Jiddu Krishnamurti

Jiddu Krishnamurti
Wir werden sehen wie wichtig es ist die radikale Revolution in den Köpfen der Menschen zu verursachen. Die Krise ist eine Krise des Bewusstseins. Ein Krise, die nicht mehr die alten Normen akzeptieren kann, die alten Muster, die uralten Traditionen. Wenn man in Betracht zieht, was die Welt jetzt ist, mit all dem Elend, den Konflikten, der zerstörerischen Brutalität, Aggressionen usw. Der Mensch ist immer noch wie er war. Er ist immer noch brutal, zerstörerisch, aggressiv, habgierig, wetteifernd. Er hat eine Gesellschaft darauf aufgebaut.

Mittwoch, 6. Mai 2020

Jed McKenna „Verflixte Erleuchtung“ || Namasté Julie (on fire) || Offenbarungserlebnis

Namasté Julie
Die offensten und ehrlichsten Worte, die ich je gelesen habe. Unglaublich dein Verstand!
Dank für deine abgefahrene Analyse.
Ja, psychologisch eine kritische Situation/ Momente – du kannst den Verstand verlieren um alles zu gewinnen – doch wer will das schon?!

Vieeeeel Freue hiermit

"Wir alle treiben in einem grenzenlosen Meer dahin, und wir meistern diese Situation, indem wir uns in Gruppen zusammenscharen und einvernehmlich so tun, als wäre unsere Lage völlig anders, als sie es tatsächlich ist. Wir bestärken einer den andren in seinen Illusionen. Das ist die wahre Bedeutung von Gesellschaft: eine kleine Schar Menschen, sie sich zusammenkauern, um der dräuenden Gefahr einer pechschwarzen See zu trotzen. Alle treten sie Wasser, damit ihr Kopf über der Oberfläche bleibt, obwohl sie gar keinen Grund zur Annahme haben, das Leben, an das sie sich klammern, müsse besser sein als die Alternative, der sie derart angestrengt aus dem Wege gehen. Nur, das eine kennen sie und das andere nicht. Die Furcht vor dem Unbekannten ist es, die sie alle dazu treibt, eifrig Wasser zu treten. Jedwede Furcht ist die Furcht vor dem Unbekannten. Wenn einer in einer solchen Gruppe von Wassertretern die Gruppenlüge aufdeckt, indem er die wahre Situation beim Namen nennt, wird er als Ketzer bezeichnet, und für Ketzer sind in jeder Gesellschaft die allerscheußlichsten Strafen vorgesehen. Wenn jemand beschließt, sich nicht mehr abzustempeln, sondern sich einfach sinken oder davontreiben zu lassen, werden alle Hebel in Bewegung gesetzt, um ihn daran zu hindern, und dies geschieht nicht etwa zu seinem eigenen Wohl, sondern zum Wohl der Gruppe. Die Erkenntnis der wahren Lage, in der sie sich befindet, soll um jeden Preis geleugnet werden.“
„Bringt die Liegestühle zurück aufs Deck der Titanic,“ beginnt Julie zu singen.
Ich lache. „Ja, aber es ist nicht allein der Tod, der die Leute so aufbringt. Um mit dem Tod klarzukommen, kann sich schließlich jeder sein eigenes Szenario erschaffen. Was aber befindet sich jenseits dieses Szenarios? Ein weiteres Szenario? Und noch eins? Irgendwann gehen einem die Szenarien aus.
Julie lacht und nickt.
„Die Situation besteht in Wahrheit darin, dass es letzten Endes nichts gibt. Unendlichkeit. Ewigkeit. Das große Vakuum. Der Abgrund. Letztlich hat jeder Wassertreter sich mit der Tatsache abzufinden, dass es nur ihn gibt, den unendlichen Ozean und sonst nichts.“
„Und das alles andere eine Lüge ist.“
„Grundsätzlich ja. Der Körper ist nur ein Leihwagen, und dieser Planet ist nichts als eine Absteige. Keiner ist hier zu Hause, obwohl manche es als dauerhafte Bleibe betrachten – als wäre es das Schlimmste, was man tun kann, sich wieder aufzuraffen und weiterzugehen. Wie absurd das ist, und trotzdem, wie unglaublich wichtig für die gesamte Erfahrung. Betrachte die Dinge in diesem Licht, und dir werden all die zahllosen Methoden auffallen, mit deren Hilfe die Gesellschaft das externalisierte Selbst unterstützt und die bloße Erwähnung eines Nach-innen-gewandt-Sein verspottet, abwehrt und bekämpft. Alan Watts nannte es die Tabuisierung der Selbsterkenntnis. Um mit seinem falschen Selbst abzuschließen, müsste man abschließen mit....“
„....allem“, sagte Julie. „Mit der Familie, den Freunden....“ Ihre Stimme bebt, als sie sich die Konsequenzen vergegenwärtigt. „Alles. Alles, was du bist … alles, was du weißt ... alles ... Wahrhaftig alles.“
Ich beschließe, diese Aussage um einige Grade abzumildern.
„Der Hauptpunkt ist eben, dass ich als Erleuchteter über eine unmittelbare und dauerhafte Erkenntnis des Selbst verfüge. Und du, als Unerleuchtete, eben nicht. Dafür hast du dir eine Identität aufgebaut, mit der du dich … äh … na ja, identifizieren kannst, eben. Du denkst von Dir als Dir selbst.
Aber in der tiefsten Dunkelheit der Nacht, im Inneren deines Herzens, weißt du, dass das alles nur Fassade ist, und du bejammerst all das Falsche, das dir anhaftet, und sehnst dich nach Wahrheit oder Substanz, nach einer Grundlage oder-was-auch-immer....“
„Bejammern passt“, sagte Julie.

„Ja, und es nimmt jeden noch so kleinen Hauch unserer Energie in Anspruch, immerzu auf hoher See zu treiben, in der Gruppe zu sein. Das leuchtet mir ein. Alles, was wir im Grund machen, ist, so zu tun als ob. Alles, was ich je getan habe... mein ganzes Leben lang...“
 
Ich beschließe, Ihr etwas Spezifisches zur Betrachtung anzubieten. „Vom Tao heißt es, der Weise betrachtet die Menschen als Strohhunde, und das bedeutet so viel wie – lauter Äußerlichkeiten, nichts Inneres. Inhaltsleere Kostüme, die wie Zombies eine Bühne bevölkern. Alles nur Schein, nirgendwo Sein. Ja, die Unerleuchteten kommen den Erleuchteten wie Zombies vor – wie fiktive Gestalten, die von geheimnisvollen Kräften am Leben erfüllt werden.“
 
Julie ist still und leise. Ihre Augen sind weit offen, sie blinzelt nicht und starrt irgendwo ins Nichts. Wenn sie spricht, klingt es wie aus weiter Ferne, so als würde sie nur laut denken.
„Weißt du, ich habe eine Menge nachgeforscht, seit wir mit diesem Interview begonnen haben. In Buchläden, in der Bibliothek, in Magazinen, im Internet. Ich bin sogar noch mal in den Laden gegangen und hab mit eine Ausgabe dieser Erleuchtungs-Zeitschrift gekauft, die du dir angesehen hast.“
„Das höre ich aber ungern“, sagte ich.
„Warum?“, schreit sie beinah und ist jetzt ganz bei der Sache, die Arme fest verschränkt, sich selbst zusammenhaltend. Ihre Worte gelten jetzt ohne Umschweife mit. „Weil das ganze Zeug nichts mit dem zu tun hat, worüber du sprichst, stimmts? Sie sprechen zwar von Erleuchtung, aber es ist etwas völlig anderes, stimmts?
Sie springt auf und beginnt herumzulaufen. Sie verarbeitet, entwirrt, gerät AUSSER KONTROLLE. Es macht Spass, ihr dabei zuzusehen. Ein KONTROLLIERTER ZUSAMMENBRUCH, vielleicht auch nicht so kontrolliert, das wird sich zeigen. Natürlich, dass ist es, war mir bei Ihr aufgefallen ist, diese chaotische Energie, die sie in Schach zu halten versucht.
 
„Mein Gott, als die mich nach Iowa schickten, um eine Story über einen spirituellen Meister zu schreiben, hielt ich das für eine etwas elegantere Art, mir mitzuteilen, dass ich gefeuert bin. Iowa, um Himmels willen!“ Sie bleibt stehen und sieht mich an, um zu prüfen ob ich mir der Abwegigkeit eines solchen Unterfangens auch bewusst bin. Dann läuft sie wieder auf und ab.
„Darüber habe ich eine Menge nachgedacht. Ich habe mir in letzter Zeit nicht viel Schlaf gegönnt“, lacht sie, ohne dabei wirklich fröhlich zu sein. „Das macht mich ganz konfus. Ich meine, ich verstehe mich ja als einen Mensch, der sich auf dem spirituellem Pfad befindet. Ich meine, ich bin ein spiritueller Mensch. Ich beschäftige mich mit diesem ganzen spirituellen Zeug. Ich mache Yoga, meditiere, ich bin Vegetarierin und ich bin mitfühlend. Wenn ich im Haus drin eine Spinne sehe, trage ich sie raus, anstatt sie zu erschlagen. Ich lese alle möglichen Bücher, besuche alle möglichen Kurse. An meiner Wand hängen Heiligenbilder und Mandalas, und ich überweise regelmäßig Geld, um einem kleinen Mädchen in Paraguay zu helfen, vielleicht auch Uruguay, obwohl ich, wenn du die Wahrheit wissen willst, mir gar nicht so sicher bin, ob es diese kleine Mädchen dort überhaupt gibt, und wenn ich über diese ganzen Sachen wirklich nachdenke, glaube ich, dass ich das alles nur tue, weil ich ein guter Mensch sein will, ein spirituell, liebender, offener und mitfühlender Mensch, aber andererseits auch, weil ich mich auf dem Pfad befinde und ich stets davon ausgegangen bin, dass dieser Pfad zur Erleuchtung führt, zur Befreiung aus der Sklaverei und überhaupt... und... und...“
„Hol mal Luft.“
Sie holt Luft.
 
„Nichts als Mist, nicht wahr?“ Wieder bleibt sie stehen und denkt ein paar Sekunden darüber nach, bevor sie fortfährt. „Also bin ich diese Woche überall hingegangen und habe angefangen, sämtliche aktuellen Bestseller zum Thema Erleuchtung zu lesen, um mich auf unser nächstes Interview vorzubereiten. Und wie ich dieses ganze Zeug von diesen angeblich erleuchteten Typen lese, ist mir auf einmal, als würde in meinem Kopf jemand ein Licht anknipsen. Es hat einfach klick gemacht!“
Ich warte und bin gespannt zu erfahren, wie Ihr Offenbarungserlebnis genau ausgesehen hat, obwohl ich es größtenteils schon kenne. Nicht, dass ich irgendwie die Absicht hätte, es zu schmälern oder kleinzureden. Für Offenbarungserlebnisse habe ich echt was übrig
 
„Du hast es ja selbst gesagt“ fährt sie fort. „Na klar könntest du mich ermorden. Du könntest Crack rauchen, Bambi abknallen und sämtlichen Heiligen Schnurrbärte anmalen, wenn du es wolltest, stimmt´s? Weil es keinerlei Unterschied macht, denn schließlich bist du erleuchtet. Du bist hier. Du bist es. Du brauchst nicht erleuchtet zu tun. Ich weiß, dass du erleuchtet bist, ich bin ja kein Trottel! Was ich kapiere, das kapiere ich. Aber warum um alles in der Welt habe ich es vorher nie kapiert? Seit 15 Jahren beschäftige ich mich jetzt mit diesem spirituellem Kram. Ich habe Darshan gemacht, hab Satsang gemacht, war bei all den großen Namen – verflucht, ich habe fast alle interviewt. Was sagt das über sie aus? Was sagt das über mich aus? Es ist wie ein schlechter Scherz. Es ist, wie du schon sagst – mein ganzes Leben lang machte ich nichts anderes als Wasser zu treten, weil jeder sagte, man müsse es tun, und ich das nie hinterfragte habe. Aber jetzt hinterfrage ich es, und ich habe das Gefühl, wenn ich so weitermache wie bisher, macht mich das, wenn ich auf dem Totenbett liege, um keinen Deut besser, als wenn ich fortan jede Spinne, die mir über den Weg läuft, in Grund und Boden stampfe!“
Dazu sage ich nichts. Sie braucht das jetzt, muss sich von der ganzen Sache umtreiben lassen. Man kann zusehen, wie sie sich auf eine neue Bewusstseinsstufe hocharbeitet, und das einzig Hilfreiche was ich tun kann, ist sie nicht zu unterbrechen. Das ist der erste Schritt.
 
Julie in Action
Bei dem dir nicht bewusst wird, was Sache ist, sondern was nicht Sache ist. Es ist die große Desillusionierung. Bis zur Erleuchtung ist es noch ein kleines Stück Weg, aber der Prozess kommt nun ins Rollen – ist nun ins Rollen gekommen.
„Erleuchtet scheint mir nicht mal das richtige Wort zu sein. Ich sehe dich an, und es kommt mir vor, als wärst du... wirklich... voll verwirklicht... wie soll ich sagen... du bist eben nicht... ja, wie soll ich sagen? Du bist erwacht, und einem erwachten Menschen bin ich zuvor nie begegnet! Und die anderen Leute? Das ist überhaupt kein Vergleich. Die sind so ne Art Glückseligkeitsdeppen, Liebes-Alkis die total high sind vom Göttlichen oder von der Kundalini-Energie oder wenn sie einem Guru hinterher sein können. Bei denen dreht sich alles ums Bewusstsein, aber um das Bewusstsein geht es hier nicht, stimmt´s? Verdammt, ich habe erlebt, was Einheitsbewusstsein ist, und ich fand das total irre und so, und ich habe mir, glaub ich, immer eingebildet, das sei das Ziel einer jeden spirituellen Reise, aber es ist genauso wie... irgendjemand sagte mal, Religion sei Opium fürs Volk... und dieser spirituelle Klimbim ist einfach nur eine höhere Dosis davon oder so.... es ist wie eine riesengroße Verschwörung, um die Leute dort festzuhalten, wo sie sind, indem ihnen weißgemacht wird, es bringe sie weiter, wenn sie bloß rumsitzen und – wie sagtest du? - sich treiben lassen, Wasser treten, so tun als ob. Und keiner ahnt, dass es sich um eine Verschwörung handelt, stimmt´s? Ich meine, ich bin New~Age Journalistin! Seit ich erwachsen bin, gehöre ich dieser Szene an, und ich wusste nie... ich wollte nie jemand übers Ohr hauen... ich habe mir immer eingebildet, ich wäre kein Teil der Herde... Aber das war echt ein Witz! Auf Schritt und Tritt bin ich mit der Herde gelaufen, ständig!“
 
Es erheitert mich, dass sie das gesamte dualistische Universum – Mayas Palast der Täuschung – als riesengroße Verschwörung bezeichnet. „Darf ich mal was einwerfen zwecks unserer Tonbandaufnahme?“ fragte ich.
„Klar“, sagt sie.
„Ich rauche kein Crack, und schieße auch nicht auf Disneyfiguren. Ich bin ein netter Typ. Würde mir sehr aufstoßen, so was gedruckt zu sehen.“
Sie lacht ein wenig hysterisch. „Eigentlich weiß ich gar nicht, ob ich den Artikel jetzt noch schreiben kann. Es war einfach nur als, na ja, als kleine Story über einen spirituellen Meister und seinen bescheidenem Ashram irgendwo mitten in Amerika gedacht. Und was habe ich bis jetzt? So etwas wie ein Exposé, mit dem die gesamte New~Age~Bewegung zum Einsturz gebracht werden kann? Und alle großen Religionen demontiert und eine narkotisierte Menschheit aus dem Schlaf gerissen werden kann? Vergiss es! Damit ist jetzt Schluss. Ich möchte ja nicht einmal mehr eine Autorin sein, jedenfalls nicht auf die Art, wie ich es bisher war... Ich weiß selbst nicht, was ich sein möchte...

„Erstens bist du die Einzige, die je daran geglaubt hat, dass dieser Artikel erscheinen würde. Ich kapiere zwar nicht immer, warum Sonaya dies oder jenes tut, aber ich weiß auf jeden Fall, dass sie mich nicht zu irgendwelchen Interviewterminen mit Journalisten schickt, damit nachher was über mich in der Zeitung steht. Zweitens: Nein, dein Zustand ist nicht normal, er ist etwas völlig anderes als normal. Du bist gerade dabei, geboren zu werden. Was jetzt mit dir vorgeht, ist der Auftakt zu einem weitaus größerem Prozess. Ich kann dir in jedem gewünschtem Umfang mit Rat und Tat zur Seite stehen, doch der eigentliche Schlüssel, um deinen Schmerz auf niedrigem Pegel zu stabilisieren, lautet: Wehre dich nicht dagegen. Stell dir einfach vor, du hättest mit dem Wassertreten aufgehört, gehst unter, bist nicht mehr bei der Gruppe, und ertrinkst. Du wirst dich wehren, klar, das ist ganz normal, aber versuche trotzdem, den Dingen ihren Lauf zu lassen und dein Vertrauen in eine höhere Instanz zu setzen. Ich habe das auch alles durchgemacht, und ich war dabei, als es anderen passierte. Es ist nichts Ungewöhnliches, und wahrscheinlich wirst du auch nicht wahnsinnig. Das war die gute Nachricht.“
„Oh, Mist, dass hört sich echt übel an. Das war die gute Nachricht? Was zum Teufel soll dann die schlechte sein?“
„Schlecht ist sie nicht, bestimmt nicht, nur ohne jeden Zweifel transformativ. Was du gerade durchmachst, ist ein Prozess von Tod und Wiedergeburt. Und dabei stehst du erst am Anfang. Aber es gibt kein Zurück. Das lässt sich nicht mehr stoppen. Was du warst, wer du warst, bevor das alles in Gang kam, das liegt nun ein für alle Mal hinter dir. So was kommt nicht mal selten vor; das Leben ist voll von solchen Übergangsprozessen. Umzug, neuer Job ist so ähnlich nur auf kleiner Ebene. Auf relativ großer Ebene spielt es sich zum Beispiel ab, wenn du zum Vampir wirst.“
Sie scheint mit den Nerven ziemlich am Ende zu sein.
„Wie schlecht?“, fragt sie.
„Schlecht ist nicht der richtige Ausdruck... oder, doch, ist es schon.
Alles wird neu konzipiert. Du weißt wahrscheinlich nicht recht, was ich meine, wenn ich dir dies sage, aber alles wird sich jetzt ändern. Dein Leben ist einfach in eine Phase der Umwälzung eingetreten, und meiner Meinung nach besteht nur wenig Hoffnung, dass du dich in naher Zeit an die Umwälzungen gewöhnen wirst.“
Mit ihrer Intensität erfüllt sie den gesamten Raum. Ich war Zeugte, wie manche Leute in diesem Stadium in die Klinik gebracht werden mussten. Sie läuft ununterbrochen auf uns ab, mit angespannten Muskeln und glänzenden Augen. So wach war sie ihr Lebtag nicht … bis heute zumindest nicht. „Werde ich jetzt etwa zum, na ja, zum Vampir?“
„Lao tse sagte, was für die Raupe das Ende der Welt ist, ist für den übrigen Teil der Welt die Geburt des Schmetterlings.“
Sie sah mich erwartungsvoll an. „Sag das nochmal.“
„Was für die Raupe das Ende der Welt ist, ist für den übrigen Teil der Welt die Geburt des Schmetterlings.“
Sie nickte, denkt nach – denkt so intensiv nach wie nur möglich. Sie steht ein wenig unter Schock, aufgrund der emotionalen Anspannung, die sie in den letzten Tagen aufgebaut hat, verstärkt noch durch den Mangel an Essen und Schlaf. Die Anspannung ist bis zum Äußersten gesteigert, da die Schleier der Normalität zerrissen sind, begleitet von den Wonnen der Selbstbefreiung und der Angst, sich in unbekannte Gewässer vorzuwagen. All das spielt zusammen. Fürwahr, sie steckt in einer Phase, die prekär sein kann.
Unter Zen-Leuten wird zum Beispiel ganz offen über diesen Aspekt gesprochen, doch alles in allem ist ein schwerer psychischer Zusammenbruch nicht gerade das beste Aushängeschild für eine spirituelle Lehre. Die Leute wollen nur die Rosinen aus dem Kuchen picken: das vollkommene Wissen, die Erlösung von allem Leiden und so weiter. Doch dafür bezahlen will keiner. Doch es gibt einen Preis, und Julie ist gerade dabei, ihn zu bezahlen, zumindest hat sie damit begonnen. Man muss einfach erkennen, dass es eine scheißschmuddelige Angelegenheit ist, und diese ganzen Liebes-und-Glückseligkeitstypen wollen sich auf so was nicht einlassen. Die wollen eine Erleuchtung, bei der keiner seinen Platz bei den Wassertretern zu verlassen braucht. Sie wollen nicht aufhören zu treten, sie wollen nicht – allein – in die Finsternis gleiten. Sie wollen jene andere Erleuchtung, bei der sie mit der Gruppe zusammenbleiben, ihre mit großer Sorgfalt aufgebaute Persönlichkeit beibehalten und einfach nur glücklich sein dürfen. Am besten total, total, total glücklich.
(maximal also 😉 )
Ich bin auch gern glücklich, genauso wie alle anderen Menschen, aber es ist nun mal nicht das totale Glück, das uns auf die Suche nach der Wahrheit schickt. Es ist der blindwütige, fieberhafte, fanatische Drang, kein Lügengebilde mehr zu sein, um keinen Preis, komme was da wolle. Dabei geht es nicht etwa um ein höheres Bewusstsein, und Selbstfindung oder den Himmel auf Erden. Nein, es geht um blutverklebte Schwerter und den faulenden Buddhakopf, um Selbstaufgabe geht es, und jeder, der etwas anderes erzählt, will dir was verkaufen, das er gar nicht auf Lager hat.“

Sonaya kommt und begleitet Julie auf ein Zimmer, bringt ihr Tee und lässt sie ruhen.

~Ende

aus dem Erstlingswerk von Jed McKenna
„Verflixte Erleuchtung“
Als Schmetterling unter Raupen

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen