Jiddu Krishnamurti

Jiddu Krishnamurti
Wir werden sehen wie wichtig es ist die radikale Revolution in den Köpfen der Menschen zu verursachen. Die Krise ist eine Krise des Bewusstseins. Ein Krise, die nicht mehr die alten Normen akzeptieren kann, die alten Muster, die uralten Traditionen. Wenn man in Betracht zieht, was die Welt jetzt ist, mit all dem Elend, den Konflikten, der zerstörerischen Brutalität, Aggressionen usw. Der Mensch ist immer noch wie er war. Er ist immer noch brutal, zerstörerisch, aggressiv, habgierig, wetteifernd. Er hat eine Gesellschaft darauf aufgebaut.

Montag, 14. Oktober 2019

Montag, 7. Oktober 2019

Paul Brunton ♥ Entdecke dich selbst || Meditation

5. Kapitel ~ Praktische Hilfe in Yoga

..."Zuerst ist man genötigt, den fortlaufenden Gedankenstrom zu bekämpfen sowie den Impuls, sich mit äußeren Dingen zu beschäftigen. Diese Schwierigkeiten vermindern sich durch fortwährende Übungen und verschwinden schließlich ganz; und sobald erst einmal die volle Kraft der Aufmerksamkeit auf das abstrakte Selbst verwendet werden kann, wird es auch zur Erleuchtung kommen, und zwar ohne den geringsten Kraftaufwand."
S.157

..."Verharre nun ganz ruhig in dieser Stille und laß geschehen, was da will. Lerne es, diesem heiligen Schweigen den Boden vorzubereiten. Bleib still! Du bist nicht und du hast nichts; du wartest nur, aber du wartest nicht auf etwas Bestimmtes. Werde froh in diesem Warten. Von jetzt an wird dir auf Grund eigenen, bewussten Bemühens kein Fortschritt mehr gelingen; eines Tages jedoch wird etwas geschehen, dass wie eine herrliche Wolke sein wird, die sich nach und nach am Himmel bildet.
Hast du diesen Punkt in deiner Meditation erreicht, an dem es dir scheinen will, als seiest du bis auf den felsigen Grund vorgedrungen, da alle deine Gedanken sich verflüchtigen, vermagst du deinen Geist ganz still zu halten: dann heißt es, auf den Eintritt jenes erhabenen Zustandes zu warten, der ganz aus eigenem Antrieb kommen wird. 

Zum Schluss siehst du ein, dass das ganze Universum nur ein Bild ist, auf eine weiße Leinwand projiziert. Die Bilder, die du erblickst, sind die Gedanken anderer, des Weltalls und deine eigenen. Diese Bilder sind niemals in Ruhe; sie kommen und gehen, sie wechseln wie Bilder im Kino, aber die Leinwand bleibt da, unverändert. Dein Bewusstsein also ist völlig unveränderlich, während deine Eindrücke stetig wechseln. Und solange du dich mit diesen Bilden identifizierst, wirst du nie erkennen, dass du selbst die Weinwand bist. Erst also, wenn es dir gelingt, den Zustand geistiger Stille herbeizuführen, bringst du den Strom der Gedanken zum Versiegen und gibst dir Gelegenheit, der Leinwand gewahr zu werden. Dies ist der Grund, weshalb wir Konzentration üben müssen. Du wirst dann auch erkennen, dass deine Gedanken nichts als Träume waren. Du wirst aufwachen und das Leben selbst entdecken."
S158/59

Freitag, 4. Oktober 2019

Isha Upanishade || Paul Deussen

Der Indologe Paul Deussen (neben Max Müller einer der wichtigsten Übersetzer der Upanishaden), dessen Übersetzung ich hier nutze, teilt die Isha Upanishade wie folgt ein:

1–2. Ethisches Verhalten des Âtmanwissers.
3. Verblendung des Nichtwissenden.
4–5. Schilderung des Âtman.
6–7. Seligkeit des Âtmanwissers.
8. Nochmals der Âtman.
9–11. Verwerfung der Avidyâ und Vidyâ.
Avidyâ ist die empirische Erkenntnis der Vielheit, Vidyâ der Versuch, zu Gott zu gelangen, indem man ihn als zu erkennendes (und zu verehrendes) Objekt sich gegenüberstellt.
12–14. Bekämpfung des Werdens (Entstehens und Vergehens).
15–18. Ausblick ins Jenseits (= Brh.5,15).

1. In Gott versenke dies Weltall
Und alles, was auf Erden lebt!
Wer ihm entsagt, genießt wahrhaft;
Nach fremdem Gute giere nicht.

Jede negative Erfahrung (oder die von uns so bewertet wird) ist auch Teil Gottes bzw. von Gott gegeben um eine Lektion daruas zu lernen.
„Alles ist Wohung des Herrn“
-so übersetzt die Indologin Bettina Bäumer das Mantra īśāvāsyam und dessen sollten wir uns stets bewusst sein: ich bin eins mit Gott (absolut& nondual) und alles was ich erlebe ist Teil von Gott (relativ& dual).

2. Mag immerhin, sein Werk treibend,
Hundert Jahre man wünschen sich!
Drum steht’s, wenn so du, nicht anders;
Werkbefleckung klebt dir nicht an.

3. Ja, dämonisch ist dies Weltall,
Von blinder Finsternis bedeckt!
Darein geh’n nach dem Tod alle,
Die ihre Seele mordeten.

4. Eins, - ohne Regung und doch schnell wie Denken, -
Hinfahrend, nicht von Göttern einzuholen, -
Stillstehend überholt es alle Läufer, -
Ihm wob schon die Urwasser ein der Windgott.

5. Rastend ist es und doch rastlos,
Ferne ist es und doch so nah!
In allem ist es inwendig,
Und doch außerhalb allem da.

6. Doch wer die Wesen hier alle
Wiedererkennt im eignen Selbst
Und sich in allem, was lebet,
Der ängstigt sich vor keinem mehr.

7. Wo zu den Wesen hier allen
Das Selbst ward des Erkennenden, -
Wo wäre Wahn, und wo Kummer
Für ihn, der so die Einheit schaut?


Da muss wohl eine andere Übersetzung her, hier nochmals die von Bettina Bäumer:
„(Der Atman) indem alle Lebewesen zu dem Selbst des Wissenden geworden sind, – welche Verwirrung, welches Leid gibt es noch für den, der so die Einheit schaut?“
8. Er streckt sich ringshin, körperlos und sehnenlos,
Rein, lauter, unverwundbar, frei vom Übel.
Vorschauend, durch sich selbst nur, allumfassend,
Hat jedem nach der Art die Zwecke er für ew’ge Zeiten vorgezeichnet.

9. In blinde Finsternis fahren,
Die dem Nichtwissen huldigen;
In blindere wohl noch jene,
Die am Wissen genügten sich.

10. Anders als, wozu führt Wissen,
Und wozu führt Nichtwissen, ist’s!
So haben von den Altmeistern
Die Lehre überkommen wir.

11. Wer das Wissen und Nichtwissen
Beide (als unzulänglich) weiß,
Der überschreitet durch beides
Den Tod und hat Unsterblichkeit.

12. In blinde Finsternis eingeht,
Wer ein Werden zu Nichts geglaubt,
In blindere wohl noch jener,
Der ein Werden zu Etwas glaubt.

13. Verschieden ist es von Werdung,
Von Nichtswerdung verschieden auch,
So haben von den Altmeistern
Die Lehre überkommen wir.

14. Wer Werden und Zunichtwerden
Beide (als nicht vorhanden) weiß,
Der überschreitet durch beides
Den Tod und hat Unsterblichkeit.

15. Mit einer Schale ganz aus Gold
Ist zugedeckt der Wahrheit Mund;
O öffne, Pushan, diese mir,
Dem Wahrheitstreuen mach‘ sie kund.

16. O Pushan, einiger Seher, o Yama, Sonnengott, Prajapatis Sohn!
zerteile deine Strahlen, schließ zusammen deine Herrlichkeit;
ja, ich sehe sie, deine lieblichste Gestalt;
und jener dort, der Mann dort, ich bin es selbst!

17. Nun werde, Hauch, zum Winde, dem unsterblichen,
und dieser Leib mag endigen in Asche! Om!
O Geist, gedenk! des Werks gedenk!
O Geist, gedenk! des Werks gedenk!

18. O Agni, führe uns auf ebenen Stegen,
Du pfadekundiger Gott, hin zum Gelingen!
Halt fern uns von der Sünde krummen Wegen!
Und höchste Ehre wollen wir dir bringen.

Mittwoch, 2. Oktober 2019

Yoganandaji ♥ Botschaften ♥

27.September2019
Wenn Sie wissen, dass Sie ein Kind Gottes sind, sollten Sie sich entschließen, ruhig zu bleiben, egal was passiert. Wenn Ihr Geist vollständig mit Ihren Aktivitäten identifiziert ist, können Sie sich des Herrn nicht bewusst sein, aber wenn Sie ruhig und empfänglich für Ihn sind, während Sie außerhalb aktiv sind, sind Sie zu Recht aktiv.

Pflicht als Opfergabe an Gott ist ebenso heilsam wie Meditation. Gott liebt diese Hingabe, die aus Handeln und Schweigen ein Opfer für Ihn macht.

Suche Ihn sowohl in Aktivität als auch in Meditation. Wenn du innerlich mit Gott wandelst und auch eine schwere Last irdischer Pflichten auf deinen Schultern trägst, liebt er dich noch mehr. Bevor Sie also eine Aktion ausführen, während Sie eine Aktion ausführen, und wenn Sie diese Aktion beendet haben, denken Sie an Ihn. Die Gita sagt: „Wer mich immer beobachtet, den beobachte ich. Er verliert mich nie aus den Augen und ich verliere ihn auch nicht aus den Augen. “[Eine Umschreibung von Bhagavad Gita VI: 30]

Setzen Sie sich ruhig hin, beruhigen Sie Ihre Sinne und Gedanken und meditieren Sie tief, bevor Sie wichtige Unternehmungen in Angriff nehmen. Sie werden dann von der großen schöpferischen Kraft des Geistes geleitet.

Wenn Sie Frieden in jeder Bewegung Ihres Körpers und Frieden in Ihrem Denken und in Ihrer Willenskraft und Frieden in Ihrer Liebe und Frieden und Gott in Ihren Ambitionen haben, denken Sie daran - Sie haben Gott mit Ihrem Leben verbunden.

Sonntag, 29. September 2019

Paul Brunton ♥ Augenblicke der Wahrheit || 4.GRUNDÄTZLICHES ZUR MEDITATION

Die Philosophie lehrt die Menschen nicht, den Kopf völlig leer zu machen, sie sagt nicht: Treib alle Gedanken aus, sei träge und passiv. Sie lehrt die Reduktion aller Denktätigkeit auf einen einzigen Keimgedanken, und dieser hat entweder fragend zu sein, etwa: «Was Bin Ich?», oder Positiv, etwa: «Das Göttliche ist mit mir.»
...Ansonsten ist das reine geistige Leergefegtsein eine gefährliche Verfassung, die von umsichtigen Suchenden vermieden werden sollte. In ihr ist das Risiko des Spiritismus und der Besessenheit gegeben. 

Meditation ist in gewisser Beziehung eine Anstrengung. In ihr versucht man als erstes, sich seinem innersten Kern anzunähern, indem man sich aktiv eine Bahn durch den Dschungel belangloser Gedanken bricht, und als zweites, darin einzudringen, indem man sich passiv dem abstrahlenden Einfluss dieses Zentrums der eigenen Psyche fügt, welches in der Tat der göttliche Geist ist. Im ersten Stadium ist ein entschlossener Wille vonnöten, um die lästigen Eindringlinge zu überwinden und zu verscheuchen, die alle Erfolgsaussichten zunichte machen würden. Im zweiten Stadium wäre die Betätigung des Willens genauso Destruktiv, denn nunmehr wird eine entgegengesetzte Haltung verlangt - völlige Hingabe des Ich.

Der einzige Weg, um zu erfahren, was Meditation bedeutet, besteht darin, zu üben und noch einmal zu üben. Dazu gehört ein täglicher Rückzug aus dem Kreislauf von Routine und Machen, ungefähr eine Dreiviertelstunde, wenn möglich, und die regelmäßige Durchführung einer Übung. Die Form, die eine solche Übung annehmen sollte, hängt zum Teil davon ab, was man selbst bevorzugt. Es kann eine der förmlichen Übungsfolgen aus einem Buch sein, oder es kann ein Thema sein, das einem Satz in irgendeiner inspirierten Schrift entnommen wurde, deren Wahrheit den Geist nachhaltig beeindruckt hat; es kann eine Charaktereigenschaft sein, deren Mangel in uns dringend spürbar geworden ist, oder es kann ein rein frommes Bestreben nach Gemeinschaft mit dem Höheren Selbst sein. Was es auch sei, die persönliche Anziehung sollte stark genug sein, unser Interesse zu wecken und unsere Aufmerksamkeit zu fesseln. Ist das der Fall, können wir das Thema unablässig in unseren Gedanken hin und her wenden. Wenn dem Genüge getan wurde, ist das erste Stadium (die eigentliche Konzentration) abgeschlossen. Leider verbringt man diese Periode meistens zum großteil damit, von außen kommende Ideen und ablenkende Erinnerungen abzuschütteln, so daß einem wenig Zeit bleibt, um zur wirklichen Konzentration selbst zu kommen. Das Gegenmittel ist wiederholtes Üben. Im Nächsten Stadium wird eine Willensanstrengung unternommen, um die Welt der fünf Sinne, ihre Eindrücke und Bilder auszuschließen und dabei die Bahn des Meditativen Denkens weiterzuverfolgen. Hier trachten wir danach, die konzentrierte Haltung zu vertiefen, zu bewahren und zu verlängern und gleichzeitig die äußere Umgebung zu vergessen. Die Vielfalt der Sinneswahrnehmungen - Sehen, Hören usw. - hält uns für gewöhnlich davon ab, uns dem Inneren Selbst zu widmen, und in diesem Stadium muß man sich dazu erziehen, dies zu korrigieren, indem man bewußt die Aufmerksamkeit von den Sinnen abzieht. In der Anfangsphase dieses Stadiums wird uns zumute sein, als ob wir gegen eine unsichtbare Tür hämmerten, auf deren anderer Seite das geheimnisvolle Ziel unseres Strebens liegt.

Man sollte voll und ganz Einsehen und Anerkennen, wie wichtig es ist, den durch Nichts und Niemanden vorgeschriebenen Termin der Meditationsstunde pünktlich einzuhalten. Wenn man darauf achtet, bei gesellschaftlichen und beruflichen Verpflichtungen Wort zu halten, dann sollte man zumindest nicht weniger darauf achten, das auch bei spirituellen Verpflichtungen zu tun. Nur wenn man dahin gelangt, das Überselbst ehrfürchtig als den unsichtbaren und schweigenden Anderen zu betrachten, mit dem man sich zusammensetzt, nur wenn man dahin gelangt, das Ausbleiben zum festgesetzten Zeitpunkt als eine ernste Angelegenheit zu betrachten, besteht eine Aussicht darauf, daß diese Übungen irgendwann einmal Früchte des Erfolges tragen. Man macht die sonderbare Erfahrung - und sie geschieht zu oft, als daß sie bedeutungslos sein könnte -, daß das Eine oder Andere Hindernis auftritt, um einen von der Erfüllung dieser heiligen Pflicht abzuhalten, oder daß sich eine reizvolle Alternative anbietet, um einen davon wegzulocken. Das Ich begehrt gegen den Eingriff in seine eingefahrenen Gewohnheiten auf und widersetzt sich dem bemühen, zu seinen Fundamenten vorzudringen. Man muß diesem Widerstand widerstehen. Man darf sich keine Ausrede gestatten. Die Entscheidung, sich zu einer bestimmten Zeit zur Meditation hinzusetzen, darf nicht kläglich zurückgenommen werden, einerlei, welcher Druck von außen auf einem lastet oder von Innen aufkommt. Man bedarf vielleicht seiner ganzen Standfestigkeit, um sich von anderen Menschen loszumachen und die nötige Einsamkeit zu finden oder um mit dem Aufzuhören, was man gerade macht, und dieses sich selbst gegebene Versprechen einzuhalten, aber am Ende ist es der Mühe wert.

Der Wahrhaft entschlossene Suchende, der rasch vorankommen möchte, muß sich die frühen Morgenstunden zunutze machen, wenn die Morgenröte die Erde grüßt. Eine solche Stunde sollte für die Meditation über das Höchste freigehalten werden, auf daß zu guter Letzt eine spirituelle Morgenröte ihr ersehntes Licht auf die Seele werfe. Durch diesen einfachen Auftakt ebnet man sich den Tag, bevor er richtig anfängt. Doch von den wenigen, die die Höchste Wahrheit suchen, sind noch weniger dazu bereit, dieses Opfer ihrer Zeit zu bringen, oder sind Willens, auf die Behaglichkeit des Bettes zu verzichten. Die meisten Männer opfern gern einige Stunden ihres Schlafs, um das Zusammensein mit einer Frau zu genießen und ihr Verlangen nach ihr zu befriedigen; aber äußerst wenige Männer sind Willens, einige Stunden ihres Schlafs zu opfern, um das Zusammensein mit der Gottheit zu genießen und ihr Verlangen nach Gotterkennen zu befriedigen

Es ist ein gängiger Irrtum zu Meinen, daß deshalb, weil einem aus der Übung keine Frucht zu erwachsen scheint, weder Gefühl noch Erleben daraus resultieren, die darauf verwandte Zeit vergeudet sei. Daher kommt es, daß so viele sie nach einem kürzeren oder längeren Versuch aufgeben. Aber wie kann das Ich wissen, daß sogar der einfache Akt, in ergebener Demut und Geduld und Ausdauer wie ein Bettler vor der Tür des Überselbst zu sitzen, ein Akt des Glaubens ist, dessen Belohnung sicher ist, wenn auch vielleicht nicht die Form dieser Belohnung

Eine Hilfe Ist Bhakti, Liebe. Liebe ist wesentlich für die Meditation; sie ist eine bindende Kraft, bestehend aus Andacht und Ehrfurcht. Das Ziel ist es, vereint zu werden. Erfolgreiche Meditation heißt, mit dem höheren Selbst eins zu werden (Einheit zu erlangen). Meditation sollte ein Sehnen danach sein, zu seinem Ort im Universum heimzukommen.

Man muß den Anfänger im Meditieren vor den Fehlern und Gefahren warnen, denen er nur allzu leicht erliegt. Der größte Fehler besteht darin, die Beimengungen des Ich zur eigenen mystischen Erfahrung zu übersehen; die größte Gefahr besteht darin, sich von einer tranceartigen Passivität überkommen zu lassen, weil man meint, es sei eine mystische Passivität.

Wenn das für alle Gedanken charakteristische Umherschweifen die Aufmerksamkeit ablenkt und die Bemühung zu meditieren vereitelt, versuche es auf andere Art Befrage die Gedanken selbst, mache ihren Ursprung ausfindig, spüre ihren Anfang auf, und verringere ihre Zahl immer mehr. Finde heraus, welches besondere Interesse oder Antriebsgefühl oder Verlangen im Ich sie entstehen läßt, und dränge diese Ursache immer weiter gegen die Leere zurück. So rückst du zusehends von den Gedanken ab, lehnst es ab, dich mit ihnen zu identifizieren, und gelangst immer weiter zurück zu deiner höheren Identität.



Samstag, 28. September 2019

Paul Brunton ♥ Augenblicke der Wahrheit II

Einsichten und Reflexionen eines Wanderers auf dem Weg nach Innen 

25. Der Weltgeist im Individuellen Geist 
Nach der allgemeinen Ansicht in den breiten Massen und religiösen Kreisen Indiens wird der höchste Stand der Erleuchtung in einer Art Trance (Samadhi) erlangt. Dies ist nicht die Lehre in den höchsten philosophischen Kreisen Indiens. Es gibt einen weiteren Zustand, «Sahaja-Samadhi», der in wenigen, kaum bekannten Texten beschrieben wird und als höher gilt. Er wird hoch geschätzt, weil er keine Trance erfordert und weil er ein dauernder Zustand ist. Der niedrigere Zustand ist dadurch gekennzeichnet, daß man phasenweise in ihn eingeht und ihn wieder verläßt: Man kann ihn sich nicht bewahren, ohne in die Trance zurückzukehren. Im Gegensatz dazu bleibt der philosophische «vierte Zustand» selbst dann ungebrochen, wenn man in der geschäftigen Welt rege und wach ist. 
Sahaja-Samadhi ist nicht zeitlich befristet, er ist permanent und bedarf keiner besonderen Anstrengung. Er tritt schlagartig und nicht stufenweise ein. Er kann das tägliche Tun begleiten, ohne es zu beeinträchtigen. Er ist eine beständige Ruhe und vollkommene innere Stille. Es gibt keine Kennzeichen, an denen ein außenstehender Betrachter einen sahaja-bewußten Menschen erkennen kann, weil Sahaja das Bewußtsein selbst darstellt und nicht seine vorübergehenden Zustände.

Der wahre Adept verkauft weder die Geheimnisse seines Wissens noch seine Kräfte zum Gebrauch. Dafür gibt es mehrere Gründe. Der wichtigste ist der, daß er sich selbst schaden würde, denn er würde den Anschluß an die Quelle seines Wissens und seiner Kraft verlieren. Er besitzt diese nicht an sich, sondern weil das höhere Selbst von ihm Besitz ergriffen hat. Von dem Moment an, da er versuchte, weltlichen Profit daraus zu ziehen, würde es sich nach und nach von ihm zurückziehen. Ein weiterer Grund ist der, daß er sein Vorrecht, die reine Wahrheit zu sagen, verlieren würde. In dem Maße, wie er auf Käufer dafür angewiesen wäre, müßte er sie nach ihren Geschmäckern und Vorurteilen modeln und daran anpassen; andernfalls würden sie sie nicht haben wollen. Er müßte sein Wissen ihren Schwächen gemäß umgestalten. Dem Amt, die Wahrheit zu lehren, könnte er nur insoweit nachkommen, als er seine ureigene Pflicht, die Wahrheit zu verwirklichen, vernachlässigte. Denn da er gerade die Wahrheit ohne Bezahlung empfangen hat, muß er auch gerade sie ohne Bezahlung geben. Dies ist das Gesetz, das ihre Verteilung regiert. Jeder, der es verletzt, beweist durch eben diese Übertretung, daß er die Wahrheit in ihrer ganzen leuchtenden Reinheit nicht besitz.

Der Adept wird nicht versuchen, einen anderen Menschen zu beeinflussen, und noch weniger, ihn zu beherrschen. Dazu, einem anderen durch dessen Erleuchtung zu dienen, gehört deshalb nach seiner Auffassung keine Proselytenmacherei, sondern vielmehr das Amt des Lehrens. Ein solcher Dienst hilft einem Menschen, selbst zu verstehen und selbst zu sehen, was er zuvor nicht sehen und verstehen konnte.

Der Adept gebraucht dazu nicht nur die gewöhnlichen Methoden des Redens, des Schreibens und des Beispiels, sondern viel mehr noch außergewöhnliche Methoden, deren sich nur ein Adept bedienen kann. Er versetzt sich gegenüber dem Ich der anderen Person in eine passive Haltung und registriert so Charakter, Denken und Fühlen in einem raschen allgemeinen Eindruck, der sich in seinem Bewußtsein wie eine Photographie auf einem lichtempfindlichen Film niederschlägt. Er begreift ihn als ein Bild der Entwicklungsstufe, die die andere Person erreicht hat, aber er begreift ihn auch als ein Bild des falschen Selbst, mit dem sich die andere Person identifiziert. Einerlei, wie viel Sympathie er für den anderen Menschen empfindet, einerlei, wie negativ die Emotionen oder die Gedanken sind, die er in seinem eigenen Sein wiedergegeben findet, es bleibt ohne Auswirkung auf ihn. Dies kommt daher, daß er über die Begierden und die Illusionen hinausgewachsen ist, die noch über den Geist des anderen Menschen herrschen.

Beim nächsten Schritt seiner Technik zieht er jenes Selbst der Angst um seine unwürdige und letztendlich dem Untergang geweihte Existenz und läßt schließlich das Bild zugunsten des wahren Selbst des Betreffenden fallen, des göttlichen Überselbst. Dann vertreibt er aus seinem Geist jeden Gedanken an die unvollkommene egoistische Verfassung der anderen Person und läßt an seine Stelle die Bejahung ihres wahren spirituellen Selbstseins treten.

Das Überselbst steigt niemals ab oder auf, verliert niemals sein erhabenes Bewußtsein. In Wirklichkeit widerfährt dies einem Etwas, das aus ihm hervorgeht und das demzufolge seine Fähigkeit und Kraft in der Latenz hält, einem Etwas, das aus der Unbegrenztheit des Überselbst ausgegrenzt ist und zunächst die einfache einzelne Lebensgröße und später das komplexe menschliche Ich wird. Es ist nicht das Überselbst, das während dieser langen Entfaltungszeit leidet und ringt, sondern sein Kind, das Ich. Es ist nicht das Überselbst, das langsam seine Intelligenz und sein Bewußtsein erweitert, sondern das Ich. Es ist nicht das Überselbst, das durch Unwissenheit und Leidenschaft, durch Selbstsucht und Extraversion getäuscht wird, sondern das Ich.

Der Glaube mancher Hindusekten an die Einschmelzung des Ich oder mancher buddhistischer Sekten an seine Auslöschung ist unphilosophisch. Das Ich hat sich nach einer langen Entwicklung durch die verschiedenen Naturreiche dem unendlichen Ozean des Geistes ausgesondert und ist eine eigenständige Individualität geworden. Nachdem es so zum Bewußtsein dessen gelangt ist, was es ist, und die Wachstumsspirale vom Keim zum Menschen durchlaufen hat, ist das Ergebnis dieser ganzen Mühe sicherlich nicht nur dazu da, weggeworfen zu werden.

Wenn dies geschähe, wäre die ganze Geschichte der Menschheit sinnlos, ihre ganze Mühe und Plage fruchtlos, ihr ganzes Streben wertlos. Wenn die Evolution lediglich die komplementäre Umkehrung eines Involutionsprozesses wäre, wenn die sich entwickelnde Monade für all ihren Kummer nur wieder am Ausgangspunkt ankäme, dann wäre der ganze Plan unsinnig. Wenn die Reise des Menschen aus nichts anderem bestünde, als vom Zeitpunkt seines Hervorgehens aus dem göttlichen Wesen bis zum Zeitpunkt seiner Wiedereinschmelzung in dieses im Kreis zu marschieren, wäre sie ein müßiges und nutzloses Treiben. Es wäre ein gewaltiges Abenteuer, aber auch ein gewaltig stumpfsinniges. Es hat mit seiner Bewegung ein wenig mehr auf sich. Außer in den Spekulationen gewisser Theoretiker findet es gar nicht statt.

26. Die Weltidee
 
27. Der Weltgeist
Der moderne Mensch sucht an allen unmöglichen Orten nach einem unsichtbaren Gott und will nicht den sichtbaren Gott verehren, den er vor sich hat. Und doch bedarf es nur geringen Nachdenkens, um zu zeigen, daß wir alle an der unerschöpflichen Brust der Natur gesäugt werden. Es ist leicht zu sehen, daß die Quelle alles Lebens die Sonne ist und daß ihre schöpferischen, schützenden und zerstörerischen Kräfte für den gesamten physischen Ablauf des Universums verantwortlich sind. Jedoch ist es nicht die physische Sonne allein, an die sich der Suchende wendet, sondern der Weltgeist hinter ihr. Wir müssen die Sonne als eine wahrhafte Selbstentäußerung und Selbstbekundung des Weltgeistes gegenüber all seinen Geschöpfen betrachten.
 
Alle Kräfte der physischen Welt stammen aus einer einzigen Quelle - der Sonnenenergie. 
Der Satz: «Das Licht ist Gott», meint zweierlei: erstens die dichterische und seelische Tatsache, daß die spirituelle Unwissenheit des Menschen in seiner gegenwärtigen Verfassung gleichbedeutend mit Finsternis und seine Entdeckung Gottes gleichbedeutend mit Licht ist; zweitens die wissenschaftliche und durch entsprechende Befunde verifizierte Tatsache, daß sich die ganze physische Materie letzten Endes auf Lichtwellen reduziert und daß, da Gott das Universum aus Seiner eigenen Substanz geschaffen hat, die Lichtwellen letztlich göttlich sind.
 
28. Das All-Eine
Wenn dieser Zustand das Denken, ob in Wort oder Bild, transzendiert, warum haben dann so viele Mystiker dennoch soviel darüber geschrieben? Daß sie gleichzeitig die Unmöglichkeit beteuerten, die höchsten Ebenen ihrer Erfahrung zu beschreiben, ändert nichts an dieser eigenartigen Tatsache. Die Antwort auf unsere Frage ist die: Hätten sie volles Stillschweigen bewahrt und nicht enthüllt, daß solch eine einzigartige Erfahrung möglich ist und daß solch eine erhabene Wirklichkeit existiert, so hätte das bedeutet, ihre weniger begnadeten Mitmenschen in völliger Unkenntnis einer ungemein wichtigen Wahrheit über das menschliche Leben und Schicksal zu belassen. Aber wenn sie ein Zeugnis hinterlassen haben, selbst wenn es nur andeutet, was es nicht zureichend beschreiben konnte, dann haben sie etwas Licht in der Finsternis zurückgelassen. Und obwohl eine intellektuelle Darlegung einer überintellektuellen Tatsache nur wie ein indirektes und reflektiertes Licht ist, ist es dennoch besser, als wenn man gar kein Licht hat.  

Solange Menschen das Bedürfnis verspüren, sich mit anderen Menschen über dieses Thema auseinanderzusetzen, solange Meister Schüler darin zu unterweisen suchen und solange begnadete Seher die Pflicht erkennen, für die nicht begnadete Menschheit ein Zeugnis ihrer Erleuchtung zu hinterlassen- sei es auch ein unvollkommenes -, solange wird, dem Buddha zum Trotz, das Schweigen gebrochen und das verlorene Wort aufs neue gesagt werden müssen. Man ist intellektuell weit gekommen, wenn man den Satz verstehen kann, daß Geist der Sucher, aber GEIST das Gesuchte ist.  
Die erste Äußerung des Geistes ist die Leere. Die zweite und darauf folgende ist das Licht, das heißt der Weltgeist. Dem folgt die dritte, die Weltidee. Schließlich kommt die vierte, das Erscheinen der Welt selbst.

Im letzten Grad innerer Erfahrung, in der tiefsten Phase der Kontemplation verschwindet der Erfahrende, der Meditierende vergeht, der Erkenner hat keinen erkennbaren Gegenstand mehr - nicht einmal das Überselbst -, denn die Dualität bricht zusammen. Weil dieser Grad über die höchste «Lichterfahrung» hinausgeht, in der das Überselbst seine Gegenwart visuell als eine Masse, eine Säule, eine Kugel oder einen Strahl von überirdischer Leuchtkraft offenbart, die unabhängig davon gesehen wird, ob die leiblichen Augen geöffnet oder geschlossen sind - deswegen ist er die göttliche Finsternis genannt worden.
  • Bewußtsein allein ist. Das, worauf es seine Aufmerksamkeit richtet, scheint in dem Augenblick zu existieren: nur das. Wenn auf Leere, dann gibt es nichts anderes. Wenn auf Welt, dann nimmt die Welt Wirklichkeit an.
  • Was ist es, das da bewußt ist? Der Gedanke eines Bewußtseinspunktes ist schöpferisch, verleiht auf der niedrigsten Ebene dem Ich Wirklichkeit und auf der höchsten dem höheren Selbst. Aber wenn der Gedanke fallengelassen wird, gibt es nur noch das eine Sein in der göttlichen Leerheit. Er ist daher der Ursprung alles Lebens, aller Intelligenz, aller Form.
  • Die gefaßte Idee wird für die Person direkte Erfahrung, das Bewußtsein wird direkte Wahrnehmung.
Die wahre Vereinigung, völlig authentisch und völlig beseligend, in der Geist mit GEIST verschmilzt, ohne Beimischung persönlicher Wünsche oder herkömmlicher Einflüsterungen, kann mit Worten nicht richtig beschrieben werden Denn wer sie erfährt, mag aufgrund des riesigen Unterschieds zu seinem gewöhnlichen Selbst um ihr Einsetzen oder ihr Aufhören wissen, aber er weiß von ihrer vollen Höhe schon allein deshalb nichts, weil er nicht einmal weiß, daß er sie erfährt. Denn damit würde man das Ich wieder einführen und so von der Reinheit der Vereinigung abfallen.

Wieder zurück in der Welt, erforscht er sie abermals in diesem neuem Licht, bestätigt, daß die vielfältige Welt letztlich aus geistigen Bildern besteht, verbindet das mit seiner vollen metaphysischen Erkenntnis, daß sie einfach Geist in der Offenbarung ist, und lernt so begreifen, daß sie ihrem Wesen nach eins mit demselben Geist ist, den er in der Selbstversenkung erlebt. So bezeugt und erfährt seine Einsicht diesen Geist an sich als die Sinnenwelt und nicht als von ihr getrennt, während der Mystiker sie trennt. Bei der Einsicht zerstört das Gefühl der Einheit nicht das Gefühl des Unterschieds, sondern beide bleiben seltsam gewahrt, während bei der gewöhnlichen mystischen Erfahrung eines das andere aufhebt. Die Myriaden von Formen, die das Bild dieser Welt zusammensetzen, verschwinden nicht als ein Wesensmerkmal der Wirklichkeit, noch wird das Bewußtsein von ihnen oder der Umgang mit ihnen beeinträchtigt. Daher ist der vom Philosophen erreichte Stand, auf dem er die Einsicht in den reinen Geist sogar unter dem Ansturm physischer Sinneseindrücke fortwährend besitzt, fest und endgültig.

Er erachtet alles in dieser mannigfaltigen Welt genauso selbstverständlich für nichts anderes als den Geist, wie er jedesmal dann, wenn er sich in die Selbstversenkung kehren möchte, das Nichts, die bildlose Leere für nichts anderes als den Geist erachten kann. Er erachtet sowohl die äußeren Gesichter aller Menschen als auch die inneren Tiefen seines eigenen Selbst für nichts anderes als den Geist. So erfährt er die Einheit alles Seienden; nicht zeitweise, sondern in jedem Augenblick erkennt er den Geist als das Höchste und Letzte. 

Dies ist die philosophische oder endgültige Erkenntnis. Sie ist so bleibend, wie die des Mystikers vorübergehend ist. Was er auch tut oder unterläßt, was er erlebt oder nicht erlebt, er läßt sämtliche Unterscheidungen zwischen Wirklichkeit und Schein, zwischen Wahrheit und Illusion sein und läßt seiner Einsicht freien Lauf, da seine Gedanken nichts auswählen und sich an nichts klammern. Er erlebt das Mirakel undifferenzierten Seins, das Wunder unterschiedsloser Einheit. Die künstlichen, von Menschen geschaffenen Grenzen schmelzen dahin. Er erachtet seine Mitmenschen für so unweigerlich und wesenhaft göttlich, wie sie es wirklich sind, und nicht bloß für die weltlichen Geschöpfe, für die sie sich halten, so daß alle Spuren einer asketischen Haltung nach dem Motto: «Ich bin heiliger als du», völlig von ihm abfallen.
 
Es gibt nur einen Gott, ein Leben, eine unendliche Kraft, einen allwissenden Geist. Jeder Mensch individualisiert ihn, aber vervielfältigt ihn nicht. Er bringt ihn auf einen Punkt, das Überselbst, aber beseitigt nicht seine Einheit und ändert nicht seinen Charakter.

Wir stehen ständig vor dem altehrwürdigsten aller Probleme: «Warum trat dieses Universum aus der Tiefe und Finsternis des absoluten Geistes hervor?» Der Seher kann uns ein Bild der Art und Weise bieten, wie dieser Geist sich in die Materie eingefaltet hat und sich wieder zurück zur Selbsterkenntnis entfaltet. Das ist nur das Wie und nicht das Warum der Welt. Die Wahrheit ist, daß nicht nur nie jemand die letzte und grundsätzliche Absicht der Schöpfung gekannt hat, kennt oder jemals kennen wird, sondern daß nicht einmal Gott selbst sie kennt - denn auch Gott ist nicht minder aus dem Absoluten hervorgegangen als das Universum, ist selbst eine Emanation aus der urtümlichen Finsternis und der vollkommenen Stille. Sogar Gott muß sich damit zufrieden geben, dem Fließen zuzusehen und nicht nach dem Warum zu fragen, denn Gott und Mensch müssen beide verschmelzen und aufgesogen werden, wenn sie zum letzten Mal vor dem Absoluten stehen. (In der Symbolsprache der Bibel: «Denn kein Mensch kann Gott von Angesicht zu Angesicht sehen und leben.»)

Paul Brunton ♥ Augenblicke der Wahrheit I

 "Kein Weg ist der einzige."

"In deinem Geist hat immer nur ein einziger Gedanke Platz. Sorge also dafür, daß es ein positiver ist."
"Telepathie ist nicht deshalb möglich, weil das Denken den Raum durcheilen kann, sondern weil der Raum in Wirklichkeit Denken ist."

«Wenn Herz zu Herzen spricht, was gibt es dann noch zu sagen?»
Ramana Maharshi
«Du mußt über das Sehen hinausgehen und herausfinden, wer das Ich ist, das dieses Licht erfährt», sagte Ramana Maharshi zu einem Schüler.

Daher bekannte Muhammed wiederholt: «Ich bin nur ein Mensch wie ihr. Aber mir werden Offenbarungen zuteil.» Und der zehnte Guru der Sikhs erklärte: «Wer mich den Höchsten Herrn nennt, wird zur Hölle fahren.» 

13. LEBENSERFAHRUNG


Seneca sagt: «Nimm alles, als hattest du es so gewünscht und erbeten. » (Er spricht von Drangsalen )

Es kommt nicht nur auf die Qualität des Bewußtseins eines Menschen an, sondern auch auf die Qualität seines Alltagslebens, nicht nur auf die seltenen mystischen Ekstasen, zu denen sich sein Erleben aufschwingt, sondern auch auf sein Verhältnis zur Welt der Gegenwart und seine Einstellung zu ihr. Es reicht nicht aus, ein Mystiker zu sein: Man kann die breite Straße nicht umgehen, auf der alle Menschen dahinziehen müssen. Kurz gesagt, kann man in der Welt sein, aber nicht von ihr? Kann man das Gewöhnliche, das Gebräuchliche heiligen; jene Tätigkeiten, dieses Geschäft, gar jene Arbeit für den Lebensunterhalt; die Kontakte mit Familie, Freunden, Kritikern und Feinden? Schließlich ist man doch ein Mensch mit persönlichen Problemen; man kann nicht vierundzwanzig Stunden am Tag ausschließlich in abstrakten Ideen leben oder in religiöser Zurückgezogenheit: Man hat einen Körper aus Fleisch und Blut, eine wichtige Pflicht oder Verantwortung, der man in der Welt draußen nachkommen muß.

Was einem Menschen widerfährt, ist wichtig, aber nicht so wichtig wie das, was er daraus macht.

In gewissen Punkten stand ich den Sadhus in Indien kritisch gegenüber - in welchen, tut hier nichts zur Sache. Die Differenzen wurden damals von einigen indischen Zeitungen ziemlich sensationell und mit viel Begriffsstutzigkeit, ja Böswilligkeit aufgebauscht. Aber ich bewunderte sie auch in anderen Punkten, die ich heute zum Teil bei den jungen Aussteigern antreffe, die eine religiöse Einstellung haben. Sie rebellieren gegen eine materialistische Gesellschaft und verweigern sich ihr. Sie erinnern uns daran, daß Jesus auch ein Aussteiger war. Sie versuchen, durch Arbeit an sich selbst zu leben, gehen einander kooperativ und nicht konkurrenzhaft zur Hand, ohne Ehrgeiz, ohne Versicherungsschutz, mit wenigen Habseligkeiten - durch Ehrlichkeit und nicht durch äußeren Schein. 


Wir leben in einer Zeit, in der falsche Aussagen als wahre durchgehen, in der täuschende Werte als echte Werte angesehen werden. Es ist eine Zeit, in der die Verbreitung des Wissens mehr und mehr in die Hände von Menschen gelangt, die selbst zu jung sind, um die Jungen weise unterweisen zu können, die zu unausgeglichen sind, um zur Charakterbildung der Jungen beitragen zu können, die zu theoretisch ausgerichtet sind, um ihren Schülern wirklich praktisch hilfreiche Hinweise geben zu können.

15. DER ORIENT
Der Kontrast zwischen geschwätzigen Amerikanern der Städte und schweigenden Arabern der Wüste ist unvergeßlich. Die Beduinen können in einer Gruppe sitzen und stundenlang nichts sagen. Der Friede der Wüste ist in einem solchen Maße in sie eingezogen, daß die gesellschaftliche Verpflichtung zur Kehlkopfbetätigung unter ihnen unbekannt ist und als überflüssig gilt.

Der Unterschied zwischen den zwei größten und ältesten asiatischen Völkern ist der: Die Mystiker Indiens suchten stets nach einem idealisierten Menschen als Meister. Wenn sie ihn gefunden hatten, wurde er zum leibhaftigen Gott erklärt; alles, was er sagte oder tat, alles an ihm galt als vollkommen. Folglich verfielen sie in Selbsttäuschung und stellten in ihrer Maßlosigkeit ein ungesundes Verhältnis zu ihm her. Die Mystiker Chinas waren keine solchen Träumer. Sie erstrebten keine unmögliche menschliche Vollkommenheit; sie erkannten die notwendigen Beschränkungen und unvermeidlichen Fehler des Menschen.

Der Vedanta-Anhänger braucht den Buddhismus, um seine Weltanschauung zu vervollständigen und ins Lot zu bringen; der Buddhist braucht den Vedanta zu demselben Zweck. Andernfalls besteht bei jedem eine gewisse Einseitigkeit. Eine Erweiterung wird ihren Ansichten zugute kommen und die Menschen bessern.

19. SEINS- UND BEWUSSTSElNSZUSTÄNDE

Mit dieser Relativität aller Dinge ist es für den sie Erkennenden so bestellt, daß die Welt, die wir erfahren, unsere geistige Welt ist und wir sie deswegen niemals so sehen, wie sie wirklich an sich ist oder wie ein Wesen von außerhalb sie beobachten würde. Infolgedessen sehen wir die Welt - unbewußt - niemals anders als mit dem Selbst vermischt. Das Ich plus etwas anderes als das Ich stecken unser Bewußtseinsfeld ab. Wir erkennen die Welt niemals an sich, sondern nur in einem Zustand der Wechselwirkung mit dem Selbst. Wir erkennen das Selbst niemals an sich, sondern nur in einem Zustand der Wechselwirkung mit der Welt. So ist es um die tatsächlichen und zwingenden Bedingungen der sogenannten Erfahrung der Welt und unserer sogenannten Erfahrung des Selbst bestellt.

Indem der westliche Mensch in seiner Unwissenheit das Wachbewußtsein zur alleinigen Schiedsinstanz über seine Erkenntnis erhebt, begrenzt er diese Erkenntnis unnötig. Und indem er andere Bewußtseinsformen als bloße Nachahmungen oder Verirrungen des Wachbewußtseins auffaßt oder ihnen überhaupt die Existenz abspricht, schließt er sich selbst von der höchsten Einsicht und der höchsten ihm offenstehenden Glückseligkeit aus. Sofern er den Traum- und den Tiefschlafzustand nicht auch in seinen Gesichtskreis mit hineinnimmt, wird er weiterhin vom Unwirklichen getäuscht werden und den Schatten fälschlich für das Ding halten.

Der Raum, in dem der Vorgang des Denkens stattfindet, ist die Zeit. Er könnte ohne die Dimension der Zeit nicht sein. Wird das Denken womöglich einmal transzendiert, dann die Zeit mit ihm. Ein Geist, der dies erreicht, wird dadurch in die reine Gegenwart, das ewige Jetzt, «die Gegenwart Gottes» aller Mystiker geworfen.

21. DER MENTALISMUS
Jedes Wissen um etwas ist ganz einfach der Gedanke darüber. Dies darf nicht mit dem richtigen Gedanken darüber verwechselt werden. Es ist ein bewußter geistiger Zustand, und selbst andere Personen sind nur Erscheinungen in diesem Zustand, Geschöpfe im kosmischen Traum. Um diese Überlegung bis zu ihrem notwendigen Ende zu verfolgen, braucht man im höchsten Maße Mut und Aufrichtigkeit, denn sie verlangt als letzte Schlußfolgerung daraus, daß Erkenntnis nur aus Ideen im Geist besteht, den Grundsatz, daß das ganze Universum nichts als eine gewaltige Idee im eigenen Geist ist. So nämlich ist die Erkenntnis ihrer wahren Natur nach innerlich, und daher kann der individuelle Geist keine ihm äußerliche Wirklichkeit erkennen. Er meint, eine Welt außen zu betrachten, wenn er doch nur seine eigenen geistigen Bilder dieser Welt betrachtet.

Gibt es einen exakten universellen Maßstab der Wahrheit, der zu jeder Zeit und unter allen Umständen anwendbar ist, kurz, etwas Unwandelbares und damit Allerhabenes? Die Wissenschaftler wissen, daß die großen Prinzipien, die in der Geschichte der Wissenschaft Marksteine bildeten, in Wirklichkeit Stufen auf dem Weg zur exakten Wahrheit waren. Die Wissenschaft wandelt sich, ihre Lehren wandeln sich, und ihre früheren Näherungen werden von Zeit zu Zeit durch genauere Standortbestimmungen ersetzt. Wir können heutzutage, da die Wissenschaft selbst eine so rasche Gangart einschlägt, nicht hoffen, eine letztgültige Wahrheit zu finden. Es bleibt jedoch eine unerschütterliche, allumfassende Tatsache bestehen, die immer wahr bleiben wird und sich unmöglich je ändern kann. Ja, jeder experimentelle und theoretische Fortschritt durch forschende Wissenschaftler wird nur dazu beitragen, diese große Entdeckung zu bewahrheiten. Worin besteht sie? Darin, daß die ganze Welt, mit deren Untersuchung jeder Zweig der Wissenschaft emsig beschäftigt ist, nichts als eine Idee im menschlichen Geist ist. Physik, Chemie, Geologie, Astronomie, Biologie und all die anderen Wissenschaften ohne jede Ausnahme haben es letzten Endes ausschließlich mit einem das menschliche Bewußtsein durchziehenden Gedanken bzw. einer Reihe von Gedanken zu tun. Hier also besitzen wir ein Universalgesetz, das das gesamte Feld, auf dem die Wissenschaft tätig ist, umfaßt. Dies ist eine letztgültige Wahrheit, die unsterblich ist und noch dann bestehen wird, wenn jede andere von der Wissenschaft aufgestellte Hypothese durch den Fortschritt der Erkenntnis zu Grabe getragen wurde.

Der individuelle Geist malt sich das Welt-Bild durch sein eigenes Bewußtsein und in diesem aus. Wenn das die ganze Wahrheit wäre, könnte man die Erfahrung durchaus zu Recht eine private nennen. Weil aber der individuelle Geist im universellen Geist verwurzelt und von ihm untrennbar ist, ist es nur ein Teil der Wahrheit. Der Weltgedanke des Menschen ist im Gedanken Gottes enthalten und davon umschlossen.

Die geistigen Bilder, die das Universum unserer Erfahrung ausmachen, wiederholen sich in einer einzigen Minute unzählige Male. Nur deshalb erwecken sie den Eindruck der Kontinuität und Dauerhaftigkeit und Stabilität, genau wie ein Film. Wenn wir sie auslöschen und dabei doch unser Bewußtsein unabgeschwächt bewahren könnten, würden wir zum ersten Mal ihren Ursprung erkennen, die Wirklichkeit hinter ihren Erscheinungen. Das heißt, wir würden den Geist an sich erkennen. Eine solche Auslöschung wird durch Yoga erreicht. Hierin also liegt die Wichtigkeit der Verbindung zwischen Mentalismus und Mystik.

22. INSPIRATION UND DAS ÜBERSELBST
Selbst die Arbeit im Büro, in der Fabrik oder auf dem Feld hält einen Menschen nicht davon ab, seine Suche nach dem inneren Geist fortzusetzen. Die Vorstellung, diese Suche verlange Entrücktheit von der gemeinen Alltagswelt, wird von der Philosophie nicht geteilt. Zerstreutheit und Arbeit sind nicht so unlösbar verknüpft, wie wir vielleicht meinen. Der Schüler kann sich dazu erziehen, selbst bei angestrengter Tätigkeit eine ruhige und gelassene Haltung zu bewahren, wie er sich denn auch die neuesten Erfindungen wissenschaftlicher Technik zunutze macht und doch die geistige Fähigkeit behält, in den ältesten Büchern der asiatischen Weisen zu schmökern. Er kann sich dazu schulen, von der Meditation ins Getriebe zurückzukehren, überall hinzugehen, alles zu tun, wenn er Wahrheit im Geiste und Gelassenheit im Herzen trägt. Er kann lernen, zu allen Zeiten in der Wirklichkeit zu leben. Das Gefühl ihrer Gegenwart bedarf keiner ständigen Erneuerung, keines häufigen Hinübergleitens in die Trance, keiner zwischenzeitigen Flucht aus der Welt, wenn er dem dreifältigen Pfad der Philosophie folgt.

Ja, es ist wunderbar, dieses Gefühl, das mit einem Aufleuchten des höheren Selbst einhergeht; aber wenn es zudem mit einem Erkennen verbunden ist, einem eindeutigen Erfassen, das keiner Diskussion, Auslegung, Ausgestaltung oder Beurteilung mehr bedarf, verleiht es dem philosophischen Sucher eine Gewißheit, die wie eine Segnung ist.

Das Aufleuchten muß nicht unbedingt während der Meditation kommen, wenn auch die in der Meditation geleistete Arbeit sein Eintreten herbeiführen hilft. Es kann jederzeit kommen.

Der plötzliche, aber sanfte Zug weg von der äußeren Aktivität und hin zur inneren, das tatsächlich in der Mitte des Brustbereichs empfundene «Dahinschmelzen des Herzens», wie orientalische Mystiker es nennen, kann sich gelegentlich spürbar machen bzw. bei einem fortgeschrittenen oder auf Regelmäßigkeit bedachten Meditierenden auch jeden Tag. Im letzten Fall wird es für gewöhnlich jedesmal ungefähr zur gleichen Zeit auftreten. Dies ist ein Ruf, dem man mit aller gebührenden Ehrfurcht begegnen sollte. Aber bevor er geehrt werden kann, muß er erkannt werden. Seine Erkennungszeichen können Büchern entnommen, aus der Erfahrung gelernt, aus den Berichten anderer Menschen geschlossen oder von einem persönlichen Lehrer empfangen werden. Wenn der Ruf ergeht, sollte man das Signal beachten, alles stehen- und liegenlassen und dem unausgesprochenen Befehl gehorchen, sich nach innen zu kehren, Andacht zu üben oder sich in Meditation zu begeben.

In solchen unvergeßlichen Augenblicken spricht die Seele klar, wenn auch leise zu einem. Vielleicht erzählt sie einem von seiner wahren Beziehung zum Universum und zu seinen Mitgeschöpfen. Ganz gewiß erzählt sie einem etwas über sich selbst. Sie kann einen von seinem Körper trennen und aus der Höhe darauf herab schauen lassen, bis man begreift, daß das Fleisch durchaus der armseligste und unbedeutendste Teil von einem ist. Und, was vielleicht das Beste ist, sie wird einen mit der Zuversicht erfüllen, daß sie nach seiner Rückkehr in die Welt einsamen Ringens und raschen Vergessens neben und in einem bleiben wird.

Es ist ein Zustand der äußersten Zärtlichkeit, der aus einem inneren Zentrum aufwallenden und in alle Richtungen ausstrahlenden Liebe. Wenn andere Menschen oder auch Tiere in dieser Zeit mit einem in Berührung kommen, werden sie zu Empfängern dieser ausnahmslosen Liebe. Denn dann kennt man keine Feinde, lehnt niemanden ab und bringt es nicht fertig, irgend jemanden abstoßend zu finden.

Es ist wichtig, daran zu denken, daß man in den meisten Fällen nur selten mit solchen Erfahrungen rechnen kann, vielleicht im Leben ein- oder zweimal, wenn der Betreffende nicht bewußt auf der Suche ist. Die Hoffnung, sie möchte sich wiederholen, ist natürlich. Das erste Aufleuchten findet statt, um den Weg zu weisen, um Licht auf den vor einem liegenden Pfad zu werfen, um dem Betreffenden die Richtung und das Ziel zu zeigen. Doch ist auch das Aufleuchten nur vorübergehend und selten, das daraus zu schöpfende metaphysische Verständnis ist der bleibende Gewinn. Trachte also danach, Verständnis zu erlangen und es zu klären.

Während die griechisch-orthodoxe Kirche die Lichterfahrung für das Höchste hält, was dem Menschen erreichbar ist, hält die indische philosophische Lehre sie für die vorletzte Stufe. Denn alles «Gesehene» impliziert das Vorhandensein eines davon getrennten «Sehenden». Im Falle des heiligen Lichtes gilt dies nicht minder. Nicht Sehen, sondern Sein ist dieser Lehre zufolge die letzte Erfahrung. «Du mußt über das Sehen hinausgehen und herausfinden, wer das Ich ist, das dieses Licht erfährt», sagte Ramana Maharshi zu einem Schüler.

25. DER WELTGEIST IM INDIVIDUELLEN GEIST
.Die Seele im Menschen, das Überselbst, ist verbunden mit oder verwurzelt in der Seele im Universum, dem Weltgeist.  
..Es besteht ein gewisser Unterschied zwischen der eigenen höheren Individualität und dem universellen Unendlichen, von dem sie ausgestrahlt wird - die Anhänger des Vedanta mögen sagen, was sie wollen. Und dieser Unterschied bleibt auch im höchsten mystischen Zustand erhalten, der nicht durch totale Einverleibung und gänzliche Vernichtung dieser Individualität gekennzeichnet ist, sondern durch das Aufgehen des eigenen Willens im universellen Willen, die engste Innigkeit des eigenen Seins mit dem universellen Sein.
Die Philosophie weist entschieden all jene vedantischen pantheistischen Vorstellungen und abendländischen mystischen Torheiten zurück, die den Menschen vergotten und ihn mit Gott gleichsetzen wollen. Sie erklärt, daß die Sätze, in denen diese Auffassungen Gestalt gewonnen haben, etwa das indische «Das bist du», das persische «Ich bin Gott» und die mittelalterliche europäische «Vereinigung mit Gott», Übertreibungen der Wahrheit sind, die so aussieht: Gott ist uns innig, durch Erkenntnis unseres höheren Selbst werden wir gottgleicher, aber niemals hört Gott auf, der Unerreichbare, der Unfaßbare zu bleiben.

Kein Sterblicher kann das Geheimnis des höchsten Geistes in seiner eigenen Natur durchdringen, das heißt in seinem statischen, inaktiven Sein. Die Gottheit ist nicht nur über das menschliche Vorstellungsvermögen erhaben, sondern auch über die mystische Schau. Aber der Geist in seinem aktiven, dynamischen Zustand als Weltgeist (und gar sein Strahl in uns namens Überselbst) liegt durchaus im menschlichen Wahrnehmungsbereich und läßt auch eine Gemeinschaft und sogar eine Vereinigung zu. Er ist es, den der Mystiker wirklich findet, wenn er glaubt, Gott gefunden zu haben.

Metaphysisch gesehen, gibt es nichts dergleichen wie eine menschliche Erscheinung Gottes, wie ein Herniedersinken des unendlichen Geistes ins endliche Fleisch. Dieser Irrglaube wird von den Bahais in ihrer Manifestationslehre, von den Christen in ihrer Menschwerdungslehre und von den Hindus in ihrer Avatarlehre als eine heilige Wahrheit verbreitet. Gott kann nicht im Fleisch geboren werden, kann nicht menschliche Gestalt annehmen. Wenn Er sich so begrenzen könnte, wäre Er nicht mehr Gott. Denn wie könnte der Vollkommene, der Unfaßbare und der Unvorstellbare unvollkommen, faßbar und vorstellbar werden?

Samstag, 21. September 2019

Krishna Das ♥ Sundhara (Hanuman) Chalisa


Hanuman* Chalisa ist ein Gedicht in Hindu, das vor allem Hanuman preist. Es handelt sich hierbei um einen religiösen Gesang. Wörtlich übersetzt heißt es: “die vierzig Lobverse auf Hanuman”. Es ist nach der Ramacharitamanasa das berühmteste Stück von Tulsidas. Die Grundidee zu der Hanuman Chalisa stammt aus dem 16. Jahrhundert.

Shree Guru charana saroja raja nija manu mukuru sudhaari
Nimm den Staub von den Lotusfüßen meines Gurus, um den Spiegel meines Herzens zu polieren

Baranaun Raghubara bimala jasu jo daayaku phala chaari
Ich singe den reinen Ruhm des Besten von Raghus, der die vier Früchte des Lebens schenkt.

Buddhi heena tanu jaanike sumiraun pawana kumara (Siya Ram)
Ich weiß nichts, also erinnere ich mich an dich, Sohn des Windes

Bala budhi vidyaa dehu mohin harahu kalesa bikaara
Gib mir Kraft, Intelligenz und Weisheit und entferne meine Unreinheiten und Sorgen

Seeyavara Ramchandra pada jai sharanam
Zuflucht zu Füßen von Sitas Lord Ram

1 Jaya Hanumaan gyaana guna saagara, Jaya Kapeesa tihun loka ujaagara
Sei gegrüßt, Hanuman, Ozean der Weisheit. Sei gegrüßt, Monkey Lord! Sie beleuchten die drei Welten.

2 Raama doota atulita bala dhaamaa, Anjani putra Pawanasuta naamaa
Du bist Ram's Bote, der Wohnsitz der unübertroffenen Macht Anjanis Sohn, "Sohn des Windes".

3 Mahaabeera bikrama bajarangee, Kumati niwaara sumati ke sangee
Großer Held, du bist ein mächtiger Blitz, Entferner böser Gedanken und Gefährte des Guten.

4 Kanchana barana biraaja subesaa, Kaanana kundala kunchita kesa
Goldfarben und prächtig geschmückt / mit schweren Ohrringen und lockigen Locken

5 Haata bajra au dwajaa biraajai, Kaandhe moonja janeu saajai
In deinen Händen leuchten Streitkolben und ein Banner, ein heiliger Faden ziert deine Schulter.

6 Shankara suwana Kesaree nandana, Teja prataapa mahaa jaga bandana
Du bist eine Inkarnation von Shiva und Kesaris Sohn, Deine Herrlichkeit wird auf der ganzen Welt verehrt.

7 Vidyaawaana gunee ati chaatura, Raama kaaja karibe ko aatura
Sie sind die weisesten der weisen, tugendhaften und sehr klugen, die jemals bestrebt sind, Rams Arbeit zu tun

8 Prabhu charitra sunibe ko rasiyaa, Raama Lakhana Seetaa mana basiyaa
Sie freuen sich, von den Taten des Herrn zu hören, die Ram, Lakshman und Sita in Ihrem Herzen leben.

9 Sookshma roopa dhari Siyahin dikhaawaa, Bikata roopa dhari Lankaa jaraawaa
Angenommen, eine winzige Form, in der Sie Sita erschienen sind, haben Sie Lanka verbrannt.

10 Bheema roopa dhari asura sanghaare, Raamachandra ke kaaja sanvaare
Sie haben eine schreckliche Form angenommen und die Dämonen geschlachtet, um Lord Rams Arbeit zu vervollständigen.

11 Laaya sajeevana Lakhana jiyaaye, Shree Raghubeera harashi ura laaye
Indem du das magische Kraut gebracht hast, das du wiederbelebt hast, hat dich Lakshman Shri Ram entzückt umarmt.

12 Raghupati keenhee bahuta baraaee, tuma mama priya Bharatahi sama bhaaee
Der Herr der Raghus hat dich sehr gelobt. Du bist mir so teuer wie mein Bruder Bharat


13 Sahasa badana tumharo jasa gaawain, asa kahi Shreepati kanta lagaawain
Tausende von Mündern werden Ihren Ruhm singen! Wenn du also sagst, Lakshmis Lord hat dich zu sich gezogen.

14 Sanakaadika Brahmaadi muneesaa, Naarada Saarada sahita Aheesaa
Sanak und die Weisen, Brahma und die Munis Narada, Saraswati und der König der Schlangen

15 Yama Kubera digapaala jahaante, kabi kobida kahi sake kahaante
Yama, Kubera, die Wächter der vier Dichter und Gelehrten - niemand kann Ihren Ruhm ausdrücken.

16 Tuma upakaara Sugreevahin keenhaa, Raama milaaya raaja pada deenhaa
Sie haben Sugriva großen Dienst erwiesen, als Sie ihn zu Ram brachten. Sie haben ihm das Königtum gegeben.

17 Tumharo mantra Vibheeshana maanaa, Lankeshwara bhaye saba jaga jaanaa
Vibhishana hat Ihren Rat befolgt. Er wurde der Herr von Lanka, wie die ganze Welt weiß.

18 Yuga sahasra yojana para bhaanu, leelyo taahi madhura phala jaanu
Obwohl die Sonne Millionen von Kilometern entfernt ist, haben Sie sie geschluckt und gedacht, sie sei eine süße Frucht.

19 Prabhu mudrikaa meli mukha maaheen, jaladhi laanghi gaye acharaja naaheen
Es ist keine Überraschung, dass Sie mit dem Ring des Herrn im Mund über den Ozean gesprungen sind.

20 Durgama kaaja jagata ke jete, sugama anugraha tumhare tete
Jede schwierige Aufgabe in dieser Welt wird durch Ihre Gnade leicht.

21 Raama duaare tuma rakhawaare, hota na aagyaa binu paisaare
Sie sind der Wächter an Rams Tür, den niemand ohne Ihre Erlaubnis betritt.

22 Saba sukha lahai tumhaaree sharanaa, tuma rakshaka kaahu ko dara naa
Diejenigen, die Zuflucht bei Ihnen suchen, finden alles Glück, die Sie beschützen, kennen keine Angst.


23 Aapana teja samhaaro aapai, teenon loka haanka ten kaanpai
Du allein kannst deiner eigenen Pracht widerstehen, die drei Welten zittern vor deinem Gebrüll.

24 Bhoota pisaacha nikata nahin aawai, Mahaabeera jaba naama sunaawai
Geister und Goblins können sich dem Großen Helden nicht nähern, wenn dein Name ausgesprochen wird.

25 Naasai roga hare saba peeraa, japata nirantara Hanumata beeraa
Alle Krankheiten und Schmerzen werden ausgerottet, indem Sie ständig Ihren Namen wiederholen, mutiger Hanuman.

26 Sankata ten Hanumaana churaawai, mana krama bachana dhyaana jo laawai
Hanuman, du befreist alle, die dich in Gedanken und Taten in Erinnerung behalten, vom Elend.

27 Saba para Raama tapaswee raajaa, tina ke kaaja sakala tuma saajaa
Ram, der asketische König, regiert über alle, aber Sie erledigen alle seine Arbeit.

28 Aura manorata jo koee laawai, soee amita jeewana phala paawai
Einer, der mit einer Sehnsucht zu dir kommt, erhält die Fülle der vier Früchte des Lebens.

29 Chaaron juga parataapa tumhaaraa, hai parasidha jagata ujiyaaraa
Ihre Pracht erfüllt die vier Zeitalter, in denen Ihr Ruhm auf der ganzen Welt bekannt ist.

30 Saadhu santa ke tuma rakhawaare, asura nikandana Raama dulaare
Du bist der Hüter der Heiligen und der Weise der Zerstörer der Dämonen und der Liebling von Ram.

31 Ashta siddhi nau nidhi ke daataa, asa bara deena Jaanakee Maataa
Sie gewähren die acht Mächte und neun Schätze durch den Segen, den Sie von Mutter Janaki erhalten haben.

32 Raama rasaayana tumhare paasaa, sadaa raho Raghupati ke daasaa
Du hältst das Elixier von Rams Namen und bleibst für immer sein Diener.

33 Tumhare bhajana Raama ko paawai, janama janama ke dukha bisaraawai
Wenn man sein Lob singt, findet man Ram und die Sorgen von unzähligen Leben sind zerstört.

34 Anta kaala Raghubara pura jaaee, jahaan janama Hari bhakta kahaaee
Nach dem Tod geht man zu Ram's eigener Unterkunft, der dort als Gottgeweihter geboren wurde.

35 Aura devataa chitta na dharaee, Hanumata se-ee sarva sukha karaee
Warum betest du andere Gottheiten von Hanuman an? Du wirst alles Glück haben.

36 Sankata katai mite saba peeraa, jo sumire Hanumata bala beeraa
Jegliches Leid hört auf und alle Schmerzen werden für diejenigen beseitigt, die sich an den mächtigen Helden Hanuman erinnern.

37 Jai jai jai Hanumaana Gosaaee, kripaa karahu gurudeva kee naaee
Sieg, Sieg, Sieg Lord Hanuman schenke mir deine Gnade als mein Guru!

38 Jo sata baara paata kara koee, chootahi bandi mahaa sukha hoee
Wer dies hundertmal rezitiert, wird aus der Knechtschaft entlassen und gewinnt Glückseligkeit.

39 Jo yaha parai Hanumaana chaaleesaa, hoya siddhi saakhee Gaureesaa
Wer diesen Hanuman Chalisa liest, gewinnt Erfolg, da Gauris Lord (Shiva) Zeuge ist.

40. Tulasee Daasa sadaa Hari cheraa Keejai naata hridaya mahan deraa
Sagte Tulsi Das, der immer Haris Diener bleibt, sagt: "Herr, mach dein Zuhause in meinem Herzen."

Shree Raam Jai Raam Jai Jai Raam 
Seetaraam Seetaraam Seetaraam Jai Seetaraam 
Seetaraam Seetaraam Jai Jai Seetaraam  

Raama Lakshmaan Jaanaki Jai Bolo Hanumaana ki

*Hanuman ist einer der in Indien populärsten Aspekte Gottes. Hanuman, Sohn des Windes, wird auch als Affengott bezeichnet. Er gilt als eine Inkarnation von Shiva. Er ist ein großer Verehrer von Rama und Sita, Inkarnationen von Vishnu und Lakshmi. Er symbolisiert Dasya Bhava, die Liebe des Gottesverehrers, des Gottesdieners zu Gott als seinen Meister. Als Affe steht Hanuman dafür, dass jeder zu Gott kommen kann. Als Sohn des Windes ist er der Schutzherr von Pranayama. Hanuman symbolisiert auch den menschlichen Geist, der durch tiefe Hingabe (Bhakti) in höherere Bewusstseinsebenen geführt werden kann. Hanuman konnte sich sehr klein und sehr groß machen: Ein Bhakta, ein Gottesverehrer, kann sehr demütig sein. Er ist aber auch bereit, Verantwortung zu übernehmen. Im Dienst an Gott wächst er über sich hinaus. Glaube kann Berge versetzen: Hanuman konnte durch große Hingabe an Rama (Inkarnation Gottes) über die Meerenge zwischen Indien und Sri Lanka springen. Es gelang ihm, einen Berg mit Heilkräutern vom Himalaya nach Ceylon zutransportieren...

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