Jiddu Krishnamurti

Jiddu Krishnamurti
Wir werden sehen wie wichtig es ist die radikale Revolution in den Köpfen der Menschen zu verursachen. Die Krise ist eine Krise des Bewusstseins. Ein Krise, die nicht mehr die alten Normen akzeptieren kann, die alten Muster, die uralten Traditionen. Wenn man in Betracht zieht, was die Welt jetzt ist, mit all dem Elend, den Konflikten, der zerstörerischen Brutalität, Aggressionen usw. Der Mensch ist immer noch wie er war. Er ist immer noch brutal, zerstörerisch, aggressiv, habgierig, wetteifernd. Er hat eine Gesellschaft darauf aufgebaut.

Montag, 21. Oktober 2019

Ramana Maharshi ♥ 40 Verse über die Wirklichkeit oder über das, was ist.

http://werkeramanamaharshis.blogspot.com/2009/10/ramana-maharshi-uber-die-wirklichkeit.html

Einführung der Übersetzerin:

Sri Ramana Maharshi schrieb wenig, und das auch nur, wenn andere ihn darum baten. So entstanden diese 40 Verse etwa 1928 auf Drängen von Muruganar hin. Ramana verfasste sie in seiner Muttersprache Tamil und nannte sie Ulladu Narpadu. Ulladu bedeutet, das was ist, was existiert, was wirklich ist und Narpadu bedeutet vierzig. Deshalb kann man übersetzen: Vierzig Verse über die Wirklichkeit oder über das, was ist.

Ramana selbst erzählt folgendes über ihre Entstehungsgeschichte:
»Ich hatte bei verschiedenen Gelegenheiten einzelne Verse gedichtet. Muruganar meinte, man müsse verhindern, dass sie verloren gingen und ich möge noch einige Verse ergänzen, damit es insgesamt 40 Verse werden würden, die man dann unter einem geeigneten Titel veröffentlichen könnte. Ich dichtete, wann immer ich dazu in Stimmung war. Als wir die 40 beisammen hatten, löschte Muruganar einen Vers nach dem anderen aus der ersten Sammlung unter dem Vorwand, sie würden nicht recht zum Thema passen, und bat mich, dafür neue Verse zu schreiben. Als schließlich die 40 wieder voll waren, bemerkte ich, dass sie nur noch zwei Verse aus der ersten Sammlung enthielten und dass ich alles andere neu gedichtet hatte. Ich hatte die Verse nicht geplant und sie nicht fortlaufend und systematisch geschrieben. Ich hatte lediglich bei verschiedenen Anlässen einige Verse gedichtet und Muruganar und andere hatten sie nachträglich in eine thematische Reihenfolge gebracht.«[1]

Es waren etwa 20 Verse, die Muruganar aus der alten Sammlung herausgenommen hatte. Diese wurden als Ergänzung zu den 40 Versen (Ulladu Anubandham) zusammengefügt und später ebenfalls auf 40 Verse erweitert. Sie sind zum Großteil keine eigenen Dichtungen Ramanas, sondern seine Übersetzungen von berühmten Sanskritversen aus dem Yoga Vasishta, von Shankara und aus anderen Werken, die er hilfreich fand.

Die Verse sind lose aneinandergehängt. Zuweilen ergeben einige Verse einen Zusammenhang, dann wieder wechselt unvermittelt das Thema. Der Grund dafür liegt in ihrer Entstehungsgeschichte. Dennoch ergeben sie ein rundes Ganzes der Lehre Ramanas und eignen sich hervorragend dafür, sie immer wieder zu überdenken. ›Wer bin ich?‹ und ›Die Quintessenz der spirituellen Unterweisung‹ (Upadesa Saram) sind weitere Werke Ramanas, die mit diesem Büchlein eng verwoben sind.

Ulladu Narpadu ist ein poetisches Werk im Venba-Mentrum, das Ramana gerne verwendete. Jeder Vers hat 4 Zeilen, wobei die ersten drei Zeilen aus vier und die letzte Zeile aus drei Füßen bestehen. Es ist ein rhythmischer Text, der im Ramanashram regelmäßig rezitiert bzw. gesungen wird.

Als Grundlage meiner Übersetzung habe ich Robert Butlers sehr ausführliche Ausarbeitung aus dem Tamil verwendet, die sowohl Struktur der Sätze als auch Wortbedeutung ausführlich erklärt. Ich habe aber auch andere englische Übersetzungen hinzugezogen wie Lakshmana Sarmas ›Revelation‹, die Übersetzung von Prof. Swaminathan in den ›Collected Works‹ und einige weitere. Als Kommentar dienen Gespräche, die Ramana mit seinen Anhängern und Besuchern führte und in denen er seine Lehre immer wieder erläutert.

Es gibt zwei ältere Übersetzungen ins Deutsche. Die eine stammt von dem Indologen Heinrich Zimmer und ist in seinem Buch ›Der Weg zum Selbst‹ zu finden. Die andere stammt von Lucy Cornelssen (Mata Satyamayi): ›Über das Selbst: Vierzig Verse‹. Es liegt allerdings bislang noch keine deutsche Übertragung der 40 Ergänzungsverse vor.

Nanyar, der Upadesa Saram übersetzt und kommentiert hat, malt abstrakte Bilder. Ich habe mir aus seinem Fundus diese inspirierenden Bilder zusammengesucht, die sich hervorragend in die Vierzig Verse einfügen. Ich danke ihm, dass er mir dafür seine Einwilligung gegeben hat.

Gabriele Ebert
[1] Mudaliar: Day by Day, 7.12.1945
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Der Text der 40 Verse:
Einleitungsverse:

Kann es ein Existenzempfinden geben ohne etwas, das ist?
Da diese Wirklichkeit frei von allen Gedanken im Herzen wohnt, wer könnte über sie, die ›das Herz‹ heißt, nachdenken und auf welche Weise?
Über sie nachzudenken bedeutet, mit ihr im Herzen eins zu sein.

Reife Menschen, die in großer Todesfurcht leben, nehmen Zuflucht zu Füßen des Höchsten Herrn, der weder Geburt noch Tod kennt.
Durch ihre Hingabe werden ihr Ego und ihre Anhaftungen ausgelöscht.
Wie können sie, die im Unsterblichen ihre Bleibe gefunden haben und daher tot sind, noch an den Tod denken?


Text:


1. Da wir die Welt wahrnehmen, steht es außer Frage, dass es eine Erste Ursache gibt, eine kreative Energie (Shakti), die sich mannigfach manifestiert. Das Bild, das aus Namen und Formen besteht, der Betrachter, die Leinwand und das Licht, das sie beleuchtet, all das ist das Selbst.

2. Alle Religionen setzen drei Grundlagen voraus: [Gott, Mensch und Welt]. Die Debatte, ob sich eine erste Ursache als diese drei manifestiert oder ob diese drei auch drei verschiedene Dinge sind, dauert an, solange das Ego-Ich besteht. Doch der höchste Zustand ist, im wahren Selbst zu verbleiben, nachdem das Ego-Ich sein Ende gefunden hat.

3. Wozu nützt die Diskussion, ob die Welt wirklich oder lediglich eine unwirkliche Erscheinung ist, ob ihr Bewusstsein eigen ist oder nicht, ob sie Glück oder Leid bedeutet? Der egolose Zustand, der diese dualistischen und nicht-dualistischen Überzeugungen überschreitet, in dem man die Welt lässt und sich selbst durch Ergründung erkennt, ist allen lieb und teuer.

4. Wenn wir selbst eine Gestalt haben, dann folgt daraus, dass auch die Welt und das Höchste eine Gestalt haben. Wenn wir jedoch gestaltlos sind, wer könnte dann ihre Gestalten sehen und auf welche Weise? Kann denn das Gesehene von anderer Natur sein als das Auge? Dieses Auge ist in Wahrheit das Selbst, das grenzenlose Auge.

5. Der Körper besteht aus fünf Hüllen[1]. Sie alle sind gemeint, wenn man vom ›Körper‹ spricht. Gibt es unabhängig vom Körper eine Welt? Sag, hat schon jemals jemand die Welt gesehen, der keinen Körper hat?
[1]die Hüllen aus Nahrung, Lebenskraft, niederer Geist (Sprachvermögen, Handeln, Wünsche, Absichten, Vorstellungen, Zweifel usf.), höherer Geist (Vernunft und Intuition) und die Hülle der Glückseligkeit (wie im Tiefschlaf oder Samadhi). Mit dem Körper ist nicht nur der materielle Leib gemeint, sondern auch alle geistigen Bereiche.

6. Die Welt besteht aus nichts anderem als aus den Sinnesobjekten (dem Gesehenen, Gerochenen, Geschmeckten, Gehörten und Getasteten). Sie werden durch die fünf Sinne (Augen, Nase, Mund, Ohren, Haut) wahrgenommen. Da der Geist die Welt nur mittels der fünf Sinne wahrnimmt, sag, kann es dann ohne den Geist eine Welt geben?

7. Obwohl Welt und wahrnehmender Geist gemeinsam auftauchen und wieder verschwinden, tritt die Welt erst durch die Wahrnehmung in Erscheinung. Das Vollkommene erstrahlt, ohne dass es auftaucht und wieder verschwindet. Dieser Ort, in dem Welt und Geist auftauchen und verschwinden, ist das einzig Wirkliche.

8. Mit welchem Namen und in welcher Form du auch die absolute Wirklichkeit verehrst, es ist ein Weg zum Vollkommenen, das ohne Namen und Form ist. Doch solltest du dein eigenes wahres Selbst in Ihm, dem höchsten Sein, erkennen, in Ihn eingehen und eins mit Ihm sein. Das ist die wahre Erkenntnis der Wahrheit.

9. Alle Zweiheit und Dreiheit beruhen auf dem Ego. Wenn man untersucht »Wer ist dieses Ego?«, verschwinden sie und man erkennt die Wahrheit. So jemand ist ein Weiser. Ihn verwirren diese Dinge nicht mehr. Das solltest du wissen.

10. Ohne Nichtwissen gibt es kein Wissen und ohne Wissen kein Nichtwissen. Wenn man fragt: »Wer ist es, der weiß und nicht weiß?« und das Selbst, die Quelle von beidem erkennt, ist das die wahre Erkenntnis.

11. Wenn man alle Objekte [die ganze Welt] kennt, aber nicht sich selbst (den Erkennenden), ist das Unwissenheit. Wenn man sein wahres Selbst erkennt, das die Grundlage des mittelbaren Wissens und Nichtwissen ist, finden sowohl Wissen als auch Nichtwissen ihr Ende.

12. Wahre Erkenntnis ist frei von Wissen und Nichtwissen. Das mittelbare Wissen von Objekten kann nicht die wahre Erkenntnis sein. Das Selbst erstrahlt immer aus sich selbst, ohne dass es etwas gäbe, das Es erkennen und von dem Es erkannt werden könnte [i. e. ohne die Beziehung von Subjekt und Objekt]. Dennoch ist es die wahre Erkenntnis und keine Leere. Das solltest du wissen.

13. Das Selbst ist Erkenntnis (Jnana) und ist das einzig Wirkliche. Das Wissen von diesem und jenem (vom Mannigfachen) dagegen ist Nichtwissen. Dieses Nichtwissen ist unwirklich, denn es kann nicht ohne das Selbst, das Erkenntnis ist, existieren. Oder können etwa die vielerlei Schmuckstücke unabhängig vom Gold existieren, sag?

14. Wenn die erste Person (ich) existiert, existieren auch die zweite und dritte Person (du, er, sie, es). Doch wenn man die Wirklichkeit dieser ersten Person hinterfragt, wird sie vernichtet und damit hören auch die zweite und dritte Person zu existieren auf. Was dann als Eines erstrahlt, ist unsere wahre Natur, das wahre Selbst.

15. Vergangenheit und Zukunft basieren auf der Gegenwart. Während sie sich ereignen, sind auch sie Gegenwart. Also existiert nur die Gegenwart. Wenn man Vergangenheit und Zukunft ergründen will und sich dabei der Wirklichkeit des Jetzt nicht vergewissert, ist es, als ob man ohne die Eins zählen wollte.

16. Gibt es Raum und Zeit ohne uns? Wenn wir der Körper sind, sind wir in Raum und Zeit gefangen. Doch sind wir der Körper? Wir sind dieselben, jetzt, damals und für immer, hier, dort und überall. Wir existieren und wir sind raum- und zeitlos.

17. Für jene, die das Selbst erkennen und für jene, die es nicht erkennen, ist der Körper ›ich‹. Für jene, die es nicht erkennen, ist das Ich lediglich auf den Körper beschränkt. Für jene, die das Selbst im Körper erkennen, erstrahlt das Ich als das unbegrenzte Selbst. Wisse, dass das der Unterschied zwischen beiden ist.

18. Die Welt ist wirklich für jene, die das Selbst erkennen und für jene, die es nicht erkennen. Für jene, die es nicht erkennen, ist die Welt (aus Namen und Formen) das Maß der Wirklichkeit. Für jene, die es erkennen, erstrahlt die Wirklichkeit unbegrenzt als die Grundlage der Welt. Wisse, dass das der Unterschied zwischen beiden ist.

19. Nur jene diskutieren darüber, ob Schicksal oder Willensfreiheit die Oberhand gewinnt, die die Ursache von beidem, nämlich das Ich, nicht erkennen. Jene, die es als den gemeinsamen Ursprung von Schicksal und Willensfreiheit erkennen, sind von beidem befreit. Sag, werden sie sich jemals wieder darin verstricken?

20. Wenn man Gott sieht und dabei sich selbst als den Sehenden außer Acht lässt, ist das nur eine geistige Projektion. Kann man überhaupt sagen, dass derjenige, der das Selbst sieht, wahrhaft Gott, seinen Ursprung, sieht? Jener, der das Ego-Ich verloren hat, ist nicht mehr von Gott verschieden.


21. Was ist damit gemeint, wenn es in vielen gelehrten Werken heißt, dass das Ego-Ich das Selbst bzw. Gott sieht? Wie könnte man sein eigenes Selbst sehen, da man doch nur eines ist? Und wie könnte man Gott sehen? Beides ist nur möglich, indem man seine Beute wird.

22. Es ist das Licht des Herrn, das den Geist erhellt. Wie könnte man mit dem geborgten Licht des Geistes das Licht allen Lichtes erkennen, ohne den Geist nach innen zu wenden und sich mit Ihm zu vereinigen, sag?

23. Dieser Körper sagt nicht »ich«. Und keiner behauptet, dass er während des Tiefschlafs nicht existiert. Erst nachdem das Ich aufgetaucht ist, taucht auch alles andere auf. Forsche mit einem konzentrierten Geist nach der Quelle, aus der dieses Ich entsteht.

24. Dieser grobstoffliche Körper sagt nicht »ich«. Sein und Bewusstsein (Sat-Chit, das Selbst) ist nichts, was entsteht und verschwindet. Aber zwischen beidem entsteht dieses Ich, das auf den Körper beschränkt ist. Das ist der Knoten zwischen dem Bewussten und dem Unbewussten, Bindung, Jiva, subtiler Körper, Ego, Samsara (die weltlichen Bedingungen unserer Existenz) und der Geist.

25. Dieses Phantom-Ego, das keine eigene Gestalt besitzt, entsteht, indem es eine Gestalt (einen Körper) ergreift. Es hält sich am Leben, indem es an ihr festhält, nährt sich von den Sinnesobjekten und gewinnt so an Stärke. Wenn es die eine Gestalt im Tod verlässt, ergreift es dafür eine andere. Doch wenn du nach ihm suchst, ergreift es die Flucht. Das solltest du wissen.

26. Wenn sich das Ich erhebt, erhebt sich auch alles andere. Ist es nicht da, ist auch nichts anderes da. Das Ich ist wahrlich alles. Wenn man deshalb erforscht: »Was ist dieses ›Ich‹?«, dann wird man das alles los. Das solltest du wissen.

27. Im Zustand, in dem sich das Ich nicht erhebt, sind wir DAS. Wenn man nicht den Ursprung dieses Ich erforscht, wie kann man es da endgültig loswerden, so dass es sich nicht mehr erhebt? Und wenn man das nicht erreicht, wie kann man dann in seinem ursprünglichen Zustand, in dem man DAS ist, fest gegründet sein, sag?

28. Wie jemand tief hinabtaucht, um etwas zu finden, das ins Wasser gefallen ist, so muss man mit konzentriertem Geist tief in sich selbst hinabtauchen und Sprechen und Atmen kontrollieren, um den Ursprung zu entdecken, von wo das Ich sich erhebt. Das solltest du wissen.

29. Sag nicht (laut) »ich«, sondern suche mit einem nach innen getauchten Geist, wo dieses Ich entspringt. Das allein ist der Weg der Erkenntnis. Es kann zwar hilfreich sein, wenn man denkt: »Ich bin nicht dies [i. e. der Körper]. Ich bin DAS [Brahman]«, doch ist das Selbstergründung?

30. Wenn der Geist sich nach innen wendet und erforscht: »Wer bin ich?« und das Herz erreicht, neigt das Ich schamvoll sein Haupt und das Eine erscheint spontan als »Ich-Ich«. Doch obwohl es auf diese Art erscheint, ist es nicht das Ego-Ich, sondern die vollkommene Wirklichkeit, das wahre Selbst.

31. Was gibt es für jenen noch zu tun, dessen Ich zerstört ist und der die Seligkeit des Selbst genießt, die daraus entsteht? Er kennt nichts, was vom Selbst verschieden wäre. Sag, wer könnte seinen Zustand begreifen?

32. Die heiligen Schriften verkünden: »Ich bin DAS.« Wenn man jedoch nur meditiert: »Ich bin DAS, ich bin nicht jenes«, anstatt dass man das Selbst durch die Ergründung erkennt und in jenem Zustand verweilt, zeugt das von geistiger Unreife, da man immer das Selbst ist.

33. Zu sagen: »Ich habe mich nicht erkannt« oder »ich habe mich erkannt« ist lächerlich. Warum? Gibt es etwa zwei Selbste, so dass das eine von ihnen aus dem anderen ein Objekt machen könnte, wo doch jeder sich als ein einziges Sein erfährt?

34. Anstatt die Wahrheit zu kennen, die beständig im Herzen eines jeden wohnt, und dort zu verweilen, zu disputieren: »Es existiert, Es existiert nicht, Es hat eine Gestalt, Es ist gestaltlos, Es ist eines, Es ist zwei, Es ist nichts von beidem« ist Unwissenheit und Verblendung.

35. »Siddhi bedeutet, das wahrzunehmen, was man immer schon erlangt hat, und darin zu verweilen. Alle anderen Siddhis sind reine Traum-Siddhis. Sind sie noch wirklich, wenn man vom Schlaf erwacht? Können jene, die in ihrem wahren Zustand bleiben und von aller Verblendung frei sind, sich noch von ihnen irreführen lassen? Das solltest du bedenken.«

36. Wenn wir glauben, dass wir der Körper sind, ist der Gedanke: »Nein, das sind wir nicht. Wir sind DAS« hilfreich, um als DAS zu verweilen. Doch warum sollen wir immerzu denken, dass wir DAS sind, da wir DAS doch immer sind? Denkt denn ein Mensch immerzu, dass er ein Mensch ist?

37. Die Behauptung: »Während der Übung ist man in Zweiheit (Dvaita) und wenn man verwirklicht hat in Einheit (Advaita)« ist falsch. Man ist, wie in der Parabel, der vermisste zehnte Mann, sowohl während man ihn bange sucht, als auch wenn man herausfindet, dass man es selber ist.

38. Wenn wir die Täter unseres Tuns sind, müssen wir auch dessen Früchte verkosten. Doch wenn wir fragen: »Wer ist der Handelnde?« und das Selbst erkennen, verschwindet dieses Gefühl, der Handelnde zu sein, und auch die drei Karmas fallen von uns ab. Das ist der Zustand der Befreiung, der ewig währt.

39. Solange man denkt, dass man gebunden ist, besteht auch die Vorstellung von Bindung und Befreiung. Wenn man untersucht: »Wer ist gebunden?«, bleibt das Selbst übrig, das man immer schon erlangt hat und das immer frei ist. Wenn der Gedanke an Bindung nicht bestehen kann, wie könnte der Gedanke an Befreiung überleben?

40. Es gibt dreierlei Lehrmeinungen über die Art der Befreiung: mit Form, ohne Form oder beides. Ich aber sage, dass die Vernichtung des Egos, das zwischen den drei Arten unterscheidet, die Befreiung ist. Das solltest du wissen.
 
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Anhang zu den Vierzig Versen (Anubandham):

Eröffnungsvers:

Das, was diese Welt unterhält und beseelt, woraus sie entsteht, wozu sie besteht, wodurch sie in Erscheinung tritt und was sie wirklich ist, ist das einzig Wirkliche. Bewahre dir diese Wahrheit als geheimen Schatz im Herzen.
(Yoga Vasishta)

Text:

1. Wenn man in Gesellschaft von Weisen ist, verschwinden die Anhaftungen (an die Objekte der Welt) und damit die Illusion (dass man der Körper sei). Dadurch wird man eins mit der unveränderlichen Wirklichkeit und erlangt schließlich die Befreiung, während man noch lebt (Jivan Mukti). Suche deshalb Umgang mit den Weisen.
(Shankara: Bhaja Govindam)

2. Nicht indem man Predigern zuhört, noch durch intellektuelles Bücherstudium und auch nicht durch verdienstvolle Taten oder durch irgendein anderes Mittel kann man den höchsten Zustand erreichen und den Geist ins Herz hinabtauchen, sondern nur durch die Suche nach dem Selbst, die durch den Umgang mit den Weisen angespornt wird.
(Yoga Vasishta[1])

3. Wenn man Umgang mit Weisen pflegt, wozu muss man dann noch die vielen Regeln der Selbstzucht einhalten? Sag mir, wozu ist der Fächer da, wenn der kühle Südwind bläst?
(Yoga Vasishta)

4. Der kühlende Mondschein überwindet die Hitze (des Tages). Der Kalpaka-Baum[2] erfüllt die Wünsche und der heilige Fluss Ganges befreit von Sünde. Doch durch den Anblick des Weisen ergreifen alle drei Übel (Hitze, Wünsche und Sünde) die Flucht. Es gibt nichts, was sich damit vergleichen ließe.
(Subhashita Ratna Bhandagara)

5. Die heiligen Flüsse bestehen nur aus Wasser und Götterfiguren aus Stein und Lehm sind bei Weitem nicht so machtvoll wie die Weisen. Es dauert lange, bis ein Mensch, der sie verehrt, dadurch einen reinen Geist erlangt, während er beim Anblick eines Weisen sofort rein wird.
(Srimad Bhagavatam)

6. Schüler: »Wer ist Gott?«
Meister: »Jener, der den Geist erkennt.«
Schüler: »Aber das bin ja ich.«
Meister: »Deshalb bist du selber Gott (und kein Individuum). Auch die heiligen Schriften erklären, dass Gott in allen Kreaturen das eine Selbst ist.«
(ein Sanskritvers)

7. Meister: »Welches Licht ermöglicht es dir, dass du Objekte wahrnehmen kannst?«
Schüler: »Tagsüber ist es die Sonne und nachts eine Lampe.«

Meister: »Und womit nimmst du die Sonne und die Lampe wahr?«
Schüler: »Mit den Augen.«

Meister: »Und welches Licht erhellt die Augen?«
Schüler: »Es ist der Verstand.«

Meister: »Und welches Licht erhellt den Verstand?«
Schüler: »Das bin ich.«

Meister: »Dann bist du selbst das Licht allen Lichtes.«
Schüler: »Ja, Das bin ich.«
(Shankara: Eka Sloki)

8. Mitten in der Höhle des Herzens scheint allein Brahman. Es strahlt dort als Atman, das Selbst, und wird unmittelbar als »Ich-Ich« erfahren. Dringe ein in dieses Herz, indem du Selbstergründung übst oder mit einem kontrollierten Atem tief nach innen tauchst und bleibe beständig im Selbst.
(Ramana)

9. Das reine und beständige Bewusstsein wohnt im Herzenslotus als das wahre Ich und gewährt die Befreiung, wenn das Ego-Ich beseitigt wird.
(Devikalottaram, V. 46)

10. Der Körper ist empfindungslos wie alles, was aus Erde gemacht ist, und hat kein Ich-Bewusstsein. Zudem erfahren wir unsere wahre Natur im Tiefschlaf, in dem kein Körperbewusstsein da ist. Aus diesen beiden Gründen kann der Körper nicht ›ich‹ sein. Wer aber ist dieses Ich? Von woher kommt es? In der Höhle des Herzens derer, die dies ergründen, erstrahlt der Herr Arunachala, als reines Ich.
(Ramana)

11. Wer ist es, der wirklich geboren wurde? Nur jener, der fragt: »Woher komme ich?« wird wahrhaft in Brahman, seinem eigenen Ursprung geboren. Er ist ein für alle Mal geboren. Er ist der Herr aller Heiligen und immer neu.
(Ramana)

12. Wirf die Vorstellung von dir, dass du dieser empfindungslose und unvollkommene Körper bist und suche die immerwährende Seligkeit des Selbst. Wenn man das Selbst sucht, indem man diesen vergänglichen Körper hegt und pflegt, ist das, als würde man versuchen, einen Fluss zu überqueren, indem man sich an einem Krokodil festklammert, das man für ein Floß hält.
(Der erste Teil stammt von Ramana, der zweite Teil aus dem Vivekachudamani.)

13. Wenn man Wohltätigkeit übt, Buße tut, Opfer darbringt, seine Pflichten erfüllt, Yoga und Bhakti übt mit dem Ziel, den Himmel, die Wirklichkeit, Friede, Wahrheit, Gnade, Stille, Stabilität, den todlosen Tod, Erkenntnis, Entsagung, Befreiung und Seligkeit zu erlangen, bedeutet das nichts anderes als dass man damit aufhört, den Körper für das Selbst zu halten.
(Ramana)

14. Die Erforschung, wem Handlung (Karma), fehlende Hingabe (Vibhakti), Getrenntheit von der Wirklichkeit (Viyoga) und Verblendung (Ajnana) angehören ist alleine Karma, Bhakti, Yoga und Jnana[3]. Wenn man das ergründet, verschwindet das Ego und man verbleibt als das Selbst, in dem es weder den Sucher noch die vier Yogaarten gibt.
(Ramana)

15. Manche Dummköpfe verstehen nicht, dass sie von einer Kraft (Shakti) bewegt werden, die nicht ihre eigene ist und wollen Wunderkräfte erlangen. Ihre Possen sind wie die Prahlerei eines Krüppels, der zu seinen Freunden sagt: »Wenn ihr mich nur auf meine Beine stellt, dann werdet ihr schon sehen, wie ich den Feind besiege.«
(Ramana)

16. Da der Geistesfriede die wahre Befreiung ist und man ohne die Aktivität des Geistes keine Wunderkräfte erlangen kann, wie können dann jene, die auf solche Kräfte erpicht sind, die Seligkeit der Befreiung erlangen, die das Ende aller Betriebsamkeit des Geistes bedeutet?
(Ramana)

17. Obwohl Gott die Last der Welt trägt, tut das falsche Ich so, als würde es sie tragen, wie die Figur am Tempelturm, die den ganzen Turm auf ihrem Kopf zu tragen scheint. Wer ist daran schuld, wenn der Reisende sein Gepäck nicht im Wagen ablegt, der jede Last tragen kann, sondern es auf dem Kopf behält und darunter leidet? (Ramana)

18. Zwischen den Brustwarzen, im unteren Brustbereich über dem Magen sind sechs Organe von verschiedener Farbe. Eine davon ist das Herz. Es gleicht einer Lilienknospe und liegt von der Mitte der Brust aus zwei Fingerbreit rechts.
(Ashtanga Hridayam)

19. Es ist geschlossen. In seinem Innern herrscht tiefste Finsternis. Es ist voller Wünsche und Neigungen (Vasanas). Alle großen Nervenbahnen hängen von ihm ab. Es ist die Wohnstatt der Lebensenergie, des Geistes und des Bewusstseins.
(Ashtanga Hridayam)

20. Der Herr, der im Innern der Herzenshöhle wohnt, ist der Herr der Herzenshöhle. Wenn sich durch die Meditation: »Ich bin Er, Ich bin der Herr der Herzenshöhle« die Gewissheit, dass du Er bist, festigt, wenn sie so beständig wird wie deine gegenwärtige Vorstellung, dass du der Körper bist, weicht diese Unwissenheit wie die Dunkelheit vor der aufgehenden Sonne.
(Ramana)

21. Als Rama fragte: »Sage mir, was ist das Herz, das allen Lebewesen innewohnt und in dem, wie in einem großen Spiegel, die ganze Welt als Reflexion außen wahrgenommen wird?«, antwortete Vasishta: »Wir müssen verstehen, dass alle Lebewesen zwei verschiedene Herzen haben.»
(Yoga Vasishta)

22. »Das eine sollte man annehmen, das andere zurückweisen. Höre, worin sie sich unterscheiden. Das Herzensorgan des physischen Körper muss man zurückweisen. Das Herz, das die Gestalt des reinen Bewusstseins ist, muss man annehmen. Es ist sowohl innen als auch außen und hat doch kein Innen und Außen.«
(Yoga Vasishta)

23. »Das ist das wirkliche Herz. In ihm ruht die ganze Welt. Es ist der Spiegel, in dem wir alle Dinge sehen. Es ist die Quelle allen Reichtums. Dieses Bewusstsein ist das Herz aller Lebewesen. Das Herz ist kein Teil des vergänglichen, unbewussten Körpers.«
(Yoga Vasishta)

24. »Wenn man das Ego durch die Selbstergründung beständig im Herzen hält, das reines Bewusstsein ist, werden die Neigungen des Geistes (Vasanas) bezwungen und der Atem wird kontrolliert.«
(Yoga Vasishta)


25. Indem man beständig im Herzen meditiert: »Dieses reine, an keine Bedingungen und Beschränkungen geknüpfte Bewusstsein ist Shiva und Das bin ich«, beseitigt das alle Anhaftungen des Egos.
(Devikalottaram)

26. Wenn du die verschiedenen Seinszustände (von Wachen, Traum und Tiefschlaf) untersucht und den Zustand der Höchsten Realität fest ergriffen hast, dann spiele deine Rolle in der Welt. Du kennst die Wahrheit, die im Herzen aller Erscheinungen wohnt. Ohne dich von dieser Wirklichkeit abzuwenden, spiele deine Rolle in der Welt, als ob du sie lieben würdest.
(Yoga Vashishta)

27. Mit scheinbarer Begeisterung und Freude, mit Eifer und Missfallen, Initiative und Durchhaltevermögen, spiele deine Rolle in der Welt, doch ohne daran zu haften. Befreit von allen Banden der Anhaftung und mit einem gleichmütigen Geist handle in allen Situationen, wie es angemessen ist. Spiele deine Rolle in der Welt wie es dir beliebt.
(Yoga Vashishta)

28. Wer durch die Erkenntnis des Selbst in der Wahrheit gefestigt ist und die fünf Sinne überwunden hat ist das Feuer der Weisheit, der Herr des Gewitters der Selbst-Erkenntnis, der Überwinder der Zeit und der Held, der den Tod besiegt hat.
(Yoga Vasihstha)

29. Wenn der Frühling kommt, werden die Bäume immer grüner und schöner. Ebenso ist es mit jemandem, der die Wahrheit erkannt hat. Er gewinnt an Ausstrahlung, Intelligenz und Kraft.
(Yoga Vasihstha)

30. Jemand, dem man eine Geschichte erzählt, während er mit den Gedanken woanders ist, hört nicht wirklich zu. Ebenso ist der Geist des Weisen, der frei von Anhaftung ist, inaktiv, während er handelt. Derjenige jedoch, dessen Geist voller Anhaftung ist, ist aktiv, auch wenn er nichts tut. Er ist wie der Schläfer, der unbeweglich im Bett liegt und träumt, dass er einen Berg erklimmt und in den Abgrund stürzt.
(Yoga Vasihstha)

31. Dem Reisenden, der im Wagen schläft, ist es einerlei, ob sich der Wagen bewegt, ob er still steht oder ob die Tiere ausgespannt werden. Genauso ist es auch dem Weisen einerlei, der im Wagen seines Körpers schläft, ob er handelt, meditiert oder schläft.
(Ramana)

32. Wenn man die Zustände von Wachen, Träumen und Tiefschlaf untersucht, entdeckt man, dass es einen Zustand jenseits von diesen dreien gibt, einen Vierten Zustand, eine Art Wach-Schlaf, der Turiya heißt. Weil das alleine der wirkliche Zustand ist und die drei anderen rein illusorisch sind, ist der Vierte Zustand der des transzendentalen Seins.
(Ramana)

33. Wenn man sagt, dass der Jnani zwar Prarabdha (das gegenwärtige Karma) hat, aber kein vergangenes und zukünftiges Karma, ist das nur die Antwort auf die entsprechende Frage. Genauso wenig wie eine der drei Frauen, deren gemeinsamer Mann gestorben ist, der Witwenschaft entkommen kann, können die drei Arten von Karma bestehen bleiben, wenn der Täter verschwunden ist.
(Ramana)

34. Das einfache Volk hat nur eine Familie bestehend aus Frau, Kindern und anderen, die von ihnen abhängig sind. Aber im Geist der Gelehrten tummeln sich viele Familien von Büchern, Theorien und Meinungen als Hindernisse auf dem spirituellen Weg.
(Subhashita Ratna Bhandagara)

35. Was nützt den Gelehrten die Kenntnis der Schriften, wenn sie nicht versuchen, die Schrift des Schicksals durch die Ergründung: »Woher komme ich?« auszulöschen? Oh Herr Arunachala, was sind sie anderes als Grammophone?
(Ramana)

36. Die Ungebildeten werden eher gerettet als die Gelehrten, die ihr Ego nicht unterworfen haben. Sie bleiben von den Klauen des Dämons Stolz, von den krankhaft umherwirbelnden Gedanken und Worten und vom Streben nach Ehre bewahrt. Sie bleiben nicht nur von einer, sondern von vielen Krankheiten bewahrt.
(Ramana)

37. Wenn ein Mensch die Welt gering schätzt, als wäre sie nur ein Bündel Stroh und die heilige Überlieferung in Händen hält, dabei aber der gemeinen Hure Schmeichelei nachgibt, ist es für ihn sehr schwierig, ihrer Knechtschaft zu entkommen.
(Sadhaka Avasta)

38. Wenn man immer im Selbst verweilt, ohne davon abzuweichen und zwischen sich selbst und anderen keinen Unterschied macht, was gibt es dann außer das Selbst? Was macht es aus, was die Leute über einen sagen, ob sie uns preisen oder tadeln? Es ist als ob man sich selbst preisen oder tadeln würde.
(Ramana)

39. Bewahre dir Advaita im Herzen, aber wende es nicht im täglichen Leben an. Selbst wenn du es auf alles anwendest, mein Sohn, solltest du es nicht auf den Guru anwenden.
(Tattvopadesa von Shankara)

40. Ich lege hiermit die Essenz der Lehre des Vedanta dar: Wenn das Ego-Ich stirbt und das ›Ich‹ zum wirklichen Ich, (zum Selbst) wird, bleibt es allein als reine Bewusstheit übrig.
(ein Sanskritvers)

1. Ramana verwendet viele Verse aus dem Yoga Vasishta, ein bedeutendes Werk des Vedanta, das den Dialog des Weisen Vasishta mit dem Prinzen Rama zum Inhalt hat.

2. Der Kalpaka-Baum aus der indischen Mythologie ist ein Wunderbaum, der alle Wünsche, um die man bittet, erfüllt.

3. die vier klassischen Yogaarten: Karma = der Weg des wunschlosen Handelns, Bhakti = der Weg der Hingabe an Gott, Yoga = der Weg der vereinigung und Jnana = der Weg der Erkenntnis.
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Glossar
Advaita Nicht-Zweiheit

Aham ich

Aham Sphurana das Pulsieren des »Ich-Ich«

Ajnana / Ajnani Unwissenheit / einer der in der Illusion gefangen ist

Atman das Selbst eines Wesens

Avidya Unwissenheit

Bhakti / Bhakta Hingabe an Gott / ein Gott Hingegebener

Brahman das universelle Selbst, das Absolute

Dvaita Zweiheit

Jiva Individuum, Ego

Jivan Mukti ein Befreiter, der noch im Körper weilt

Jnana Erkenntnis, Wissen

Jnani jemand, der das Selbst erkannt hat

Karma Handeln, Folge des Handelns

Prarabdha die jetzigen Lebensumstände, die sich aus dem Handeln in früheren Geburten ergeben

Samadhi Versenkung im Selbst, höchster Zustand der Meditation

Sat-Chit-Ananda eine Umschreibung von Brahman / Atman als reines Sein (Sat), erkennendes Bewusstsein (Chit) und Seligkeit (Ananda)

Sastras heilige Hindu-Schriften

Satsang wörtl.: Umgang mit dem Sein, Umgang mit einem verwirklichten Menschen

Savikalpa Samadhi Zustand eines vorübergehenden Samadhis

Siddhi Erlangung (von übernatürlichen Fähigkeiten)

Shakti Kraft

Sphurana s. Aham Sphurana

Turiya der vierte Zustand, der jenseits der drei Zustände von Wachen, Träumen und Tiefschlaf ist und ihnen zugrunde liegt

Vasanas Tendenzen, Neigungen

Vedanta Ende und zugleich Erfüllung der Veden, s. a. Advaita

Montag, 14. Oktober 2019

Zukunft || u.a. Klima, Digitalisierung || Harald Welzer, Charles Taylor, Niko Paech, Nipun Mehta...

Nipun Mehta
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25.03.2019 Niko Paech

Die Planeten-Zerstörer
08.10.2019 von Jens Wernicke

Die Suche nach der perfekten Gemeinschaft
30.09.2019 || Charles Taylor | Sternstunde Philosophie | SRF Kultur

Zukunftsforscher Harald Welzer - Jung & Naiv: Folge 419
23.06.2019

Gegen den Klimawandel – Wo endet der zivile Ungehorsam? 
Sternstunde Philosophie | SRF Kultur 10.10.2019

Über die Zukunft entscheiden vor allem Menschen, die nur noch relativ wenig davon vor sich haben: die älteren Menschen.
https://www.rubikon.news/artikel/wie-konnt-ihr-es-wagen
14.10.2019 || Jairo Gómez García

Ein Historiker erzählt die Geschichte von morgen
18.04.2017 || Yuval Harari | Sternstunde Philosophie |SRF Kultur

Der Philosophische Stammtisch: Schöne neue digitale Welt? (mit Precht, Welzer & Gentinetta) 
23.10.2017

Montag, 7. Oktober 2019

Paul Brunton ♥ Entdecke dich selbst || Meditation

5. Kapitel ~ Praktische Hilfe in Yoga

..."Zuerst ist man genötigt, den fortlaufenden Gedankenstrom zu bekämpfen sowie den Impuls, sich mit äußeren Dingen zu beschäftigen. Diese Schwierigkeiten vermindern sich durch fortwährende Übungen und verschwinden schließlich ganz; und sobald erst einmal die volle Kraft der Aufmerksamkeit auf das abstrakte Selbst verwendet werden kann, wird es auch zur Erleuchtung kommen, und zwar ohne den geringsten Kraftaufwand."
S.157

..."Verharre nun ganz ruhig in dieser Stille und laß geschehen, was da will. Lerne es, diesem heiligen Schweigen den Boden vorzubereiten. Bleib still! Du bist nicht und du hast nichts; du wartest nur, aber du wartest nicht auf etwas Bestimmtes. Werde froh in diesem Warten. Von jetzt an wird dir auf Grund eigenen, bewussten Bemühens kein Fortschritt mehr gelingen; eines Tages jedoch wird etwas geschehen, dass wie eine herrliche Wolke sein wird, die sich nach und nach am Himmel bildet.
Hast du diesen Punkt in deiner Meditation erreicht, an dem es dir scheinen will, als seiest du bis auf den felsigen Grund vorgedrungen, da alle deine Gedanken sich verflüchtigen, vermagst du deinen Geist ganz still zu halten: dann heißt es, auf den Eintritt jenes erhabenen Zustandes zu warten, der ganz aus eigenem Antrieb kommen wird. 

Zum Schluss siehst du ein, dass das ganze Universum nur ein Bild ist, auf eine weiße Leinwand projiziert. Die Bilder, die du erblickst, sind die Gedanken anderer, des Weltalls und deine eigenen. Diese Bilder sind niemals in Ruhe; sie kommen und gehen, sie wechseln wie Bilder im Kino, aber die Leinwand bleibt da, unverändert. Dein Bewusstsein also ist völlig unveränderlich, während deine Eindrücke stetig wechseln. Und solange du dich mit diesen Bilden identifizierst, wirst du nie erkennen, dass du selbst die Weinwand bist. Erst also, wenn es dir gelingt, den Zustand geistiger Stille herbeizuführen, bringst du den Strom der Gedanken zum Versiegen und gibst dir Gelegenheit, der Leinwand gewahr zu werden. Dies ist der Grund, weshalb wir Konzentration üben müssen. Du wirst dann auch erkennen, dass deine Gedanken nichts als Träume waren. Du wirst aufwachen und das Leben selbst entdecken."
S158/59

Freitag, 4. Oktober 2019

Isha Upanishade || Paul Deussen

Der Indologe Paul Deussen (neben Max Müller einer der wichtigsten Übersetzer der Upanishaden), dessen Übersetzung ich hier nutze, teilt die Isha Upanishade wie folgt ein:

1–2. Ethisches Verhalten des Âtmanwissers.
3. Verblendung des Nichtwissenden.
4–5. Schilderung des Âtman.
6–7. Seligkeit des Âtmanwissers.
8. Nochmals der Âtman.
9–11. Verwerfung der Avidyâ und Vidyâ.
Avidyâ ist die empirische Erkenntnis der Vielheit, Vidyâ der Versuch, zu Gott zu gelangen, indem man ihn als zu erkennendes (und zu verehrendes) Objekt sich gegenüberstellt.
12–14. Bekämpfung des Werdens (Entstehens und Vergehens).
15–18. Ausblick ins Jenseits (= Brh.5,15).

1. In Gott versenke dies Weltall
Und alles, was auf Erden lebt!
Wer ihm entsagt, genießt wahrhaft;
Nach fremdem Gute giere nicht.

Jede negative Erfahrung (oder die von uns so bewertet wird) ist auch Teil Gottes bzw. von Gott gegeben um eine Lektion daruas zu lernen.
„Alles ist Wohung des Herrn“
-so übersetzt die Indologin Bettina Bäumer das Mantra īśāvāsyam und dessen sollten wir uns stets bewusst sein: ich bin eins mit Gott (absolut& nondual) und alles was ich erlebe ist Teil von Gott (relativ& dual).

2. Mag immerhin, sein Werk treibend,
Hundert Jahre man wünschen sich!
Drum steht’s, wenn so du, nicht anders;
Werkbefleckung klebt dir nicht an.

3. Ja, dämonisch ist dies Weltall,
Von blinder Finsternis bedeckt!
Darein geh’n nach dem Tod alle,
Die ihre Seele mordeten.

4. Eins, - ohne Regung und doch schnell wie Denken, -
Hinfahrend, nicht von Göttern einzuholen, -
Stillstehend überholt es alle Läufer, -
Ihm wob schon die Urwasser ein der Windgott.

5. Rastend ist es und doch rastlos,
Ferne ist es und doch so nah!
In allem ist es inwendig,
Und doch außerhalb allem da.

6. Doch wer die Wesen hier alle
Wiedererkennt im eignen Selbst
Und sich in allem, was lebet,
Der ängstigt sich vor keinem mehr.

7. Wo zu den Wesen hier allen
Das Selbst ward des Erkennenden, -
Wo wäre Wahn, und wo Kummer
Für ihn, der so die Einheit schaut?


Da muss wohl eine andere Übersetzung her, hier nochmals die von Bettina Bäumer:
„(Der Atman) indem alle Lebewesen zu dem Selbst des Wissenden geworden sind, – welche Verwirrung, welches Leid gibt es noch für den, der so die Einheit schaut?“
8. Er streckt sich ringshin, körperlos und sehnenlos,
Rein, lauter, unverwundbar, frei vom Übel.
Vorschauend, durch sich selbst nur, allumfassend,
Hat jedem nach der Art die Zwecke er für ew’ge Zeiten vorgezeichnet.

9. In blinde Finsternis fahren,
Die dem Nichtwissen huldigen;
In blindere wohl noch jene,
Die am Wissen genügten sich.

10. Anders als, wozu führt Wissen,
Und wozu führt Nichtwissen, ist’s!
So haben von den Altmeistern
Die Lehre überkommen wir.

11. Wer das Wissen und Nichtwissen
Beide (als unzulänglich) weiß,
Der überschreitet durch beides
Den Tod und hat Unsterblichkeit.

12. In blinde Finsternis eingeht,
Wer ein Werden zu Nichts geglaubt,
In blindere wohl noch jener,
Der ein Werden zu Etwas glaubt.

13. Verschieden ist es von Werdung,
Von Nichtswerdung verschieden auch,
So haben von den Altmeistern
Die Lehre überkommen wir.

14. Wer Werden und Zunichtwerden
Beide (als nicht vorhanden) weiß,
Der überschreitet durch beides
Den Tod und hat Unsterblichkeit.

15. Mit einer Schale ganz aus Gold
Ist zugedeckt der Wahrheit Mund;
O öffne, Pushan, diese mir,
Dem Wahrheitstreuen mach‘ sie kund.

16. O Pushan, einiger Seher, o Yama, Sonnengott, Prajapatis Sohn!
zerteile deine Strahlen, schließ zusammen deine Herrlichkeit;
ja, ich sehe sie, deine lieblichste Gestalt;
und jener dort, der Mann dort, ich bin es selbst!

17. Nun werde, Hauch, zum Winde, dem unsterblichen,
und dieser Leib mag endigen in Asche! Om!
O Geist, gedenk! des Werks gedenk!
O Geist, gedenk! des Werks gedenk!

18. O Agni, führe uns auf ebenen Stegen,
Du pfadekundiger Gott, hin zum Gelingen!
Halt fern uns von der Sünde krummen Wegen!
Und höchste Ehre wollen wir dir bringen.

Mittwoch, 2. Oktober 2019

Yoganandaji ♥ Botschaften ♥

27.September2019
Wenn Sie wissen, dass Sie ein Kind Gottes sind, sollten Sie sich entschließen, ruhig zu bleiben, egal was passiert. Wenn Ihr Geist vollständig mit Ihren Aktivitäten identifiziert ist, können Sie sich des Herrn nicht bewusst sein, aber wenn Sie ruhig und empfänglich für Ihn sind, während Sie außerhalb aktiv sind, sind Sie zu Recht aktiv.

Pflicht als Opfergabe an Gott ist ebenso heilsam wie Meditation. Gott liebt diese Hingabe, die aus Handeln und Schweigen ein Opfer für Ihn macht.

Suche Ihn sowohl in Aktivität als auch in Meditation. Wenn du innerlich mit Gott wandelst und auch eine schwere Last irdischer Pflichten auf deinen Schultern trägst, liebt er dich noch mehr. Bevor Sie also eine Aktion ausführen, während Sie eine Aktion ausführen, und wenn Sie diese Aktion beendet haben, denken Sie an Ihn. Die Gita sagt: „Wer mich immer beobachtet, den beobachte ich. Er verliert mich nie aus den Augen und ich verliere ihn auch nicht aus den Augen. “[Eine Umschreibung von Bhagavad Gita VI: 30]

Setzen Sie sich ruhig hin, beruhigen Sie Ihre Sinne und Gedanken und meditieren Sie tief, bevor Sie wichtige Unternehmungen in Angriff nehmen. Sie werden dann von der großen schöpferischen Kraft des Geistes geleitet.

Wenn Sie Frieden in jeder Bewegung Ihres Körpers und Frieden in Ihrem Denken und in Ihrer Willenskraft und Frieden in Ihrer Liebe und Frieden und Gott in Ihren Ambitionen haben, denken Sie daran - Sie haben Gott mit Ihrem Leben verbunden.

Sonntag, 29. September 2019

Paul Brunton ♥ Augenblicke der Wahrheit || 4.GRUNDÄTZLICHES ZUR MEDITATION

Die Philosophie lehrt die Menschen nicht, den Kopf völlig leer zu machen, sie sagt nicht: Treib alle Gedanken aus, sei träge und passiv. Sie lehrt die Reduktion aller Denktätigkeit auf einen einzigen Keimgedanken, und dieser hat entweder fragend zu sein, etwa: «Was Bin Ich?», oder Positiv, etwa: «Das Göttliche ist mit mir.»
...Ansonsten ist das reine geistige Leergefegtsein eine gefährliche Verfassung, die von umsichtigen Suchenden vermieden werden sollte. In ihr ist das Risiko des Spiritismus und der Besessenheit gegeben. 

Meditation ist in gewisser Beziehung eine Anstrengung. In ihr versucht man als erstes, sich seinem innersten Kern anzunähern, indem man sich aktiv eine Bahn durch den Dschungel belangloser Gedanken bricht, und als zweites, darin einzudringen, indem man sich passiv dem abstrahlenden Einfluss dieses Zentrums der eigenen Psyche fügt, welches in der Tat der göttliche Geist ist. Im ersten Stadium ist ein entschlossener Wille vonnöten, um die lästigen Eindringlinge zu überwinden und zu verscheuchen, die alle Erfolgsaussichten zunichte machen würden. Im zweiten Stadium wäre die Betätigung des Willens genauso Destruktiv, denn nunmehr wird eine entgegengesetzte Haltung verlangt - völlige Hingabe des Ich.

Der einzige Weg, um zu erfahren, was Meditation bedeutet, besteht darin, zu üben und noch einmal zu üben. Dazu gehört ein täglicher Rückzug aus dem Kreislauf von Routine und Machen, ungefähr eine Dreiviertelstunde, wenn möglich, und die regelmäßige Durchführung einer Übung. Die Form, die eine solche Übung annehmen sollte, hängt zum Teil davon ab, was man selbst bevorzugt. Es kann eine der förmlichen Übungsfolgen aus einem Buch sein, oder es kann ein Thema sein, das einem Satz in irgendeiner inspirierten Schrift entnommen wurde, deren Wahrheit den Geist nachhaltig beeindruckt hat; es kann eine Charaktereigenschaft sein, deren Mangel in uns dringend spürbar geworden ist, oder es kann ein rein frommes Bestreben nach Gemeinschaft mit dem Höheren Selbst sein. Was es auch sei, die persönliche Anziehung sollte stark genug sein, unser Interesse zu wecken und unsere Aufmerksamkeit zu fesseln. Ist das der Fall, können wir das Thema unablässig in unseren Gedanken hin und her wenden. Wenn dem Genüge getan wurde, ist das erste Stadium (die eigentliche Konzentration) abgeschlossen. Leider verbringt man diese Periode meistens zum großteil damit, von außen kommende Ideen und ablenkende Erinnerungen abzuschütteln, so daß einem wenig Zeit bleibt, um zur wirklichen Konzentration selbst zu kommen. Das Gegenmittel ist wiederholtes Üben. Im Nächsten Stadium wird eine Willensanstrengung unternommen, um die Welt der fünf Sinne, ihre Eindrücke und Bilder auszuschließen und dabei die Bahn des Meditativen Denkens weiterzuverfolgen. Hier trachten wir danach, die konzentrierte Haltung zu vertiefen, zu bewahren und zu verlängern und gleichzeitig die äußere Umgebung zu vergessen. Die Vielfalt der Sinneswahrnehmungen - Sehen, Hören usw. - hält uns für gewöhnlich davon ab, uns dem Inneren Selbst zu widmen, und in diesem Stadium muß man sich dazu erziehen, dies zu korrigieren, indem man bewußt die Aufmerksamkeit von den Sinnen abzieht. In der Anfangsphase dieses Stadiums wird uns zumute sein, als ob wir gegen eine unsichtbare Tür hämmerten, auf deren anderer Seite das geheimnisvolle Ziel unseres Strebens liegt.

Man sollte voll und ganz Einsehen und Anerkennen, wie wichtig es ist, den durch Nichts und Niemanden vorgeschriebenen Termin der Meditationsstunde pünktlich einzuhalten. Wenn man darauf achtet, bei gesellschaftlichen und beruflichen Verpflichtungen Wort zu halten, dann sollte man zumindest nicht weniger darauf achten, das auch bei spirituellen Verpflichtungen zu tun. Nur wenn man dahin gelangt, das Überselbst ehrfürchtig als den unsichtbaren und schweigenden Anderen zu betrachten, mit dem man sich zusammensetzt, nur wenn man dahin gelangt, das Ausbleiben zum festgesetzten Zeitpunkt als eine ernste Angelegenheit zu betrachten, besteht eine Aussicht darauf, daß diese Übungen irgendwann einmal Früchte des Erfolges tragen. Man macht die sonderbare Erfahrung - und sie geschieht zu oft, als daß sie bedeutungslos sein könnte -, daß das Eine oder Andere Hindernis auftritt, um einen von der Erfüllung dieser heiligen Pflicht abzuhalten, oder daß sich eine reizvolle Alternative anbietet, um einen davon wegzulocken. Das Ich begehrt gegen den Eingriff in seine eingefahrenen Gewohnheiten auf und widersetzt sich dem bemühen, zu seinen Fundamenten vorzudringen. Man muß diesem Widerstand widerstehen. Man darf sich keine Ausrede gestatten. Die Entscheidung, sich zu einer bestimmten Zeit zur Meditation hinzusetzen, darf nicht kläglich zurückgenommen werden, einerlei, welcher Druck von außen auf einem lastet oder von Innen aufkommt. Man bedarf vielleicht seiner ganzen Standfestigkeit, um sich von anderen Menschen loszumachen und die nötige Einsamkeit zu finden oder um mit dem Aufzuhören, was man gerade macht, und dieses sich selbst gegebene Versprechen einzuhalten, aber am Ende ist es der Mühe wert.

Der Wahrhaft entschlossene Suchende, der rasch vorankommen möchte, muß sich die frühen Morgenstunden zunutze machen, wenn die Morgenröte die Erde grüßt. Eine solche Stunde sollte für die Meditation über das Höchste freigehalten werden, auf daß zu guter Letzt eine spirituelle Morgenröte ihr ersehntes Licht auf die Seele werfe. Durch diesen einfachen Auftakt ebnet man sich den Tag, bevor er richtig anfängt. Doch von den wenigen, die die Höchste Wahrheit suchen, sind noch weniger dazu bereit, dieses Opfer ihrer Zeit zu bringen, oder sind Willens, auf die Behaglichkeit des Bettes zu verzichten. Die meisten Männer opfern gern einige Stunden ihres Schlafs, um das Zusammensein mit einer Frau zu genießen und ihr Verlangen nach ihr zu befriedigen; aber äußerst wenige Männer sind Willens, einige Stunden ihres Schlafs zu opfern, um das Zusammensein mit der Gottheit zu genießen und ihr Verlangen nach Gotterkennen zu befriedigen. 

Es ist ein gängiger Irrtum zu Meinen, daß deshalb, weil einem aus der Übung keine Frucht zu erwachsen scheint, weder Gefühl noch Erleben daraus resultieren, die darauf verwandte Zeit vergeudet sei. Daher kommt es, daß so viele sie nach einem kürzeren oder längeren Versuch aufgeben. Aber wie kann das Ich wissen, daß sogar der einfache Akt, in ergebener Demut und Geduld und Ausdauer wie ein Bettler vor der Tür des Überselbst zu sitzen, ein Akt des Glaubens ist, dessen Belohnung sicher ist, wenn auch vielleicht nicht die Form dieser Belohnung? 

Eine Hilfe Ist Bhakti, Liebe. Liebe ist wesentlich für die Meditation; sie ist eine bindende Kraft, bestehend aus Andacht und Ehrfurcht. Das Ziel ist es, vereint zu werden. Erfolgreiche Meditation heißt, mit dem höheren Selbst eins zu werden (Einheit zu erlangen). Meditation sollte ein Sehnen danach sein, zu seinem Ort im Universum heimzukommen.

Man muß den Anfänger im Meditieren vor den Fehlern und Gefahren warnen, denen er nur allzu leicht erliegt. Der größte Fehler besteht darin, die Beimengungen des Ich zur eigenen mystischen Erfahrung zu übersehen; die größte Gefahr besteht darin, sich von einer tranceartigen Passivität überkommen zu lassen, weil man meint, es sei eine mystische Passivität.

Wenn das für alle Gedanken charakteristische Umherschweifen die Aufmerksamkeit ablenkt und die Bemühung zu meditieren vereitelt, versuche es auf andere Art Befrage die Gedanken selbst, mache ihren Ursprung ausfindig, spüre ihren Anfang auf, und verringere ihre Zahl immer mehr. Finde heraus, welches besondere Interesse oder Antriebsgefühl oder Verlangen im Ich sie entstehen läßt, und dränge diese Ursache immer weiter gegen die Leere zurück. So rückst du zusehends von den Gedanken ab, lehnst es ab, dich mit ihnen zu identifizieren, und gelangst immer weiter zurück zu deiner höheren Identität.



Samstag, 28. September 2019

Paul Brunton ♥ Augenblicke der Wahrheit II

Einsichten und Reflexionen eines Wanderers auf dem Weg nach Innen 

25. Der Weltgeist im Individuellen Geist 
Nach der allgemeinen Ansicht in den breiten Massen und religiösen Kreisen Indiens wird der höchste Stand der Erleuchtung in einer Art Trance (Samadhi) erlangt. Dies ist nicht die Lehre in den höchsten philosophischen Kreisen Indiens. Es gibt einen weiteren Zustand, «Sahaja-Samadhi», der in wenigen, kaum bekannten Texten beschrieben wird und als höher gilt. Er wird hoch geschätzt, weil er keine Trance erfordert und weil er ein dauernder Zustand ist. Der niedrigere Zustand ist dadurch gekennzeichnet, daß man phasenweise in ihn eingeht und ihn wieder verläßt: Man kann ihn sich nicht bewahren, ohne in die Trance zurückzukehren. Im Gegensatz dazu bleibt der philosophische «vierte Zustand» selbst dann ungebrochen, wenn man in der geschäftigen Welt rege und wach ist. 
Sahaja-Samadhi ist nicht zeitlich befristet, er ist permanent und bedarf keiner besonderen Anstrengung. Er tritt schlagartig und nicht stufenweise ein. Er kann das tägliche Tun begleiten, ohne es zu beeinträchtigen. Er ist eine beständige Ruhe und vollkommene innere Stille. Es gibt keine Kennzeichen, an denen ein außenstehender Betrachter einen sahaja-bewußten Menschen erkennen kann, weil Sahaja das Bewußtsein selbst darstellt und nicht seine vorübergehenden Zustände.

Der wahre Adept verkauft weder die Geheimnisse seines Wissens noch seine Kräfte zum Gebrauch. Dafür gibt es mehrere Gründe. Der wichtigste ist der, daß er sich selbst schaden würde, denn er würde den Anschluß an die Quelle seines Wissens und seiner Kraft verlieren. Er besitzt diese nicht an sich, sondern weil das höhere Selbst von ihm Besitz ergriffen hat. Von dem Moment an, da er versuchte, weltlichen Profit daraus zu ziehen, würde es sich nach und nach von ihm zurückziehen. Ein weiterer Grund ist der, daß er sein Vorrecht, die reine Wahrheit zu sagen, verlieren würde. In dem Maße, wie er auf Käufer dafür angewiesen wäre, müßte er sie nach ihren Geschmäckern und Vorurteilen modeln und daran anpassen; andernfalls würden sie sie nicht haben wollen. Er müßte sein Wissen ihren Schwächen gemäß umgestalten. Dem Amt, die Wahrheit zu lehren, könnte er nur insoweit nachkommen, als er seine ureigene Pflicht, die Wahrheit zu verwirklichen, vernachlässigte. Denn da er gerade die Wahrheit ohne Bezahlung empfangen hat, muß er auch gerade sie ohne Bezahlung geben. Dies ist das Gesetz, das ihre Verteilung regiert. Jeder, der es verletzt, beweist durch eben diese Übertretung, daß er die Wahrheit in ihrer ganzen leuchtenden Reinheit nicht besitz.

Der Adept wird nicht versuchen, einen anderen Menschen zu beeinflussen, und noch weniger, ihn zu beherrschen. Dazu, einem anderen durch dessen Erleuchtung zu dienen, gehört deshalb nach seiner Auffassung keine Proselytenmacherei, sondern vielmehr das Amt des Lehrens. Ein solcher Dienst hilft einem Menschen, selbst zu verstehen und selbst zu sehen, was er zuvor nicht sehen und verstehen konnte.

Der Adept gebraucht dazu nicht nur die gewöhnlichen Methoden des Redens, des Schreibens und des Beispiels, sondern viel mehr noch außergewöhnliche Methoden, deren sich nur ein Adept bedienen kann. Er versetzt sich gegenüber dem Ich der anderen Person in eine passive Haltung und registriert so Charakter, Denken und Fühlen in einem raschen allgemeinen Eindruck, der sich in seinem Bewußtsein wie eine Photographie auf einem lichtempfindlichen Film niederschlägt. Er begreift ihn als ein Bild der Entwicklungsstufe, die die andere Person erreicht hat, aber er begreift ihn auch als ein Bild des falschen Selbst, mit dem sich die andere Person identifiziert. Einerlei, wie viel Sympathie er für den anderen Menschen empfindet, einerlei, wie negativ die Emotionen oder die Gedanken sind, die er in seinem eigenen Sein wiedergegeben findet, es bleibt ohne Auswirkung auf ihn. Dies kommt daher, daß er über die Begierden und die Illusionen hinausgewachsen ist, die noch über den Geist des anderen Menschen herrschen.

Beim nächsten Schritt seiner Technik zieht er jenes Selbst der Angst um seine unwürdige und letztendlich dem Untergang geweihte Existenz und läßt schließlich das Bild zugunsten des wahren Selbst des Betreffenden fallen, des göttlichen Überselbst. Dann vertreibt er aus seinem Geist jeden Gedanken an die unvollkommene egoistische Verfassung der anderen Person und läßt an seine Stelle die Bejahung ihres wahren spirituellen Selbstseins treten.

Das Überselbst steigt niemals ab oder auf, verliert niemals sein erhabenes Bewußtsein. In Wirklichkeit widerfährt dies einem Etwas, das aus ihm hervorgeht und das demzufolge seine Fähigkeit und Kraft in der Latenz hält, einem Etwas, das aus der Unbegrenztheit des Überselbst ausgegrenzt ist und zunächst die einfache einzelne Lebensgröße und später das komplexe menschliche Ich wird. Es ist nicht das Überselbst, das während dieser langen Entfaltungszeit leidet und ringt, sondern sein Kind, das Ich. Es ist nicht das Überselbst, das langsam seine Intelligenz und sein Bewußtsein erweitert, sondern das Ich. Es ist nicht das Überselbst, das durch Unwissenheit und Leidenschaft, durch Selbstsucht und Extraversion getäuscht wird, sondern das Ich.

Der Glaube mancher Hindusekten an die Einschmelzung des Ich oder mancher buddhistischer Sekten an seine Auslöschung ist unphilosophisch. Das Ich hat sich nach einer langen Entwicklung durch die verschiedenen Naturreiche dem unendlichen Ozean des Geistes ausgesondert und ist eine eigenständige Individualität geworden. Nachdem es so zum Bewußtsein dessen gelangt ist, was es ist, und die Wachstumsspirale vom Keim zum Menschen durchlaufen hat, ist das Ergebnis dieser ganzen Mühe sicherlich nicht nur dazu da, weggeworfen zu werden.

Wenn dies geschähe, wäre die ganze Geschichte der Menschheit sinnlos, ihre ganze Mühe und Plage fruchtlos, ihr ganzes Streben wertlos. Wenn die Evolution lediglich die komplementäre Umkehrung eines Involutionsprozesses wäre, wenn die sich entwickelnde Monade für all ihren Kummer nur wieder am Ausgangspunkt ankäme, dann wäre der ganze Plan unsinnig. Wenn die Reise des Menschen aus nichts anderem bestünde, als vom Zeitpunkt seines Hervorgehens aus dem göttlichen Wesen bis zum Zeitpunkt seiner Wiedereinschmelzung in dieses im Kreis zu marschieren, wäre sie ein müßiges und nutzloses Treiben. Es wäre ein gewaltiges Abenteuer, aber auch ein gewaltig stumpfsinniges. Es hat mit seiner Bewegung ein wenig mehr auf sich. Außer in den Spekulationen gewisser Theoretiker findet es gar nicht statt.

26. Die Weltidee
 
27. Der Weltgeist
Der moderne Mensch sucht an allen unmöglichen Orten nach einem unsichtbaren Gott und will nicht den sichtbaren Gott verehren, den er vor sich hat. Und doch bedarf es nur geringen Nachdenkens, um zu zeigen, daß wir alle an der unerschöpflichen Brust der Natur gesäugt werden. Es ist leicht zu sehen, daß die Quelle alles Lebens die Sonne ist und daß ihre schöpferischen, schützenden und zerstörerischen Kräfte für den gesamten physischen Ablauf des Universums verantwortlich sind. Jedoch ist es nicht die physische Sonne allein, an die sich der Suchende wendet, sondern der Weltgeist hinter ihr. Wir müssen die Sonne als eine wahrhafte Selbstentäußerung und Selbstbekundung des Weltgeistes gegenüber all seinen Geschöpfen betrachten.
 
Alle Kräfte der physischen Welt stammen aus einer einzigen Quelle - der Sonnenenergie. 
Der Satz: «Das Licht ist Gott», meint zweierlei: erstens die dichterische und seelische Tatsache, daß die spirituelle Unwissenheit des Menschen in seiner gegenwärtigen Verfassung gleichbedeutend mit Finsternis und seine Entdeckung Gottes gleichbedeutend mit Licht ist; zweitens die wissenschaftliche und durch entsprechende Befunde verifizierte Tatsache, daß sich die ganze physische Materie letzten Endes auf Lichtwellen reduziert und daß, da Gott das Universum aus Seiner eigenen Substanz geschaffen hat, die Lichtwellen letztlich göttlich sind.
 
28. Das All-Eine
Wenn dieser Zustand das Denken, ob in Wort oder Bild, transzendiert, warum haben dann so viele Mystiker dennoch soviel darüber geschrieben? Daß sie gleichzeitig die Unmöglichkeit beteuerten, die höchsten Ebenen ihrer Erfahrung zu beschreiben, ändert nichts an dieser eigenartigen Tatsache. Die Antwort auf unsere Frage ist die: Hätten sie volles Stillschweigen bewahrt und nicht enthüllt, daß solch eine einzigartige Erfahrung möglich ist und daß solch eine erhabene Wirklichkeit existiert, so hätte das bedeutet, ihre weniger begnadeten Mitmenschen in völliger Unkenntnis einer ungemein wichtigen Wahrheit über das menschliche Leben und Schicksal zu belassen. Aber wenn sie ein Zeugnis hinterlassen haben, selbst wenn es nur andeutet, was es nicht zureichend beschreiben konnte, dann haben sie etwas Licht in der Finsternis zurückgelassen. Und obwohl eine intellektuelle Darlegung einer überintellektuellen Tatsache nur wie ein indirektes und reflektiertes Licht ist, ist es dennoch besser, als wenn man gar kein Licht hat.  

Solange Menschen das Bedürfnis verspüren, sich mit anderen Menschen über dieses Thema auseinanderzusetzen, solange Meister Schüler darin zu unterweisen suchen und solange begnadete Seher die Pflicht erkennen, für die nicht begnadete Menschheit ein Zeugnis ihrer Erleuchtung zu hinterlassen- sei es auch ein unvollkommenes -, solange wird, dem Buddha zum Trotz, das Schweigen gebrochen und das verlorene Wort aufs neue gesagt werden müssen. Man ist intellektuell weit gekommen, wenn man den Satz verstehen kann, daß Geist der Sucher, aber GEIST das Gesuchte ist.  
Die erste Äußerung des Geistes ist die Leere. Die zweite und darauf folgende ist das Licht, das heißt der Weltgeist. Dem folgt die dritte, die Weltidee. Schließlich kommt die vierte, das Erscheinen der Welt selbst.

Im letzten Grad innerer Erfahrung, in der tiefsten Phase der Kontemplation verschwindet der Erfahrende, der Meditierende vergeht, der Erkenner hat keinen erkennbaren Gegenstand mehr - nicht einmal das Überselbst -, denn die Dualität bricht zusammen. Weil dieser Grad über die höchste «Lichterfahrung» hinausgeht, in der das Überselbst seine Gegenwart visuell als eine Masse, eine Säule, eine Kugel oder einen Strahl von überirdischer Leuchtkraft offenbart, die unabhängig davon gesehen wird, ob die leiblichen Augen geöffnet oder geschlossen sind - deswegen ist er die göttliche Finsternis genannt worden.
  • Bewußtsein allein ist. Das, worauf es seine Aufmerksamkeit richtet, scheint in dem Augenblick zu existieren: nur das. Wenn auf Leere, dann gibt es nichts anderes. Wenn auf Welt, dann nimmt die Welt Wirklichkeit an.
  • Was ist es, das da bewußt ist? Der Gedanke eines Bewußtseinspunktes ist schöpferisch, verleiht auf der niedrigsten Ebene dem Ich Wirklichkeit und auf der höchsten dem höheren Selbst. Aber wenn der Gedanke fallengelassen wird, gibt es nur noch das eine Sein in der göttlichen Leerheit. Er ist daher der Ursprung alles Lebens, aller Intelligenz, aller Form.
  • Die gefaßte Idee wird für die Person direkte Erfahrung, das Bewußtsein wird direkte Wahrnehmung.
Die wahre Vereinigung, völlig authentisch und völlig beseligend, in der Geist mit GEIST verschmilzt, ohne Beimischung persönlicher Wünsche oder herkömmlicher Einflüsterungen, kann mit Worten nicht richtig beschrieben werden Denn wer sie erfährt, mag aufgrund des riesigen Unterschieds zu seinem gewöhnlichen Selbst um ihr Einsetzen oder ihr Aufhören wissen, aber er weiß von ihrer vollen Höhe schon allein deshalb nichts, weil er nicht einmal weiß, daß er sie erfährt. Denn damit würde man das Ich wieder einführen und so von der Reinheit der Vereinigung abfallen.

Wieder zurück in der Welt, erforscht er sie abermals in diesem neuem Licht, bestätigt, daß die vielfältige Welt letztlich aus geistigen Bildern besteht, verbindet das mit seiner vollen metaphysischen Erkenntnis, daß sie einfach Geist in der Offenbarung ist, und lernt so begreifen, daß sie ihrem Wesen nach eins mit demselben Geist ist, den er in der Selbstversenkung erlebt. So bezeugt und erfährt seine Einsicht diesen Geist an sich als die Sinnenwelt und nicht als von ihr getrennt, während der Mystiker sie trennt. Bei der Einsicht zerstört das Gefühl der Einheit nicht das Gefühl des Unterschieds, sondern beide bleiben seltsam gewahrt, während bei der gewöhnlichen mystischen Erfahrung eines das andere aufhebt. Die Myriaden von Formen, die das Bild dieser Welt zusammensetzen, verschwinden nicht als ein Wesensmerkmal der Wirklichkeit, noch wird das Bewußtsein von ihnen oder der Umgang mit ihnen beeinträchtigt. Daher ist der vom Philosophen erreichte Stand, auf dem er die Einsicht in den reinen Geist sogar unter dem Ansturm physischer Sinneseindrücke fortwährend besitzt, fest und endgültig.

Er erachtet alles in dieser mannigfaltigen Welt genauso selbstverständlich für nichts anderes als den Geist, wie er jedesmal dann, wenn er sich in die Selbstversenkung kehren möchte, das Nichts, die bildlose Leere für nichts anderes als den Geist erachten kann. Er erachtet sowohl die äußeren Gesichter aller Menschen als auch die inneren Tiefen seines eigenen Selbst für nichts anderes als den Geist. So erfährt er die Einheit alles Seienden; nicht zeitweise, sondern in jedem Augenblick erkennt er den Geist als das Höchste und Letzte. 

Dies ist die philosophische oder endgültige Erkenntnis. Sie ist so bleibend, wie die des Mystikers vorübergehend ist. Was er auch tut oder unterläßt, was er erlebt oder nicht erlebt, er läßt sämtliche Unterscheidungen zwischen Wirklichkeit und Schein, zwischen Wahrheit und Illusion sein und läßt seiner Einsicht freien Lauf, da seine Gedanken nichts auswählen und sich an nichts klammern. Er erlebt das Mirakel undifferenzierten Seins, das Wunder unterschiedsloser Einheit. Die künstlichen, von Menschen geschaffenen Grenzen schmelzen dahin. Er erachtet seine Mitmenschen für so unweigerlich und wesenhaft göttlich, wie sie es wirklich sind, und nicht bloß für die weltlichen Geschöpfe, für die sie sich halten, so daß alle Spuren einer asketischen Haltung nach dem Motto: «Ich bin heiliger als du», völlig von ihm abfallen.
 
Es gibt nur einen Gott, ein Leben, eine unendliche Kraft, einen allwissenden Geist. Jeder Mensch individualisiert ihn, aber vervielfältigt ihn nicht. Er bringt ihn auf einen Punkt, das Überselbst, aber beseitigt nicht seine Einheit und ändert nicht seinen Charakter.

Wir stehen ständig vor dem altehrwürdigsten aller Probleme: «Warum trat dieses Universum aus der Tiefe und Finsternis des absoluten Geistes hervor?» Der Seher kann uns ein Bild der Art und Weise bieten, wie dieser Geist sich in die Materie eingefaltet hat und sich wieder zurück zur Selbsterkenntnis entfaltet. Das ist nur das Wie und nicht das Warum der Welt. Die Wahrheit ist, daß nicht nur nie jemand die letzte und grundsätzliche Absicht der Schöpfung gekannt hat, kennt oder jemals kennen wird, sondern daß nicht einmal Gott selbst sie kennt - denn auch Gott ist nicht minder aus dem Absoluten hervorgegangen als das Universum, ist selbst eine Emanation aus der urtümlichen Finsternis und der vollkommenen Stille. Sogar Gott muß sich damit zufrieden geben, dem Fließen zuzusehen und nicht nach dem Warum zu fragen, denn Gott und Mensch müssen beide verschmelzen und aufgesogen werden, wenn sie zum letzten Mal vor dem Absoluten stehen. (In der Symbolsprache der Bibel: «Denn kein Mensch kann Gott von Angesicht zu Angesicht sehen und leben.»)

Paul Brunton ♥ Augenblicke der Wahrheit I

 "Kein Weg ist der einzige."

"In deinem Geist hat immer nur ein einziger Gedanke Platz. Sorge also dafür, daß es ein positiver ist."
"Telepathie ist nicht deshalb möglich, weil das Denken den Raum durcheilen kann, sondern weil der Raum in Wirklichkeit Denken ist."

«Wenn Herz zu Herzen spricht, was gibt es dann noch zu sagen?»
Ramana Maharshi
«Du mußt über das Sehen hinausgehen und herausfinden, wer das Ich ist, das dieses Licht erfährt», sagte Ramana Maharshi zu einem Schüler.

Daher bekannte Muhammed wiederholt: «Ich bin nur ein Mensch wie ihr. Aber mir werden Offenbarungen zuteil.» Und der zehnte Guru der Sikhs erklärte: «Wer mich den Höchsten Herrn nennt, wird zur Hölle fahren.» 

13. LEBENSERFAHRUNG


Seneca sagt: «Nimm alles, als hattest du es so gewünscht und erbeten. » (Er spricht von Drangsalen )

Es kommt nicht nur auf die Qualität des Bewußtseins eines Menschen an, sondern auch auf die Qualität seines Alltagslebens, nicht nur auf die seltenen mystischen Ekstasen, zu denen sich sein Erleben aufschwingt, sondern auch auf sein Verhältnis zur Welt der Gegenwart und seine Einstellung zu ihr. Es reicht nicht aus, ein Mystiker zu sein: Man kann die breite Straße nicht umgehen, auf der alle Menschen dahinziehen müssen. Kurz gesagt, kann man in der Welt sein, aber nicht von ihr? Kann man das Gewöhnliche, das Gebräuchliche heiligen; jene Tätigkeiten, dieses Geschäft, gar jene Arbeit für den Lebensunterhalt; die Kontakte mit Familie, Freunden, Kritikern und Feinden? Schließlich ist man doch ein Mensch mit persönlichen Problemen; man kann nicht vierundzwanzig Stunden am Tag ausschließlich in abstrakten Ideen leben oder in religiöser Zurückgezogenheit: Man hat einen Körper aus Fleisch und Blut, eine wichtige Pflicht oder Verantwortung, der man in der Welt draußen nachkommen muß.

Was einem Menschen widerfährt, ist wichtig, aber nicht so wichtig wie das, was er daraus macht.

In gewissen Punkten stand ich den Sadhus in Indien kritisch gegenüber - in welchen, tut hier nichts zur Sache. Die Differenzen wurden damals von einigen indischen Zeitungen ziemlich sensationell und mit viel Begriffsstutzigkeit, ja Böswilligkeit aufgebauscht. Aber ich bewunderte sie auch in anderen Punkten, die ich heute zum Teil bei den jungen Aussteigern antreffe, die eine religiöse Einstellung haben. Sie rebellieren gegen eine materialistische Gesellschaft und verweigern sich ihr. Sie erinnern uns daran, daß Jesus auch ein Aussteiger war. Sie versuchen, durch Arbeit an sich selbst zu leben, gehen einander kooperativ und nicht konkurrenzhaft zur Hand, ohne Ehrgeiz, ohne Versicherungsschutz, mit wenigen Habseligkeiten - durch Ehrlichkeit und nicht durch äußeren Schein. 


Wir leben in einer Zeit, in der falsche Aussagen als wahre durchgehen, in der täuschende Werte als echte Werte angesehen werden. Es ist eine Zeit, in der die Verbreitung des Wissens mehr und mehr in die Hände von Menschen gelangt, die selbst zu jung sind, um die Jungen weise unterweisen zu können, die zu unausgeglichen sind, um zur Charakterbildung der Jungen beitragen zu können, die zu theoretisch ausgerichtet sind, um ihren Schülern wirklich praktisch hilfreiche Hinweise geben zu können.

15. DER ORIENT
Der Kontrast zwischen geschwätzigen Amerikanern der Städte und schweigenden Arabern der Wüste ist unvergeßlich. Die Beduinen können in einer Gruppe sitzen und stundenlang nichts sagen. Der Friede der Wüste ist in einem solchen Maße in sie eingezogen, daß die gesellschaftliche Verpflichtung zur Kehlkopfbetätigung unter ihnen unbekannt ist und als überflüssig gilt.

Der Unterschied zwischen den zwei größten und ältesten asiatischen Völkern ist der: Die Mystiker Indiens suchten stets nach einem idealisierten Menschen als Meister. Wenn sie ihn gefunden hatten, wurde er zum leibhaftigen Gott erklärt; alles, was er sagte oder tat, alles an ihm galt als vollkommen. Folglich verfielen sie in Selbsttäuschung und stellten in ihrer Maßlosigkeit ein ungesundes Verhältnis zu ihm her. Die Mystiker Chinas waren keine solchen Träumer. Sie erstrebten keine unmögliche menschliche Vollkommenheit; sie erkannten die notwendigen Beschränkungen und unvermeidlichen Fehler des Menschen.

Der Vedanta-Anhänger braucht den Buddhismus, um seine Weltanschauung zu vervollständigen und ins Lot zu bringen; der Buddhist braucht den Vedanta zu demselben Zweck. Andernfalls besteht bei jedem eine gewisse Einseitigkeit. Eine Erweiterung wird ihren Ansichten zugute kommen und die Menschen bessern.

19. SEINS- UND BEWUSSTSElNSZUSTÄNDE

Mit dieser Relativität aller Dinge ist es für den sie Erkennenden so bestellt, daß die Welt, die wir erfahren, unsere geistige Welt ist und wir sie deswegen niemals so sehen, wie sie wirklich an sich ist oder wie ein Wesen von außerhalb sie beobachten würde. Infolgedessen sehen wir die Welt - unbewußt - niemals anders als mit dem Selbst vermischt. Das Ich plus etwas anderes als das Ich stecken unser Bewußtseinsfeld ab. Wir erkennen die Welt niemals an sich, sondern nur in einem Zustand der Wechselwirkung mit dem Selbst. Wir erkennen das Selbst niemals an sich, sondern nur in einem Zustand der Wechselwirkung mit der Welt. So ist es um die tatsächlichen und zwingenden Bedingungen der sogenannten Erfahrung der Welt und unserer sogenannten Erfahrung des Selbst bestellt.

Indem der westliche Mensch in seiner Unwissenheit das Wachbewußtsein zur alleinigen Schiedsinstanz über seine Erkenntnis erhebt, begrenzt er diese Erkenntnis unnötig. Und indem er andere Bewußtseinsformen als bloße Nachahmungen oder Verirrungen des Wachbewußtseins auffaßt oder ihnen überhaupt die Existenz abspricht, schließt er sich selbst von der höchsten Einsicht und der höchsten ihm offenstehenden Glückseligkeit aus. Sofern er den Traum- und den Tiefschlafzustand nicht auch in seinen Gesichtskreis mit hineinnimmt, wird er weiterhin vom Unwirklichen getäuscht werden und den Schatten fälschlich für das Ding halten.

Der Raum, in dem der Vorgang des Denkens stattfindet, ist die Zeit. Er könnte ohne die Dimension der Zeit nicht sein. Wird das Denken womöglich einmal transzendiert, dann die Zeit mit ihm. Ein Geist, der dies erreicht, wird dadurch in die reine Gegenwart, das ewige Jetzt, «die Gegenwart Gottes» aller Mystiker geworfen.

21. DER MENTALISMUS
Jedes Wissen um etwas ist ganz einfach der Gedanke darüber. Dies darf nicht mit dem richtigen Gedanken darüber verwechselt werden. Es ist ein bewußter geistiger Zustand, und selbst andere Personen sind nur Erscheinungen in diesem Zustand, Geschöpfe im kosmischen Traum. Um diese Überlegung bis zu ihrem notwendigen Ende zu verfolgen, braucht man im höchsten Maße Mut und Aufrichtigkeit, denn sie verlangt als letzte Schlußfolgerung daraus, daß Erkenntnis nur aus Ideen im Geist besteht, den Grundsatz, daß das ganze Universum nichts als eine gewaltige Idee im eigenen Geist ist. So nämlich ist die Erkenntnis ihrer wahren Natur nach innerlich, und daher kann der individuelle Geist keine ihm äußerliche Wirklichkeit erkennen. Er meint, eine Welt außen zu betrachten, wenn er doch nur seine eigenen geistigen Bilder dieser Welt betrachtet.

Gibt es einen exakten universellen Maßstab der Wahrheit, der zu jeder Zeit und unter allen Umständen anwendbar ist, kurz, etwas Unwandelbares und damit Allerhabenes? Die Wissenschaftler wissen, daß die großen Prinzipien, die in der Geschichte der Wissenschaft Marksteine bildeten, in Wirklichkeit Stufen auf dem Weg zur exakten Wahrheit waren. Die Wissenschaft wandelt sich, ihre Lehren wandeln sich, und ihre früheren Näherungen werden von Zeit zu Zeit durch genauere Standortbestimmungen ersetzt. Wir können heutzutage, da die Wissenschaft selbst eine so rasche Gangart einschlägt, nicht hoffen, eine letztgültige Wahrheit zu finden. Es bleibt jedoch eine unerschütterliche, allumfassende Tatsache bestehen, die immer wahr bleiben wird und sich unmöglich je ändern kann. Ja, jeder experimentelle und theoretische Fortschritt durch forschende Wissenschaftler wird nur dazu beitragen, diese große Entdeckung zu bewahrheiten. Worin besteht sie? Darin, daß die ganze Welt, mit deren Untersuchung jeder Zweig der Wissenschaft emsig beschäftigt ist, nichts als eine Idee im menschlichen Geist ist. Physik, Chemie, Geologie, Astronomie, Biologie und all die anderen Wissenschaften ohne jede Ausnahme haben es letzten Endes ausschließlich mit einem das menschliche Bewußtsein durchziehenden Gedanken bzw. einer Reihe von Gedanken zu tun. Hier also besitzen wir ein Universalgesetz, das das gesamte Feld, auf dem die Wissenschaft tätig ist, umfaßt. Dies ist eine letztgültige Wahrheit, die unsterblich ist und noch dann bestehen wird, wenn jede andere von der Wissenschaft aufgestellte Hypothese durch den Fortschritt der Erkenntnis zu Grabe getragen wurde.

Der individuelle Geist malt sich das Welt-Bild durch sein eigenes Bewußtsein und in diesem aus. Wenn das die ganze Wahrheit wäre, könnte man die Erfahrung durchaus zu Recht eine private nennen. Weil aber der individuelle Geist im universellen Geist verwurzelt und von ihm untrennbar ist, ist es nur ein Teil der Wahrheit. Der Weltgedanke des Menschen ist im Gedanken Gottes enthalten und davon umschlossen.

Die geistigen Bilder, die das Universum unserer Erfahrung ausmachen, wiederholen sich in einer einzigen Minute unzählige Male. Nur deshalb erwecken sie den Eindruck der Kontinuität und Dauerhaftigkeit und Stabilität, genau wie ein Film. Wenn wir sie auslöschen und dabei doch unser Bewußtsein unabgeschwächt bewahren könnten, würden wir zum ersten Mal ihren Ursprung erkennen, die Wirklichkeit hinter ihren Erscheinungen. Das heißt, wir würden den Geist an sich erkennen. Eine solche Auslöschung wird durch Yoga erreicht. Hierin also liegt die Wichtigkeit der Verbindung zwischen Mentalismus und Mystik.

22. INSPIRATION UND DAS ÜBERSELBST
Selbst die Arbeit im Büro, in der Fabrik oder auf dem Feld hält einen Menschen nicht davon ab, seine Suche nach dem inneren Geist fortzusetzen. Die Vorstellung, diese Suche verlange Entrücktheit von der gemeinen Alltagswelt, wird von der Philosophie nicht geteilt. Zerstreutheit und Arbeit sind nicht so unlösbar verknüpft, wie wir vielleicht meinen. Der Schüler kann sich dazu erziehen, selbst bei angestrengter Tätigkeit eine ruhige und gelassene Haltung zu bewahren, wie er sich denn auch die neuesten Erfindungen wissenschaftlicher Technik zunutze macht und doch die geistige Fähigkeit behält, in den ältesten Büchern der asiatischen Weisen zu schmökern. Er kann sich dazu schulen, von der Meditation ins Getriebe zurückzukehren, überall hinzugehen, alles zu tun, wenn er Wahrheit im Geiste und Gelassenheit im Herzen trägt. Er kann lernen, zu allen Zeiten in der Wirklichkeit zu leben. Das Gefühl ihrer Gegenwart bedarf keiner ständigen Erneuerung, keines häufigen Hinübergleitens in die Trance, keiner zwischenzeitigen Flucht aus der Welt, wenn er dem dreifältigen Pfad der Philosophie folgt.

Ja, es ist wunderbar, dieses Gefühl, das mit einem Aufleuchten des höheren Selbst einhergeht; aber wenn es zudem mit einem Erkennen verbunden ist, einem eindeutigen Erfassen, das keiner Diskussion, Auslegung, Ausgestaltung oder Beurteilung mehr bedarf, verleiht es dem philosophischen Sucher eine Gewißheit, die wie eine Segnung ist.

Das Aufleuchten muß nicht unbedingt während der Meditation kommen, wenn auch die in der Meditation geleistete Arbeit sein Eintreten herbeiführen hilft. Es kann jederzeit kommen.

Der plötzliche, aber sanfte Zug weg von der äußeren Aktivität und hin zur inneren, das tatsächlich in der Mitte des Brustbereichs empfundene «Dahinschmelzen des Herzens», wie orientalische Mystiker es nennen, kann sich gelegentlich spürbar machen bzw. bei einem fortgeschrittenen oder auf Regelmäßigkeit bedachten Meditierenden auch jeden Tag. Im letzten Fall wird es für gewöhnlich jedesmal ungefähr zur gleichen Zeit auftreten. Dies ist ein Ruf, dem man mit aller gebührenden Ehrfurcht begegnen sollte. Aber bevor er geehrt werden kann, muß er erkannt werden. Seine Erkennungszeichen können Büchern entnommen, aus der Erfahrung gelernt, aus den Berichten anderer Menschen geschlossen oder von einem persönlichen Lehrer empfangen werden. Wenn der Ruf ergeht, sollte man das Signal beachten, alles stehen- und liegenlassen und dem unausgesprochenen Befehl gehorchen, sich nach innen zu kehren, Andacht zu üben oder sich in Meditation zu begeben.

In solchen unvergeßlichen Augenblicken spricht die Seele klar, wenn auch leise zu einem. Vielleicht erzählt sie einem von seiner wahren Beziehung zum Universum und zu seinen Mitgeschöpfen. Ganz gewiß erzählt sie einem etwas über sich selbst. Sie kann einen von seinem Körper trennen und aus der Höhe darauf herab schauen lassen, bis man begreift, daß das Fleisch durchaus der armseligste und unbedeutendste Teil von einem ist. Und, was vielleicht das Beste ist, sie wird einen mit der Zuversicht erfüllen, daß sie nach seiner Rückkehr in die Welt einsamen Ringens und raschen Vergessens neben und in einem bleiben wird.

Es ist ein Zustand der äußersten Zärtlichkeit, der aus einem inneren Zentrum aufwallenden und in alle Richtungen ausstrahlenden Liebe. Wenn andere Menschen oder auch Tiere in dieser Zeit mit einem in Berührung kommen, werden sie zu Empfängern dieser ausnahmslosen Liebe. Denn dann kennt man keine Feinde, lehnt niemanden ab und bringt es nicht fertig, irgend jemanden abstoßend zu finden.

Es ist wichtig, daran zu denken, daß man in den meisten Fällen nur selten mit solchen Erfahrungen rechnen kann, vielleicht im Leben ein- oder zweimal, wenn der Betreffende nicht bewußt auf der Suche ist. Die Hoffnung, sie möchte sich wiederholen, ist natürlich. Das erste Aufleuchten findet statt, um den Weg zu weisen, um Licht auf den vor einem liegenden Pfad zu werfen, um dem Betreffenden die Richtung und das Ziel zu zeigen. Doch ist auch das Aufleuchten nur vorübergehend und selten, das daraus zu schöpfende metaphysische Verständnis ist der bleibende Gewinn. Trachte also danach, Verständnis zu erlangen und es zu klären.

Während die griechisch-orthodoxe Kirche die Lichterfahrung für das Höchste hält, was dem Menschen erreichbar ist, hält die indische philosophische Lehre sie für die vorletzte Stufe. Denn alles «Gesehene» impliziert das Vorhandensein eines davon getrennten «Sehenden». Im Falle des heiligen Lichtes gilt dies nicht minder. Nicht Sehen, sondern Sein ist dieser Lehre zufolge die letzte Erfahrung. «Du mußt über das Sehen hinausgehen und herausfinden, wer das Ich ist, das dieses Licht erfährt», sagte Ramana Maharshi zu einem Schüler.

25. DER WELTGEIST IM INDIVIDUELLEN GEIST
.Die Seele im Menschen, das Überselbst, ist verbunden mit oder verwurzelt in der Seele im Universum, dem Weltgeist.  
..Es besteht ein gewisser Unterschied zwischen der eigenen höheren Individualität und dem universellen Unendlichen, von dem sie ausgestrahlt wird - die Anhänger des Vedanta mögen sagen, was sie wollen. Und dieser Unterschied bleibt auch im höchsten mystischen Zustand erhalten, der nicht durch totale Einverleibung und gänzliche Vernichtung dieser Individualität gekennzeichnet ist, sondern durch das Aufgehen des eigenen Willens im universellen Willen, die engste Innigkeit des eigenen Seins mit dem universellen Sein.
Die Philosophie weist entschieden all jene vedantischen pantheistischen Vorstellungen und abendländischen mystischen Torheiten zurück, die den Menschen vergotten und ihn mit Gott gleichsetzen wollen. Sie erklärt, daß die Sätze, in denen diese Auffassungen Gestalt gewonnen haben, etwa das indische «Das bist du», das persische «Ich bin Gott» und die mittelalterliche europäische «Vereinigung mit Gott», Übertreibungen der Wahrheit sind, die so aussieht: Gott ist uns innig, durch Erkenntnis unseres höheren Selbst werden wir gottgleicher, aber niemals hört Gott auf, der Unerreichbare, der Unfaßbare zu bleiben.

Kein Sterblicher kann das Geheimnis des höchsten Geistes in seiner eigenen Natur durchdringen, das heißt in seinem statischen, inaktiven Sein. Die Gottheit ist nicht nur über das menschliche Vorstellungsvermögen erhaben, sondern auch über die mystische Schau. Aber der Geist in seinem aktiven, dynamischen Zustand als Weltgeist (und gar sein Strahl in uns namens Überselbst) liegt durchaus im menschlichen Wahrnehmungsbereich und läßt auch eine Gemeinschaft und sogar eine Vereinigung zu. Er ist es, den der Mystiker wirklich findet, wenn er glaubt, Gott gefunden zu haben.

Metaphysisch gesehen, gibt es nichts dergleichen wie eine menschliche Erscheinung Gottes, wie ein Herniedersinken des unendlichen Geistes ins endliche Fleisch. Dieser Irrglaube wird von den Bahais in ihrer Manifestationslehre, von den Christen in ihrer Menschwerdungslehre und von den Hindus in ihrer Avatarlehre als eine heilige Wahrheit verbreitet. Gott kann nicht im Fleisch geboren werden, kann nicht menschliche Gestalt annehmen. Wenn Er sich so begrenzen könnte, wäre Er nicht mehr Gott. Denn wie könnte der Vollkommene, der Unfaßbare und der Unvorstellbare unvollkommen, faßbar und vorstellbar werden?