata beeraa
Alle Krankheiten und Schmerzen werden ausgerottet, indem Sie ständig Ihren Namen wiederholen, mutiger Hanuman.

26 Sankata ten Hanumaana churaawai, mana krama bachana dhyaana jo laawai
Hanuman, du befreist alle, die dich in Gedanken und Taten in Erinnerung behalten, vom Elend.

27 Saba para Raama tapaswee raajaa, tina ke kaaja sakala tuma saajaa
Ram, der asketische König, regiert über alle, aber Sie erledigen alle seine Arbeit.

28 Aura manorata jo koee laawai, soee amita jeewana phala paawai
Einer, der mit einer Sehnsucht zu dir kommt, erhält die Fülle der vier Früchte des Lebens.

29 Chaaron juga parataapa tumhaaraa, hai parasidha jagata ujiyaaraa
Ihre Pracht erfüllt die vier Zeitalter, in denen Ihr Ruhm auf der ganzen Welt bekannt ist.

30 Saadhu santa ke tuma rakhawaare, asura nikandana Raama dulaare
Du bist der Hüter der Heiligen und der Weise der Zerstörer der Dämonen und der Liebling von Ram.

31 Ashta siddhi nau nidhi ke daataa, asa bara deena Jaanakee Maataa
Sie gewähren die acht Mächte und neun Schätze durch den Segen, den Sie von Mutter Janaki erhalten haben.

32 Raama rasaayana tumhare paasaa, sadaa raho Raghupati ke daasaa
Du hältst das Elixier von Rams Namen und bleibst für immer sein Diener.

33 Tumhare bhajana Raama ko paawai, janama janama ke dukha bisaraawai
Wenn man sein Lob singt, findet man Ram und die Sorgen von unzähligen Leben sind zerstört.

34 Anta kaala Raghubara pura jaaee, jahaan janama Hari bhakta kahaaee
Nach dem Tod geht man zu Ram's eigener Unterkunft, der dort als Gottgeweihter geboren wurde.

35 Aura devataa chitta na dharaee, Hanumata se-ee sarva sukha karaee
Warum betest du andere Gottheiten von Hanuman an? Du wirst alles Glück haben.

36 Sankata katai mite saba peeraa, jo sumire Hanumata bala beeraa
Jegliches Leid hört auf und alle Schmerzen werden für diejenigen beseitigt, die sich an den mächtigen Helden Hanuman erinnern.

37 Jai jai jai Hanumaana Gosaaee, kripaa karahu gurudeva kee naaee
Sieg, Sieg, Sieg Lord Hanuman schenke mir deine Gnade als mein Guru!

38 Jo sata baara paata kara koee, chootahi bandi mahaa sukha hoee
Wer dies hundertmal rezitiert, wird aus der Knechtschaft entlassen und gewinnt Glückseligkeit.

39 Jo yaha parai Hanumaana chaaleesaa, hoya siddhi saakhee Gaureesaa
Wer diesen Hanuman Chalisa liest, gewinnt Erfolg, da Gauris Lord (Shiva) Zeuge ist.

40. Tulasee Daasa sadaa Hari cheraa Keejai naata hridaya mahan deraa
Sagte Tulsi Das, der immer Haris Diener bleibt, sagt: "Herr, mach dein Zuhause in meinem Herzen."

Shree Raam Jai Raam Jai Jai Raam 
Seetaraam Seetaraam Seetaraam Jai Seetaraam 
Seetaraam Seetaraam Jai Jai Seetaraam  

Raama Lakshmaan Jaanaki Jai Bolo Hanumaana ki

*Hanuman ist einer der in Indien populärsten Aspekte Gottes. Hanuman, Sohn des Windes, wird auch als Affengott bezeichnet. Er gilt als eine Inkarnation von Shiva. Er ist ein großer Verehrer von Rama und Sita, Inkarnationen von Vishnu und Lakshmi. Er symbolisiert Dasya Bhava, die Liebe des Gottesverehrers, des Gottesdieners zu Gott als seinen Meister. Als Affe steht Hanuman dafür, dass jeder zu Gott kommen kann. Als Sohn des Windes ist er der Schutzherr von Pranayama. Hanuman symbolisiert auch den menschlichen Geist, der durch tiefe Hingabe (Bhakti) in höherere Bewusstseinsebenen geführt werden kann. Hanuman konnte sich sehr klein und sehr groß machen: Ein Bhakta, ein Gottesverehrer, kann sehr demütig sein. Er ist aber auch bereit, Verantwortung zu übernehmen. Im Dienst an Gott wächst er über sich hinaus. Glaube kann Berge versetzen: Hanuman konnte durch große Hingabe an Rama (Inkarnation Gottes) über die Meerenge zwischen Indien und Sri Lanka springen. Es gelang ihm, einen Berg mit Heilkräutern vom Himalaya nach Ceylon zutransportieren...

http://www.yoga-vidya.de/Bilder/Galerien/Hanuman.html

Freitag, 20. September 2019

Paul Brunton ♥ Augenblicke der Wahrheit

Einsichten und Reflexionen eines Wanderers auf dem Weg nach Innen
http://www.palikanon.com/diverses/p_brunntn/p_brunn00.htm 
1. Die Suche
2. Die Arbeit an sich Selbst
3. Entspannung und Einkehr
4. Grundsätzliches zur Meditation
5. Der Körper
6. Emotionen und Ethik
7. Der Verstand
8. Das Ich
9. Von der Geburt
10. Die Heilung des Selbst
11. Die negativen Kräfte
12. Reflexionen
13. Lebenserfahrung
14. Der Ort der Kunst
15. Der Orient
16. Mediale und Mystische Erfahrung
17. Der Religiöse Drang
18. Das Andächtige Leben
19. Seins- und Bewusstseinszustände
20. Was ist Philosophie
21. Der Mentalismus
22. Inspiration und das Überselbst
23. Höhere Stufen der Kontemplation
24. Der Innere Friede
25. Der Weltgeist im Individuellen Geist
26. Die Weltidee
27. Der Weltgeist
28. Das All-Eine
O.W. Barth Verlag

1. DIE SUCHE

Wir haben hier auf Erden eine heilige Mission. Wir müssen das finden, was Theologen die Seele und Philosophen das Überselbst nennen. Es ist dies etwas, was uns zum Greifen nahe ist und doch gleichzeitig weit von uns entfernt. Denn es ist die geheime Quelle unseres Lebensstromes, unseres Selbstseins und unseres Bewußtseins. Weil aber unsere Lebensenergie fortwährend durch die Sinne ausströmt, unser Selbstsein fortwährend mit dem Körper identifiziert wird und unser Bewußtsein sich niemals auf sich selbst besinnt, kommt es zwangsläufig dazu, daß uns das Überselbst vollkommen entgeht.
Vier Ziele gibt es, die die Philosophie dem Menschengeist steckt: 
  1. sich selbst zu erkennen; 
  2. sein Überselbst zu erkennen; 
  3. das Universum zu erkennen; 
  4. sein Verhältnis zum Universum zu erkennen. 
Diesen Zielen nachzustreben, macht die Suche aus.

Ein bescheidenes Leben, das sich in den Dienst einer großen Sache stellt, wird groß.

Es besteht bei Mystikschülern, Yoga-Übenden und nach spiritueller Wahrheit Suchenden der starke Hang, ihre Suche als etwas gänzlich vom Leben Abgetrenntes anzusehen, genau wie der Briefmarkensammler und der Freizeitgärtner ihr jeweiliges Hobby als etwas betrachten, dem sie zusätzlich zur Routine ihres täglichen Lebens nachgehen können. Das ist ein grundlegender Irrtum. Die Suche ist weder ein ernsthaftes Hobby noch eine angenehme Ablenkung von der Stumpfheit des prosaischen Alltagslebens. Sie ist das wirkliche Leben selbst. Wer das nicht begreift, verfällt infolgedessen in Exzentrizitäten, Egozentrismen, Superioritätskomplexe, Sektierertum, sinnloses Missionieren noch nicht dafür bereiter oder gegnerisch eingestellter Menschen sowie Versuche, anderen etwas aufzuzwingen, was ihnen nicht entspricht.

Wer die Suche von seinem alltäglichen Dasein trennt, grenzt damit das wichtigste Feld seines weiteren Wachstums aus. Solche Menschen werden oft Träumer oder verlieren die praktischen Dinge des Lebens aus dem Griff. Wenn man jedoch irgendeinen dieser Fehler einem Suchenden gegenüber erwähnt, fühlt er sich selten persönlich angesprochen, sondern meint in der Regel, dies träfe nur auf andere Suchende zu. Dies kommt daher, daß er sich als weiter fortgeschritten betrachtet, als er in Wirklichkeit ist. 

Die Reise beginnt an dem Ort im Bewußtsein, an dem man sich befindet. Man kann die Geschichte anderer Wanderer wiederholen, die hier und dort, in diesem und in jenem Kult nach der Speise suchen, die ihren inneren Hunger stillt. Auf einer solchen Suche können Jahre vergehen, aber ob sie nun in einem von diesen Kulten endet oder außerhalb aller, eines Tages geschieht etwas mit einem. Der Geist wird plötzlich mit Verständnis erhellt und das Herz mit Frieden erfüllt. Die Erfahrung vergeht bald, aber die Erinnerung daran bleibt lange. So froh hat sie einen gemacht, daß man sich danach sehnt, sie zu wiederholen. Aber ach, gerade dies ist anscheinend etwas, was man nicht einfach machen kann, wie man will. Wenn es wieder geschieht, wird man die Suche genau dort aufnehmen, wo sie wirklich am Platz ist - in seinem Innern. Man wird aufhören, hierhin und dorthin zu schauen, und in vollem Ernst mit der Arbeit an sich selbst beginnen. Man wird seinen Charakter läutern, regelmäßig Meditation treiben und inspirierte Werke studieren müssen.

Ist das innere Leben unvereinbar mit dem Leben der Welt? Religiös-mystische Exerzitien und Praktiken gründen meistens auf solch einer fundamentalen Unvereinbarkeit. Auch die traditionellen Lehren behaupten sie für gewöhnlich. Doch wenn dem so wäre: «Dann», so bemerkte Ramana Maharshi einmal skeptisch zu mir, «gäbe es keine Hoffnung für die Menschheit.»

Die übernervösen intellektuellen und künstlerischen Temperamente, die sich scharenweise auf diesen spirituellen Pfaden drängen, sind mehr als alle anderen dazu prädisponiert, sich zu verirren. Die wundersame Welt des Studierens und Experimentierens, die sich für sie auftut, nimmt sie gefangen. Sie drücken sich gern davor, diese Lehren in ihrer ganzen Wirkkraft auszuleben, und reden lieber bloß darüber. Denn der Widerstand, mit dem man bei der Arbeit in schwieriger Materie zu kämpfen hat, bringt die wirkliche Kraft der Seele zum Vorschein. Er erschwert den Erfolg, macht ihn aber dauerhafter.

In der heiligen Stille wird das Leben der Suche geweiht. Und obwohl einen niemand sonst hört oder von dieser Weihung weiß, ist sie ebenso bindend und verpflichtend wie das feierlichste Gelöbnis vor versammelter Loge.

Menschen, die in ihren Emotionen stark von persönlichen Seelenproblemen befangen sind, wären besser für die Suche gerüstet, wenn sie zuerst ihr Leben in Ordnung oder sich persönlich wieder auf die Reihe brächten. Ob ihre Seelenlage nun neurotisch, hysterisch oder psychopathisch ist, es ist eine unbesonnene Vermessenheit, wenn sie es wagen, eine Anwartschaft auf das Eindringen in die göttlichen Mysterien anzumelden.

Das Opfer, das vom Suchenden verlangt wird, ist nichts Geringeres als sein Selbst. Will er die höheren Weihen des Pfades erhalten, muß er das Denken und Trachten des Ich aufgeben, muß dessen emotionale Reaktionen auf Ereignisse, Personen und Dinge überwinden. Jedesmal, wenn er die ruhelosen Gedanken in stiller Meditation zum Schweigen bringt, gibt er das Ich auf; jedesmal, wenn er seine Wünsche in einer wichtigen Entscheidung hintanstellt, gibt er das Ich auf; jedesmal, wenn er den Körper, die Leidenschaften, das Handeln diszipliniert, gibt er das Ich auf. Das Äußerste wird von ihm verlangt, bevor ihm das Äußerste zuteil wird; er ist gezwungen, mit der Selbsterniedrigung zu beginnen und, was schlimmer ist, mit der Selbstkreuzigung aufzuhören. Jeder Suchende muß diese Prüfung bestehen - es führt kein Weg daran vorbei. In "Licht auf den Pfad" (von Mabel Collins) heißt es von den Suchenden, daß «die Füße im Herzblut gewaschen werden». Die Suche ist also nichts für Schwächlinge. Man ist nicht der erste Suchende und wird auch nicht der letzte sein, der weiter das Ich anbetet und dabei wähnt, er habe begonnen, das Überselbst anzubeten.

Diese falsche Selbstidentifikation ist nicht nur ein metaphysischer Irrtum, sondern auch eine innere Gewohnheit. Wir können den Irrtum wohl intellektuell ausräumen, aber wir müssen immer noch mit der Gewohnheit fertig werden. Sie ist derart eingefleischt, daß sie nur durch eine Anstrengung des ganzen Menschen geändert werden kann. Diese Anstrengung heißt die Suche. 

Manche bilden sich ein, der Pfad sei überlaufen. Er ist es nicht. «Denn viele sind berufen, aber wenige sind auserwählt.» Der Wanderer muß lernen, ergeben in teilweiser Einsamkeit dahinzugehen. Das Ringen um sichere Wahrheit und die Suche nach der göttlichen Seele werden von jedem, der die philosophische Ebene erreicht hat, in strenger Vereinzelung verfolgt, und das muß auch so sein. Fortschritt der Menge und massenhafte Erlösung sind hier nicht möglich.

Es stimmt, daß das höhere Selbst den Suchenden von innen her lenken und sogar lehren kann und daß es letztendlich der einzige wirkliche Lenker und Lehrer ist. Aber es stimmt auch, daß er gefährlich irregehen kann, wenn er sich vorzeitig für selbständig hält. Ja, das höhere Selbst wird ihn zu einem anderen menschlichen Helfer leiten, wenn er hinlänglich dafür gerüstet ist. Selbstvertrauen und Unabhängigkeit sind wertvolle Eigenschaften, aber sie können zu weit getrieben werden und dann in Fehler umschlagen. Der Schüler, der sich an seine eigene Lenkung und Inspiration halten kann, ohne Fehltritte zu machen oder Jahre zu vergeuden, darf sich glücklich preisen.
Es ist kein Widerspruch, wenn man Suchenden einmal rät, einen Meister zu suchen und den Pfad der Schülerschaft einzuschlagen, und ihnen ein andermal rät, im Innern zu suchen und den Pfad des Selbstvertrauens einzuschlagen. Die zwei Ratschläge lassen sich ohne weiteres miteinander vereinbaren. Denn wenn der Suchende auf den ersten hört, wird ihn, der Meister dahin führen, in wachsendem Maß Selbstvertrauen zu entwickeln. Wenn er auf den zweiten hört, wird ihn sein höheres Selbst zu einem Meister fuhren.

Kein Suchender sollte so dumm sein, die dargebotene Hand eines würdigen Meisters auszuschlagen. Ja, seine Schwäche und Unwissenheit sind so groß, daß er alle Hilfe benötigt, die er von allen starken und weisen Menschen seiner Zeit wie auch - durch ihre Schriften - vergangener Zeiten bekommen kann. Aber die Beziehung zu einem solchen Meister sollte er deshalb noch lange nicht auf der Grundlage völliger Knechtschaft und intellektueller Lähmung eingehen noch auf der eines totalitären Verbots, bei anderen Meistern oder in anderen Schulen zu lernen. Wenn er sich seine Selbstachtung bewahren will, sollte er sich seine Freiheit zu wachsen und seine Unabhängigkeit zu wählen bewahren. 

Eine kleine Gruppe von Schülern, die sich zu ernsthaftem Lernen zusammenfinden, kann für jeden Teilnehmer eine große Hilfe sein, sofern eine grundsätzliche spirituelle Verbundenheit zwischen ihnen besteht. Fehlt diese auch nur bei einem einzigen aus der Gruppe, kann diese Zusammenkunft unter Umständen mehr Verwirrung als Erleuchtung stiften oder kann einige oder alle vergessen lassen, daß jeder, der auf der Suche ist, allein geht.

Dasselbe Licht, das deine geistige Wichtigkeit erhellt, erhellt auch deine persönliche Bedeutungslosigkeit.

Es kommt nicht so sehr auf die Gedanken an, die der Lehrer von sich gibt, als vielmehr auf die geistige Kraft im Schüler, die durch diese Gedanken erweckt wird.
Gib dich nicht anders, als du bist. Wenn du einer aus der Menge bist, dann zieh dir nicht die stolzen Gewänder des Lehrers an und tu nicht so, als könntest du ihn nachmachen; wenn du dich nicht an die Wahrheit hältst, kannst du sie auch niemals finden. Wer sich auf das Podest spiritueller Geltung stellt, bevor er vom Meister oder von Gott dorthin gestellt wurde, macht damit den ersten Schritt zu einem erniedrigenden und schmerzlichen Absturz.

Wenigstens drei Eignungsvoraussetzungen müssen bei einem spirituellen Lehrer vorhanden sein: vollendete Meisterschaft, sittliche Reinheit und mitfühlender Altruismus. Nur wer über das Böse in sich selbst triumphiert hat, kann anderen dazu verhelfen, für sich das gleiche zu tun. Nur wer den göttlichen Geist in sich selbst entdeckt hat, kann andere dazu anleiten, ihn ihrerseits zu entdecken. Eine Unterweisung, die nicht persönlicher Erfahrung entstammt, kann niemals die Wirksamkeit einer Unterweisung haben, bei der das der Fall ist.

Die Intuition, die einen Menschen veranlaßt, auf die Suche zu gehen, ist wie alle authentische Intuition ein Funke - ein Funke der zum Verlöschen gebracht werden kann durch Zweifel, Unentschlossenheit und das Annehmen unverständiger und abschätziger Gedanken anderer, oder der angefacht werden kann durch Vertrauen, Hingabe und das Annehmen förderlicher Hinweise von Menschen, die den Weg bereits gegangen sind und sein Ziel erreicht haben.

Wenn sich ein Mensch zu guter Letzt selbst gefunden hat, wenn er keinen Bedarf mehr an einem äußeren menschlichen Symbol hat, sondern direkt zu seiner eigenen inneren Wirklichkeit vorstößt, darf er sich in dem ältesten, längsten und größten aller Kämpfe Schulter an Schulter neben den Lehrer stellen.

Montag, 16. September 2019

Jiddu´s letzte Gespräche, Varanasi, 22. Nov. 1985 über Tod und Freiheit

Der Tod sagt, du kannst nichts mitnehmen: also lade den Tod ein - nicht Selbstmord! - lade ihn ein und lebe mit ihm. Der Tod ist jetzt, nicht morgen.
Ich hänge an ihm, er ist ein Freund von mir, ich habe mit ihm gelebt, wir sind miteinander gewandert, wir haben miteinander gespielt, er ist mein Gefährte, und ich hänge an ihm. Der Tod sagte mir: Du kannst ihn nicht mit dir nehmen. Das sagte der Tod zu mir. Mach dich frei, nicht erst 10 Jahre später. Und ich sage: Ganz recht, ich werde frei von ihm sein. Obwohl ich noch immer sein Freund bin, bin ich keineswegs von ihm abhängig. Denn ich kann ihn nicht mit mir nehmen. Was ist daran falsch`?
Anwesender: "Das bedeutet, Sir, dass Sie alle Freuden aufgeben müssen..."
K: Nein. Das sage ich nicht. Ich sage Gebundenheit.
Anwesender: "Jede Gebundenheit..."
K: Das ist alles.
S.48

Sie müssen nicht nur fragen, was ist Tod und Sterben, sondern auch, was ist Leben. Was ist Ihr Leben? - Im Büro von neun bis fünf, als Angestellter, als Fabrikarbeiter oder was auch immer, für den Rest Ihres Lebens, bis Sie sich alt, verkalkt zur Ruhe setzen. Und Ihr Leben ist Kinderzeugen, Sex, Vergnügen, Schmerz, Kummer, Angst, ein Problem nach dem anderen - Krankheit, Ärzte, Kaiserschnittoperationen, Schmerzen des Gebärens. Das ist Ihr Leben.
Oder etwa nicht?
Und das nennen Sie Leben?
Sie hegen es, Sie genießen es, Sie wollen mehr und mehr davon. Nicht wahr? Und Sie schieben den Tod so viele Jahre wie möglich von sich weg. Und in dieser Zeit bauen Sie wieder und wieder dieselbe Schablone auf. Ihre Kinder, Ihre Enkelkinder, alle leben nach derselben Schablone, die Sie Leben nennen.
So sage ich zu mir selbst, warum bringe ich nicht das, was Sie Tod nennen, in das Leben ein? Sie können nichts mitnehmen - nichts. Nicht was Sie versuchten im Leben zu verwirklichen, keine Möbel, keinen Partner, keine Kinder, kein Silber, kein Geld. Nichts. Wenn Sie also nichts mitnehmen können, warum lassen Sie nicht Leben und Tod einander begegnen.
„Gegen seinen Willen stirbt, wer nicht zu sterben gelernt hat.
Lerne zu sterben und du wirst lernen zu leben,
denn niemand wird lernen zu leben, der nicht gelernt hat zu sterben.“ -
Weg aller Wege: es lehrt den Menschen das Sterben.
The Book of the Craft of Dying


Verstehen Sie was ich meine?
Warum lassen Sie den Tod nicht heute kommen? Nicht Selbstmord! - das ich nicht, was ich meine. Warum nicht heute vollkommen frei sein von Bindungen - die Tod bedeutet? Vollkommen ungebunden sein - heute, nicht morgen. (Morgen ist heute, denn es ist ewig Jetzt) Morgen ist Tod. Warum also kann ich nicht JETZT frei von Bindung sein, so dass Leben und Sterben jederzeit zusammen sind? Sehen Sie nicht das Wunderbare daran? Das gibt Ihnen ein unermeßliches Gefühl der Freiheit.

Es hat keine Harken, es hat kein Gefühl für Vergangenheit, Zukunft, Gegenwart. Das ist LEBEN - eine wirklich grenzenlose Art zu leben. Das heißt, jeder Tag ist ein neuer Tag. Die Zukunft ist Jetzt.
S.75

Mittwoch, 11. September 2019

11. Sept. 2019 || Wenn wir uns unsere blutigen Hände reichen ☺

können wir sicherlich alles erreichen ♥

Söhne Mannheims ♥ Freiheit

Die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte (Resolution 217 A (III) vom 10.12.1948) besteht aus 30 Artikeln

Edward Bernays und die Wissenschaft der Meinungsmache | Doku | ARTE
Edward Louis Bernays (22. November 1891 in Wien; † 9. März 1995 in New York)
Edward Bernays || Propaganda: Die Kunst der Public Relations

Gustave Le Bon || Psychologie der Massen
Gustave Le Bon (7. Mai 1841 in Nogent-le-Rotrou; † 13. Dezember 1931 in Paris)
 
Walter Lippmann || Die öffentliche Meinung: Wie sie entsteht und manipuliert wird
Walter Lippmann (23. September 1889 in New York; † 14. Dezember 1974 bei New York)

Politische Ponerologie: Eine Wissenschaft über das Wesen des Bösen und ihre Anwendung für politische Zwecke

Xavier Naidoo Goldwaagen/ Goldwagen
https://open.spotify.com/track/09Ktlz2fIUVngM8vkvhdta

Samadhi-Pada Satz 33 ~ Vier Tugenden

maitri karunā mudito-peksānām-sukha-duhkha punya-apunya-visayānām bhāvanātah citta-prasādanam ॥33॥

Das wandelbare Wesen des Menschen (Chitta) wird harmonisiert (Prasadana) durch die Kultivierung von Empathie (Maitri), Hilfsbereitschaft (Karuna), positive Bestätigung (Mudita) und Fehlerfreundlichkeit (Upeksha) in Situationen von Glück (Sukha), Leid (Duhka), Erfolg (Punya) oder Misserfolg (Apunya). ||33||

maitri = Liebe, Freundlichkeit, Empathie
karunā = Hilfsbereitschaft, Mitgefühl, Wohlwollen
mudito = (von muditā) Fröhlichkeit, Begeisterung, Heiterkeit, positive Bestätigung
upeksana = (von upeks) Gelassenheit, Gleichmut, Fehlerfreundlichkeit
sukha = glücklich sein, Vergnügen
duhkha = leidvoll, Schmerz
punya = erfolgreich, Verdienst
apunya = missglückt, Misserfolg, Sünde

citta = Chitta, das wandelbare Wesen des Menschen, umfasst neben Geist auch Emotion, Energie und Physis


Vier Tugenden lösen die Vorprägungen

In diesem Satz stellt uns Patañjali einen Weg vor, die Vorprägungen aufzulösen. Es sind die Entwicklung von Empathie (Maitri), Hilfsbereitschaft (Karunā), positive Bestätigung (Mudita) und Fehlerfreundlichkeit (Upeksa).

Vier Tugenden in der Partnerschaft

Analysieren wir diese vier Eigenschaften, fällt uns auf, dass sie die vier Grundvoraussetzungen für jede erfolgreiche zwischenmenschliche Beziehung sind. Liegen diese vier Grund-Tugenden vor, kann eine Beziehung gelingen:
  • Maitri, die liebevolle Anerkennung des anderen. Ohne sie ist jede Beziehung undenkbar. Bringt man dem Partner keine Liebe entgegen, sondern Hass, ist die Beziehung beendet.
  • Karunā, die Hilfsbereitschaft. In einer gelungenen Partnerschaft hilft man sich gegenseitig. Gleichgültigkeit dem Partner gegenüber wirkt wie Gift für das Miteinander.
  • Mudita, die positive Bestätigung. Jeder Mensch braucht das Lob. Wie gut fühlt es sich an wenn jemand zu uns sagt: "Das hast Du gut gemacht". Wer niemals lobt, steht bald alleine da, denn keiner pflegt gerne eine Beziehung zu einem Griesgram.
  • Upeksa, die Fehlerfreundlichkeit. Jeder macht Fehler, hat Fehler - und, ist eine Beziehung einmal zustande gekommen, fallen uns früher oder später diese auch am anderen auf. Hier brauchen wir Gelassenheit. - Das liebevolle hinwegsehen.

Diese vier Grund-Emotionen bedingen sich dabei gegenseitig, durch die Entwicklung der einen, wachsen die anderen wie von selbst.

Die wichtigste Partnerschaft in Deinem Leben

Im Yoga geht es um eine ganz besondere Beziehung, nämlich die wichtigste Partnerschaft in deinem Leben - die Beziehung zu dir selbst. Sich selbst zu lieben, klingt zunächst einmal sehr einfach, doch beobachten wir unser Verhalten, werden wir feststellen, dass wir oft nicht diese nötigen Grundeigenschaften Maitri, Karunā, Mudita, Upeksa kultiviert haben.

Was Yoga-Unterricht von einer Aerobic-Stunde unterscheidet
Yoga-Unterricht soll dementsprechend den Schüler zu einer harmonischen Beziehung mit sich selbst führen. Solch eine Beziehung kann durch das Modell Lehrer-Schüler entstehen. Emotionen, so lehrt uns die Psychologie, entstehen hauptsächlich in der Wechselbeziehung mit anderen Menschen. Kleine Kinder bekommen so erst in der Spiegelung mit den Eltern den Kontakt zu ihren Gefühlen. Sie benötigen das Feedback der Mutter oder des Vaters, das sie einmal fröhlich und einmal traurig sein lässt.

Das Ziel des Yoga-Unterrichts liegt fern abseits der Yoga-Matte. - Das ist vielleicht der wesentliche Unterschied zur Aerobic-Stunde. Alles was Aerobic zu bieten hat, findet in seiner Ausübung selbst statt. Eine "Bauch, Beine, Po" Stunde hat nicht den Anspruch, das gesamte Leben des Teilnehmers zu transformieren und ihn zu einer harmonischen Beziehung mit sich selbst zu führen. Aber gerade das ist es, was ein Yoga-Schüler bewusst oder unbewusst in der Yoga-Stunde sucht. Er will mehr als nur den physischen work-out. Er sucht die Verbindung zu sich selbst. Aufgabe des Yoga-Lehrers ist es, den Schüler dabei zu unterstützen.

In meinen Yoga-Stunden lasse ich deshalb immer etwas Raum für die Möglichkeit, die physische Praxis in einen spirituellen Zusammenhang zu stellen und dem Schüler zu helfen, etwas davon in seinen Alltag mitzunehmen. Yoga ist eben doch, wie oft spöttisch gesagt wird, 99% Praxis – abseits der Matte. Daher ist es mir wichtig, immer offen für die Lebensfragen und Probleme meiner Schüler zu sein. Gerade in dieser Hilfe und emotionalen Unterstützung sehe ich eine wichtige Aufgabe als Yoga-Lehrer, aber auch als Arzt und im privaten Leben.

Die vier Tugenden für den Yogalehrer

Für den Yogalehrer bilden die vier von Patanjali aufgeführten Tugenden die Basis eines guten Unterrichts:
  • Maitri, die Empathie, Liebe und Freundlichkeit unseren Schülern gegenüber ist die Basis. Sonst stehen wir bald alleine im Yoga Raum.
  • Karunā, die Hilfsbereitschaft. Schließlich möchten wir auch etwas vermitteln. Wir helfen Menschen auf ihrem persönlichen spirituellen Weg, der Yogapraxis. Die Bereitschaft unsere Erfahrung und unser Wissen zu Teilen gehört essenziell dazu.
  • Mudita, die positive Verstärkung. Viele Lehrer scheitern an diesem Punkt. Sie möchten weiterhelfen und kritisieren daher nur an den Fehlern herum. Vergessen jedoch zu erwähnen was gut ist. Jedem Yogalehrer rate ich vor jeder Hilfestellung, jeder Verbesserung immer erst das gute zu finden. Höre einfach auf den Unterschied: "Strecke endlich Deinen Arm" oder: "Wau, hier sehe ich tolle starke Beine. Hole die Kraft aus den Beinen und strecke nun Deinen Arm."
  • Upeksa. Mancher Schüler tut sich auch etwas schwer. Hier ist Gelassenheit und Fehlerfreundlichkeit gefragt. Lass Deinen Schülern Freiraum. Möchten sie anders praktizieren als Du es vorschlägst, dann ermögliche dies. Klappt eine Bewegung auch beim hundertsten Versuch nicht, dann erkläre sie zum einhunderteinsten mal.

Die vier Tugenden in meinem persönlichen Leben

In meinem persönlichen Leben versuche ich mich so oft wie möglich an die vier Tugenden aus diesem Sutra von Patanjali zu erinnern:
  • Ich bemühe mich stets, anderen Menschen liebevolle Anerkennung entgegenzubringen, (Maitri), gerade auch dann, wenn die Zeit knapp ist.
  • Wenn jemand meine Hilfe benötigt, helfe ich gerne (Karunā). Dies gehört als Yoga-Lehrer und auch als Arzt sogar zu meinem Berufsbild. Manchmal ist meine Hilfe sehr konkret. Als Arzt beispielsweise verschreibe ich ein Medikament oder verordne eine Therapie. Bei Lebensfragen jedoch gebe ich selten konkrete Antworten. Vielmehr liegt es mir am Herzen, den Schüler seine persönliche Antwort finden zu lassen.
  • Mudita, die positive Verstärkung, sie ist als Yoga-Lehrer und Arzt eine wichtige Qualität. Oft muss ich Patienten sehr traurige Nachrichten überbringen. Mir ist es wichtig, hier trotzdem Zuversicht zu vermitteln. Wie soll der Patient an eine Genesung glauben, wenn ich ihm aus medizinischer Sicht diese Hoffnung nehme?
  • Upeksa, die Gelassenheit, sie ist für mich oft die schwierigste der vier Tugenden. Es ist die Gelassenheit, einen guten Freund zur Zigarette greifen zu lassen. Auch das Akzeptieren gehört dazu, wenn ein Patient eine Therapie ablehnt, die ich für wichtig erachte. Doch gerade darin zeigt sich eine gute Beziehung, den anderen mit seinen Ecken und Kanten so anzunehmen, wie er eben ist.

Ein Weg zur Entwicklung der vier Tugenden

Um diese wichtigen Tugenden Maitrī, Karuṇā, Mudita und Upekṣa zu entwickeln, teile ich gerne folgende Technik mit zukünftigen Yoga-Lehrern:

Um Groll oder eine ähnliche Emotion gegenüber einer Erfahrung oder Person loszulassen, visualisiere ich diese Person oder Erfahrung mit einem Faden, der mich mit ihnen verbindet. Dann projiziere ich Liebe auf die Person und die Erfahrung, danke für das Geschenk des Wissens und stelle mir vor, wie der Faden durchgeschnitten wird und die Person/Erfahrung sich entfernt und nicht mehr länger Teil meiner inneren Erfahrung ist.

Manche berichten mir, dass auch ihnen diese Technik entscheidend dabei hilft, mit manchmal schwierigen Schülern umzugehen. Die zwischenmenschlichen Beziehungen in ihrem privaten Leben hätten sich grundlegend verändert. Menschen, mit denen sie zuvor Probleme hatten, erscheinen plötzlich liebenswert und umgänglich. Auch Patañjali kennt und berichtet von diesem Phänomen:

Ob ein Objekt, eine Situation oder Person erkannt oder verkannt wird, hängt ab von dessen emotionaler Nähe und unseren Erwartungen. [YS IV.17]

Die Kultivierung von Maitri, Karunā, Mudita und Upeksa verändert unsere Wahrnehmung.

Alles was ich tue, denke und fühle zieht wellenartige Kreise nach außen und kann Freude wecken und Liebe ausstrahlen. Wenn ich den Zugang zur Liebe in mir selber finde, bin ich voller Kraft und habe deshalb viel zu geben. Der Schlüssel dazu liegt in der Fähigkeit, in mir selbst sowie in meinem Gegenüber das göttliche Wesen zu erkennen, das wir alle sind.

de.ashtangayoga.info


Ganzheitliches Bewusstsein ist tatsächlich eine Güte, die beinhaltet:
1) Gleichmut in Bezug auf Glück, Leid, Angenehmes, Unangenehmes, Tugend, Laster
2) Freundlichkeit
3) Mitgefühl
4) Freude
5) Entsagung
kriyayogalahiri Botschaft-55

Samstag, 7. September 2019

2019.Sep.05 || Message from Paramahamsa Prajnananandaji

Liebende und göttliche Seelen,
Lassen Sie die besten Segnungen Gottes und der Meister auf Sie alle sein. Ich nutze diese Gelegenheit, um für Sie zu beten und sende anlässlich des Lehrertags, der am 5. September stattfindet, meine besten Wünsche.

Bekanntlich fällt der Lehrertag auf den Geburtstag des zweiten indischen Präsidenten, Dr. S. Radhakrishnan. Er war ein Lehrer, ein Philosoph, ein Diplomat, ein Staatsmann und ein Liebhaber des Wissens. Als ich ein kleiner Schüler war, feierten wir diesen Tag mit viel Liebe und Hingabe an unsere Lehrer. Ich setzte diese Praxis fort und ging, wann immer es möglich war, zusätzlich zu den üblichen Feierlichkeiten zum Haus meines Lehrers. Als ich meinen geliebten Gurudev traf, hatten wir auch einen traditionellen Lehrertag (Guru Purnima, Vollmondtag im Juli). Seitdem habe ich zwei Tage gefeiert, um meinen Lehrern und den Meistern meine Liebe und Hingabe anzubieten.

Unsere Eltern sind unsere ersten Lehrer, und viele merken vielleicht nicht, dass unsere erste Schule der Mutterleib war. Die nächste Schule ist unser Zuhause und jedes Familienmitglied wird unser Lehrer. Dann betreten wir Schulen, Hochschulen und Universitäten. Aber dieses Universum ist die Universität, und wir können von jedem Teil davon lernen. In Wirklichkeit haben wir aus vielen verschiedenen Quellen und Medien gelernt.

In meinem Leben habe ich gefühlt, erkannt und akzeptiert, dass alles, was ich in meinem Leben gelernt oder erlangt habe, meinen Lehrern zu verdanken ist, angefangen bei meiner Mutter. Jeder Lehrer, den ich hatte, war vorbildlich. Meine Lehrer haben mein Leben unauslöschlich geprägt. Ich bin stolz darauf, Lehrer für Akademiker und für Spiritualität zu sein.

Ein guter Lehrer beeindruckt einen Schüler in vielerlei Hinsicht und bleibt für immer im Leben des Schülers. Meine lieben Schüler, die Kinder von Balashram, lernen bitte, Lehrer zu lieben und zu respektieren und versuchen, von ihnen zu lernen. Sei aktiver und praktischer.

Ein chinesisches Sprichwort sagt: "Ich höre und vergesse. Ich sehe und erinnere mich. Ich tue und verstehe." Es ist eine Botschaft sowohl für Lehrer als auch für Schüler.

Ich werde mein Schreiben mit einem Zitat von William Arthur Ward abschließen, das die Qualität eines Lehrers beschreibt: "Der mittelmäßige Lehrer erzählt. Der gute Lehrer erklärt. Der überlegene Lehrer demonstriert. Der große Lehrer inspiriert." Meine lieben Lehrer, mit unserer eigenen Anstrengung können wir uns verbessern. Mit unserer Liebe können wir den Köpfen und Herzen unserer Kinder Dynamik und Pragmatismus verleihen. Wir sind wirklich gesegnet, diese göttliche Rolle als Lehrer akzeptiert zu haben.

Anlässlich des Lehrertages biete ich euch allen meine Liebe und Anbetung an und ich verbeuge mich vor euch allen.

Mit Liebe, Prajnanananda

Yoganandaji im September

Frieden geht von der Seele aus und ist die heilige innere Umgebung, in der sich wahres Glück entfaltet.

Wenn du dich auf den Entschluss konzentrierst, niemals deinen Frieden zu verlieren, kannst du Gottseligkeit erlangen. Behalte eine geheime Kammer der Stille in dir, in der du keine Stimmungen, Prüfungen, Kämpfe oder Unharmonien zulässt. Halten Sie jeglichen Hass, jede Rache und jedes Verlangen fern. In dieser Friedenskammer wird Gott Sie besuchen.

Am allermeisten betone ich, dass Sie damit beschäftigt sein sollten, Gott durch Meditation zu suchen ... Unter den Schatten dieses Lebens ist Sein wunderbares Licht. Das Universum ist ein riesiger Tempel seiner Gegenwart. Wenn Sie meditieren, werden Sie überall Türen finden, die sich zu Ihm öffnen. Wenn Sie mit Ihm Gemeinschaft haben, können nicht alle Verwüstungen der Welt diese Freude und diesen Frieden wegnehmen.

Obwohl wir durch Rasse, Glaubensbekenntnis, Hautfarbe, Klasse und politische Vorurteile gespalten zu sein scheinen, sind wir als Kinder des einen Gottes in der Lage, in unserer Seele Brüderlichkeit und Einheit der Welt zu fühlen ... In unserem Herzen können wir alle lernen sei frei von Hass und Selbstsucht. Lasst uns für Harmonie unter den Nationen beten, dass sie Hand in Hand durch das Tor einer schönen neuen Zivilisation marschieren.

Bestätigung zum Üben: Ich entspanne mich und lasse alle mentalen Belastungen beiseite, sodass Gott durch mich Seine vollkommene Liebe, seinen Frieden und seine Weisheit zum Ausdruck bringen kann.


Mittwoch, 4. September 2019

Worte der Weisen 30. Die Natur der Wahrheit ~ Erlange Freiheit




  1. Die Wahrheit lässt sich nicht als metaphysische Einheit definieren.
  2. Wahrheit ist das, was in den 3 Zeitaltern unverändert bleibt. Das ist die vedantische Definition.
  3. Wie wurde das Unendliche endlich? Wie wurde aus dem Einen vieles? Wie kam die Sünde in die Welt? All diese Fragen sind identisch.
  4. Die Frage: „Warum hat Gott diese Welt erschaffen?“, ist unlogisch. In Gott gibt es kein ‚warum’, weil in Ihm weder Ursache noch Wirkung ist.
  5. Sat, Chit und Ananda (Sein, Wissen und Glückseligkeit) sind keine Eigenschaften von Brahman, sie sind Brahman selbst.
  6. Moksha, Befreiung, ist das letztendliche Ziel des Menschen.
  7. Moksha ist die Befreiung aus der Knechtschaft des Geistes und der Materie.
  8. Der Sinn menschlichen Lebens ist es, das Gefühl einer getrennten Persönlichkeit zu verlieren und sich in Gott aufzulösen.
  9. Leben im reinen Geist ist das einzig wirkliche ewige Leben. Deshalb lebe in deinem eigenen Atman (höheres Selbst).
  10. Wo jeder Klang aufhört, alle Farben verschwinden, alle Gedanken dahinschmelzen, wisse, da ist das Selbst oder Brahman.
  11. Absolutheit bedeutet reine Existenz ohne Bewegung oder Veränderung.
  12. Es gibt keine Kraft, die größer ist als die der Seele, Brahma-Tejas.
  13. Gott ist die Vollendung. Spirituelle Perfektion zielt letztendlich auf diese Vollendung – die Gottesverwirklichung.
  14. Kraft, Energie ist der dynamische Aspekt der Realität. Ohne diesen Aspekt ließen sich die Vorgänge des Erschaffens, des Bewahrens und der Zerstörung nicht erklären.
  15. Das Universum ist Ausdruck der Göttlichen Kraft – Para Shakti.
  16. Es ist eine freudlose Welt, die von Veränderung, Verfall und Tod infiziert ist.
  17. Das Ego in dir, das ‚Ich’ ist der Handelnde, der Genießer, der Denker, der Empfangende.
  18. Wahrer Besitz ist der Besitz von Weisheit. Anderer Besitz verschwindet, er ist nicht von Dauer.
  19. Die höchste Kraft oder Intelligenz, die das Schicksal der Menschheit formt, ist Eins.
  20. Nach Erlangen von Weisheit gibt es keine Wiedergeburt mehr. Dies ist ein allgemeingültiges Gesetz. Für die aber, die eine Mission zu erfüllen haben, gibt es eine Wiedergeburt.
  21. Rishi Apoulantram wurde als Vyasa wiedergeboren. Sanat Kumara als Skanda. Narada und Vasishtha werden immer wieder geboren.
  22. Nichts stirbt. Alle Dinge ändern sich. Das ist die absolute Wahrheit.
  23. Angst und Sorgen werden so lange entstehen, wie es ein Gefühl von Dualität gibt.
  24. Überkomme Begriffe wie ‚Gut’ und ‚Böse’ und schaue die Wahrheit, die hinter diesen Konzepten steht.
https://www.swami-sivananda.de/inspiration-des-tages-vom-30-08-2019/

Sonntag, 1. September 2019

Maria Sanchez || Die revolutionäre Kraft des Fühlens - Wie unsere Emotionen uns befreien

Dies ist eine Zusammenfassung verschiedener Passagen aus dem Buch 
"Die revolutionäre Kraft des Fühlens" von Maria Sanchez.

„Wer nicht in diese Welt zu passen scheint, ist nahe daran, sich selbst zu finden.“  Hermann Hesse, „Demian“

Kurt Marti
Aufbruch
„Wo kämen wir hin, wenn alle sagten, wo kämen wir hin, und niemand ginge, um einmal zu schauen, wohin man käme, wenn man ginge.“

Wer sich selbst emotional begleiten kann, hat die Voraussetzung dafür geschaffen, für sich selbst eine Verantwortung zu übernehmen, die dem Wort tatsächlich gerecht wird. Denn in „Verantwortung“ steckt das Wort „Antwort“. Wenn wir auf die Kontaktanfrage, die jedes leidbringende Symptom an uns stellt, nicht auf eine emotional offene und dadurch heilsame Weise eingehen können, werden wir das gefrorene Meer in uns nicht in der Art berühren können, um es nach vielen Jahren endlich zum Schmelzen zu bringen.


Mittwoch, 28. August 2019

Seine Heiligkeit der Dalai Lama unterweist über Geshe Langri Thangpas 'Acht Verse der Geistesschulung'


Seine Heiligkeit der Dalai Lama unterweist über 
Geshe Langri Thangpas 'Acht Verse der Geistesschulung' 
im Ahoy Convention Center in Rotterdam, Niederlande am 17. September 2018.


Acht Verse der Geistesschulung
Mit der Absicht, das höchste Ziel zu erreichen,
Werde ich jederzeit üben, alle fühlenden Wesen zu schätzen,
Indem ich sie als kostbarer betrachte,
Als ein wunscherfüllendes Juwel.

In der Gesellschaft von anderen, werde ich jederzeit üben 
Mich selbst als den Niedrigsten von allen zu sehen,
Während ich aus der Tiefe meines Herzens,
Andere als kostbarer und höher betrachte.

Wachsam werde ich bei allem was ich tue üben,
Augenblicklich wenn eine Verblendung in meinem Geist erscheint,
Ihr ohne zu zögern entgegenzutreten und sie abzuwenden 
Da sie mich und andere ruiniert.

Wann immer ich Wesen sehe, bösartig in ihrer Art,
Die von ihren schweren Missetaten oder von Leiden überwältigt werden,
Werde ich jederzeit üben, solch seltene, schwer zu findende Wesen,
So wertvoll zu betrachten, als hätte ich einen kostbaren Juwelenschatz gefunden.

Wenn andere mich aus Eifersucht schlecht behandeln,
Mit Beschimpfung, Verleumdung und dergleichen,
Werde ich jederzeit üben, die Niederlage anzunehmen
Und anderen den Sieg anzubieten.

Wenn jemand dem ich geholfen habe und in den ich
Große Hoffnungen setzte, mir großen Schaden zufügt,
Werde ich jederzeit üben, diese Person 
Als meinen heiligen spirituellen Meister zu betrachten.

Kurz gesagt, sowohl direkt als auch indirekt werde ich
Hilfe und Glück allen Mutterwesen anbieten,
Und ich werde jederzeit üben, im Geheimen,
All ihre schädlichen Handlungen und Leiden auf mich zu nehmen.

Mögen alle oben erwähnten Praktiken, nie durch die Flecken 
Der acht* weltlichen Einstellungen verschmutzt sein,
Und möge die Weisheit, die erkennt, dass alle existierenden Dinge
Illusorisch sind, Freiheit von den Fesseln der Anhaftung bringen.

Colophon: aus fünf englischen Textquellen/Kommentaren
für die tägliche Rezitation zusammengestellt 
von Bhikshu Tenzin Peljor 
https://info-buddhismus.de/PDF/Acht-Verse-der-Geistesschulung.pdf

~   ~~~     ~~~   ~
*Acht weltlichen Einstellungen
Gewinn und Verlust, Glück und Leiden, Ruhm und Schande, Lob und Kritik.
Von acht weltlichen Einstellungen sollten wir uns frei machen: Gewinn und Verlust, Glück und Leiden, Ruhm und Schande, Lob und Kritik. Die ersten beiden beziehen sich auf das Streben nach Gewinn und die Angst vor Verlust. Wir freuen uns über materiellen Gewinn und sind über materiellen Verlust verzweifelt. Die Motivation dabei ist, dass wir den Vorteil für uns selbst erhoffen und nur unsere persönlichen Interessen verfolgen. Dies ist eine weltliche Einstellung, die nur auf dieses Leben gerichtet ist. Sich davon zu lösen bedeutet nicht, dass wir alles Materielle zurückweisen; wir brauchen als Menschen unser Auskommen, sonst könnten wir gar nicht existieren. Es geht darum, genügsam zu sein und nicht immer neue Wünsche zu hegen. 
Die nächsten beiden Einstellungen sind davon geprägt, dass wir für uns selbst in diesem Leben Glück möchten und hoch erfreut sind, wenn es uns gut geht. Erfahren wir hingegen Unannehmlichkeiten wie körperliche Leiden, hadern wir mit unserem Schicksal und sind nahe der Verzweiflung. Das Hängen an Glück und Leidfreiheit in diesem Leben ist eine weltliche Haltung. Das Streben nach angenehmen Empfindungen und nach Vermeidung unangenehmer Empfindungen hat nichts mit Dharma zu tun und bindet uns an den Kreislauf des Leidens.
Weiter streben wir nach Ruhm und Bekanntheit in der Welt und sind unglücklich, wenn wir unbedeutend sind und nicht wahrgenommen werden. Wir begehen viele Handlungen, die nicht mit dem Dharma im Einklang stehen, um in der Welt gut angesehen zu sein. Langfristig und vom Dharma her haben wir von diesen flüchtigen Empfindungen jedoch nichts; im Gegenteil Ruhm und Ansehen können unsere Dharma-Praxis behindern.
Ebenso hängen wir an Lob und weisen Tadel oder Kritik zurück. Wir sind hoch zufrieden, wenn andere unsere Intelligenz und Fähigkeiten herausstellen. Kritik hingegen ertragen wir nicht, und wir sind geknickt, wenn uns jemand etwas Schlechtes nachsagt. Nicht selten haben wir die Tendenz, andere zu kritisieren oder zu verletzen, wenn sie uns unsere Fehler vor Augen führen.
Von diesen acht Dingen sollten wir unser Denken freimachen und ihnen nicht allzu große Beachtung schenken. Falls wir dennoch bemerken, dass wir unfreiwillig in eine der acht weltlichen Einstellungen verwickelt sind, sollten wir unverzüglich etwas dagegen unternehmen und sie nieder ringen, zumindest jedoch sie ihrer Kraft berauben.

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Geistesschulung in acht Versen das Herz der Māhāyana-Praxis - Teil I
DIE GEISTESSCHULUNG IN ACHT VERSEN ist von dem Kadampa- Gesche Langri Tangba (1054-1123) verfaßt worden, der berühmt war für seine konsequente Anwendung der Geistesschulungsmethoden.
 
In dem Gedanken, daß alle Wesen kostbarer sind als ein wunscherfüllendes Juwel, will ich lernen, sie zutiefst zu lieben und das höchste Wohl für sie zu erlangen.
Ganz gleich, wo es ist und auf wen ich treffe, will ich mit Respekt lernen, mich in jeder Hinsicht geringer zu sehen und die anderen von ganzem Herzen hochzuschätzen.
In allen Situationen will ich lernen, meinen Geist zu erforschen, und sobald Leidenschaften entstehen, werde ich mich ihnen entschieden widersetzen und sie abwehren, weil sie mich und andere gefährden.
Ich will lernen, Menschen mit schlechtem Charakter, Wesen, die unheilsame Handlungen begehen, und solche, die von heftigen Leiden gepeinigt werden, zu lieben, weil sie schwer zu finden sind wie ein kostbarer Schatz.
Behandeln mich andere aus Eifersucht schlecht, mit Beschimpfung, Verleumdung und noch mehr, will ich lernen, den Verlust zu ertragen und ihnen den Sieg zu überlassen.
Wenn jemand, dem ich mit großer Hoffnung Wohltaten erwiesen habe, mich grundlos sehr verletzt, so will ich lernen, diesen Menschen als vortrefflichen geistigen Führer zu betrachten.
Ich will lernen, allen Müttern direkt und indirekt Hilfe und Glück zu schenken, und allen Schaden und alles Leid der Mütter im geheimen auf mich zu nehmen.
Ich will lernen, alle diese Übungen von den Befleckungen durch die acht weltlichen Einstellungen rein zu halten, und indem ich alle Erscheinungen durchschaue, will ich mich von der Fessel des Anhaftens befreien.