Jiddu Krishnamurti

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Wir werden sehen wie wichtig es ist die radikale Revolution in den Köpfen der Menschen zu verursachen. Die Krise ist eine Krise des Bewusstseins. Ein Krise, die nicht mehr die alten Normen akzeptieren kann, die alten Muster, die uralten Traditionen. Wenn man in Betracht zieht, was die Welt jetzt ist, mit all dem Elend, den Konflikten, der zerstörerischen Brutalität, Aggressionen usw. Der Mensch ist immer noch wie er war. Er ist immer noch brutal, zerstörerisch, aggressiv, habgierig, wetteifernd. Er hat eine Gesellschaft darauf aufgebaut.

KOSMISCHE BOTSCHAFT an die Menschheit

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Klick das Bild an :) Wir befinden uns in einem Goldenen Zeitalter, in dem das universale Einheitsbewussstsein in uns erwachen kann, und uns Bedingungslose Liebe, Frieden, Wohlstand und Gesundheit ermöglicht. Aktuelle wissenschafftliche Erkennntnisse... Ξ~ We Are ⓞne ~Ξ

Montag, 10. April 2017

Katha Upanishade || von Paul Deussen

Die Katha Upanishad gilt als die weltweit, älteste, explizit vom Yoga handelnde Upanishad. In ihr finden sich einige der fundamentalen Ideen, die jeder Yoga-Praxis zugrunde liegen. Sie sind in poetischer Form ausgedrückt. Dieses Werk eines anonymen Verfassers stellt so den Übergang zwischen der Esoterik der frühesten Upanishaden und dem vorklassischen Yoga dar.
https://de.wikipedia.org/wiki/Katha-Upanishad
Zentrales Thema in diesem Text ist der Dialog zwischen 
dem Menschen Nachiketas und dem Totengott Yama.
Ausgewählte Verse der Katha
Shanti Mantra: https://www.youtube.com/watch?v=gAy1vqRceo0  
Pers. Anmerk. Im Kriya Yoga ist das eine Upanishade von Bedeutung...

Die Katha Upanishade Aus dem Sanskrit übersetzt -
mit Einleitungen und Anmerkungen versehen von Paul Deussen

1-9, die einleitende Erzählung. Sie beginnt mit denselben Worten wie Taitt. Br. 3,11,8, als wollte sie damit auf jene Stelle verweisen, setzt sodann den weitern Gang der Handlung als von dorther bekannt voraus und beschränkt sich auf ein lyrisches Ausmalen der einzelnen Situationen.


1. Willig gab einstmals Vâjaçravasa [bei einem Opfer] seine ganze Habe dahin. Ihm war ein Sohn mit Namen Naciketas. 

2. Den, obgleich er erst ein Knabe war, überkam, als die Opferlohnkühe [zur Verteilung an die Brahmanen] hergetrieben wurden der Glaube [an die Wirksamkeit des Allhabeopfers], und er bedachte:

3. »Wasser trinkend und Gras essend,
Ausgemolken und lendenlahm! –
Ach! diese Welten sind freudlos1,
In die er, solche spendend, geht.«

4. Und er sprach zu seinem Vater [sich selbst anbietend, um das Allhabeopfer vollständig zu machen]: »Mein Vater, wem wirst du mich geben?« – so sprach er, [in ihn dringend] zum zweitenmal und drittenmal. Ihm antwortete [von Zorn über diese Unterschätzung seiner Opfergaben ergriffen] der Vater: »Dem Tode gebe ich dich.«2

Naciketas spricht:

5. »Zwar bin ich besser als viele,
Doch viele sind an Wert mir gleich;
Was mag wohl Yama vorhaben,
Dass er jetzt schon nach mir begehrt?«3

6. Sieh auf die Früheren rückwärts,
Sieh vorwärts auf die Folgenden;
Zur Ernte reift der Mensch korngleich,
Korngleich ersteht er wieder neu.4

7. Ein Brahmane als Gast eintritt
Ins Haus gleichwie ein Feuerbrand;
Ihn zu löschen, bring her eilig
Das Fusswasser, Vaivasvata!5

8. Um Hoffnung, Aussicht, Freundes Verkehr und Zuspruch,
Um Opfer, fromme Werke, Kinder und Herden, –
Um alles dieses bringt den unverständigen Mann
Ein nicht von ihm bewirteter Brahmanengast.6

Yama:

9. »Weil du, Brahmane, der als Gast zu ehren,
Drei Nächte ungespeist bei mir geweilt hast, –
Verehrung dir! und Heil sei mir, Brahmane! –
Darum, entsprechend, wähle dir drei Wünsche!«

Vers 10-11. Der erste Wunsch (irdisches Wohlergehen betreffend).

Naciketas:

10. »Beruhigten Gemüts und wohlgesinnt sei,
Verwichnen Grolles, Gautama, mir wieder;
Froh grüss' er mich, den du, o Tod, entlassen! –
Das wähle ich als ersten der drei Wünsche.«

Yama:

11. »Auddâlaki Âruṇi wird wie vordem
Froh werden, seines Worts von mir entbunden;
Verwichnen Grolles schlaf er sanft die Nächte,
Befreit dich sehend aus des Todes Rachen.«

Vers 12-19. Der zweite Wunsch, die vorübergehende (vgl. 2,10) himmlische Seligkeit betreffend. Dass dieselbe nur vorübergehend sei, wird bei ihrer enthusiastischen Schilderung im folgenden nicht streng festgehalten. Das Mittel zu ihr ist die Schichtung des Nâciketa-Feuers, welche hier den Opferkultus im allgemeinen zu repräsentieren scheint.

Naciketas:

12. »In der Welt des Himmels gibt es keine Furcht mehr,
Dort bist nicht du, nicht macht besorgt das Alter;
Beiden entrückt, dem Hunger und dem Durste,
Von Leid frei, freut man in der Himmelswelt sich.

13. Du kennst, o Tod, das Feuer, das den Himmel
Erwirbt; mir, der dir gläubig horcht, erklär' es!
Unsterblich sind, die dort im Himmel weilen, –
Das wähle ich mir als die zweite Gabe.«

Yama:

14. »Wohlan! ich will das Feuer, das den Himmel
Erwirbt, dir sagen, hör' es mit Verständnis; –
Das Feuer, das der ew'gen Welt Erlangung
Und Grund ist, wisse im Versteck (vgl. 4,8) verborgen.«

15. Da lehrt' er ihm das Feuer, das die Welt baut,
Die Backsteine, wie gross und wie zu schichten.
Er aber wiederholt' es nach der Reihe. –
Und wieder nahm der Tod das Wort voll Freude,

16. Und sprach zu ihm befriedigt, hohen Sinnes:
»Noch ein Geschenk sollst obendrein du haben:[268]
Nach deinem Namen nenne sich dies Feuer;
Dazu nimm dieses Spruchs verschlungne Kette7:

17. ›Drei-Nâciketa-Feuer-haft8, Drei-Bund-haft9,
Drei-Werk-haft10 streift man ab Geburt und Sterben;
Den Gott erkennend, der, was Brahman schuf, weiss11,
Und schichtend12 geht man ein zur Ruh für immer.‹

18. Drei-Nâciketa-Feuer-haft, Drei-kundig13, –
Wer so das Nâciketafeuer schichtet,
Stösst vor sich weg des Todesgottes Schlingen;
Von Leid frei freut er in der Himmelswelt sich.

19. Das ist das Himmelsfeuer, Naciketas,
Das du dir wähltest als der Gaben zweite.
Nach deinem Namen wird die Welt es nennen.14
Jetzt, Naciketas, sprich den dritten Wunsch aus.«

Vers 20-29. Der dritte Wunsch, nicht sowohl (wie es nach der Fragestellung, Vers 20 scheinen kann) auf das Wissen von dem Fortleben nach dem Tode, – denn dieses wird ja schon in der vor hergehenden Frage als feststehend vorausgesetzt, – sondern vielmehr auf die Erkenntnis des Âtman als der wahren Wesenheit des Menschen und damit auf die ewige Erlösung gerichtet.

Naciketas:

20. »Ein Zweifel waltet, wenn der Mensch dahin ist:
›Er ist!‹ sagt dieser; ›er ist nicht!‹ sagt jener.
Das möchte ich, von dir belehrt, ergründen,
Das sei die dritte Gabe, die ich wähle!«

Yama:

21. »Auch von den Göttern ward hier einst gezweifelt;
Schwer zu erkennen, dunkel ist die Sache.
Wähl' einen andern Wunsch dir, Naciketas,
Bedränge mich nicht, diesen Wunsch erlass mir.«

Naciketas:

22. »Auch Götter also haben hier gezweifelt,
Und du sagst selbst, dass schwer, es zu erkennen.
Kein andrer kann es so wie du erklären,
Kein andrer Wunsch kommt diesem gleich an Werte.«

Yama:

23. »Wähl' hundertjährige Kinder dir und Enkel,
Viel Herden, Elefanten, Gold und Rosse,
Erwähle grossen Grundbesitz an Land dir,
Und lebe selbst soviel du willst der Herbste!

24. Wenn dies als Wunsch du schätzest gleich an Werte,
So wähle Reichtum dir und langes Leben,
Ein Grosser, Naciketas, sei auf Erden,
Ich mache zum Geniesser aller Lust dich.

25. Was schwer erlangbar ist an Lust hienieden,
Erbitte nach Belieben alle Lust dir, –
Schau hier auf Wagen holde Frau'n mit Harfen,
Wie solche nicht von Menschen zu erlangen,[270]
Ich schenke dir sie, dass sie dich bedienen,
Nur frag' nicht, Naciketas, nach dem Sterben!«

Naciketas:

26. »Was uns, o Tod, gegönnt an Kraft der Sinne,
Die Sorge für das Morgen macht es welken.
Auch ganz gelebt, ist doch nur kurz das Leben. –
Behalte deine Wagen, Tanz und Spiele.

27. Durch Reichtum ist der Mensch nicht froh zu machen!
Wen lockte Reichtum, der dir sah ins Auge?
Lass leben uns, so lang' es dir genehm ist!
Als Gabe aber wähle ich nur jene.

28. Wer, der geschmeckt hat, was nicht stirbt, nicht altert,
Hier unten steht und weiss sich altern, sterben,
Und wägt die Farbenpracht und Lust und Freuden, –
Wer mag an längerm Leben Freude haben!

29. Worüber jener Zweifel herrscht hienieden,
Was bei dem grossen Hingang wird, das sag' uns;
Der Wunsch, der forschend dringt in dies Geheimnis,
Den wählt, und keinen andern, Naciketas.«


Zweite Vallî.

[271] Vers 1-6. Das Nichtwissen und das Wissen, gegenübergestellt als das Liebere und das Bessere.

Yama:

1. »Ein andres ist das Bessere, und ein andres
Das Liebere, die, verschiednen Ziels, euch fesseln; –
Wer sich das Bessere wählt, dem ist's zum Heile,
Des Zwecks geht, wer das Liebere wählt, verlustig.

2. Das Bessere und das Liebere naht dem Menschen;
Umwandelnd beide, scheidet sie der Weise;
Das Bessere zieht der Weise vor dem Liebern,
Erwerbend, wahrend, wählt der Tor das Lieb're.

3. Du hast die holden, scheinbar holden Lüste
Erwägend, Naciketas, abgewiesen;
Nicht hat gefesselt dich des Reichtums Kette,
In die verstrickt so viele untersinken.
[271]
4. Ja, weit verschieden und entgegenstehend
Ist, was genannt wird Wissen und Nichtwissen;
Nach Wissen seh' ich Naciketas trachten,
Der Lüste Heerschar hat dich nicht zerrüttet.

5. In des Nichtwissens Tiefe hin sich windend,
Sich selbst als Weise, als Gelehrte wähnend,
So laufen ziellos hin und her die Toren,
Wie Blinde, die ein selbst auch Blinder anführt.1

6. Das Sterbenmüssen geht nicht ein dem Toren,
Dem Taumelnden, durch Reichtums Blendung Blinden;
›Dies ist die Welt, kein Jenseits gibt's!‹ so wähnend
Verfällt er immer wieder meiner Herrschaft.

Vers 7-9. Schwierigkeit der Erkenntnis; sie ist nicht erreichbar durch Nachdenken, sondern nur durch Offenbarung; diese aber erfordert, zu ihrer Vermittlung, einen geeigneten Lehrer.

7. Von dem auch zu hören, vielen nicht beschieden,
Den viele, von ihm hörend, nicht begriffen, –
Ein Wunder, wer ihn lehrt, kundig, wer ihn auffasst,
Ein Wunder, wer ihn kennt, belehrt von Kund'gen.

8. Nicht, wenn verkündigt von gemeinen Menschen,
Ist leicht er fassbar, selbst bei vielem Sinnen;
Und ohne Lehrer ist hier gar kein Zugang:
Zu tief ist er für eignes tiefes Denken.

9. Nicht ist durch Grübeln dieser Sinn zu fassen,
Doch fassbar wohl, wenn einer dir ihn lehrt, Freund;
Dir ward er jetzt, denn treu war dein Beharren;
Ja, solche Frager wünschen wir, wie du bist!

Vers 10-11. Vergänglichkeit des Schatzes der guten Werke und Wertlosigkeit irdischer Güter.

10. Ich weiss etwas, Schatz heisst es, doch vergänglich;
Das Wechselnde kann Bleibendes nicht wirken.[272]
Darum baut' ich das Nâciketa-Feuer;
Nichtew'gen Stoffs erschloss es mir das Ew'ge.2

11. Was Wunschvollendung, was der Welten Grund ist,
Des Werks Unendlichkeit, das Rettungsufer,
Des Ruhmes Grossheit, Weitverbreitung, Gründung,
Du (sahst und) hast mit Festigkeit sie abgewiesen.

Vers 12-13. Nochmals von der Schwierigkeit der Erkenntnis. Der Âtman ist (als Subjekt des Erkennens) in der Höhle versteckt; hier kann er nur, nachdem man alles Äusserliche (Objektive, dharmyam) von ihm abgezogen (pravṛihya, vgl. die Hüllen, Taitt. 2), »durch Erlan gung des auf das eigne Selbst bezüglichen (in das eigne Selbst sich vertiefenden) Yoga« erkannt werden.

12. Den schwer zu schauenden, geheimnisvollen,
Den in der Höhle tief versteckten Alten,
Wer den durch Hingebung (yoga) im eignen Innern
Als Gott erfasst, lässt Lust und Leid dahinten.

13. Der Sterbliche, der dies vernahm und fasste,
Abtat was äusserlich (dharmyam), ergriff das Feine,
Der wird sein froh; ja, er besitzt was froh macht!
Naciketas ist als Wohnung ihm bereitet.3

Vers 14-17. Zunächst wird in Vers 14 die allem Endlichen (allen moralischen, kausalen und zeitlichen Bestimmungen) gegenüber negative Natur des Âtman auf das schärfste hervorgehoben. Dieser Vers (ursprünglich wohl eine alte Rätselfrage der Âtmanlehre, die hier dem Zusammenhang eingeflochten wurde) pflegt seit Ça kara (zur Stelle und zu Brahmasûtra p. 348. 780) dem Naciketas zugeteilt zu werden; es ist aber besser, in ihm eine Frage des Lehrers an den Schüler zu sehen, was er sich unter diesen negativen Bestimmungen wohl vorstellen könne? Auf sein ratloses Schweigen reicht ihm dann der Lehrer als Vehikel (als »Stütze«, âlambanam) der Brahmanerkenntnis den (bedeutungslosen und eben darum allein geeigneten) Laut Om dar.
[273]
14. Was frei von Gutem und Bösem,
Frei von Geschehn und Nichtgeschehn,
Frei von Vergangnem und Künft'gem –
Was du als solches siehst, – sag' an! –

(Naciketas schweigt).

15. Das Wort, das alle Veden uns verkünden,
Das sich in jeglicher Kasteiung ausdrückt,
Um das in Brahmanschülerschaft sie leben,
Dies Wort vernimm in einem Inbegriffe:

Om! so lautet es.

16. Ja, diese Silbe ist Brahman,
Diese Silbe das Höchste ist;
Wer dieser Silbe ist kundig,
Was er wünschen mag, fällt ihm zu,

17. Dies ist der Stützen vornehmste,
Diese Stütze die höchste ist;
Wer dieser Stütze ist kundig,
Lebt selig in der Brahmanwelt.

Vers 18-22 folgt nun eine glänzende Schilderung der aller empirischen Weltordnung widersprechenden Natur des »Sehers« (vipaçcit) d.h. des Âtman.

18. Nicht wird geboren und nicht stirbt der Seher,
Stammt nicht von jemand, wird auch nicht zu jemand.
Von ewig her, bleibt ewig er der Alte,
Wird nicht getötet, wenn den Leib man tötet.

19. Wer, tötend, glaubt, dass er töte,
Wer, getötet, zu sterben glaubt,
Irr gehen dieser wie jener:
Der stirbt nicht, und der tötet nicht!

20. Des Kleinen Kleinstes und des Grossen Grösstes (Chând. 3,14,3),
Wohnt er als Selbst hier dem Geschöpf im Herzen;
Frei von Verlangen schaut man, fern von Kummer,
Gestillten Sinnendrangs4 des Âtman Herrlichkeit.
[274]
21. Er sitzt und wandert doch fernhin,
Er liegt und schweift doch allerwärts,
Des Gottes Hin- und Her-Wogen,
Wer verstände es ausser mir?5

22. In den Leibern den Leiblosen,
Im Unsteten den Stetigen,
Den Âtman, gross, alldurchdringend,
Schaut der Weise und grämt sich nicht.

Vers 23-25. Den Abschluss dieser metaphysischen Betrachtungen bildet wieder (wie Vers 7-9. 12-13) die Frage nach den Bedingungen der Erkenntnis des Âtman. Dieselbe ist nicht durch individuelle Bemühungen, sondern nur durch eine Art Gnadenwahl zu erlangen (Vers 23); diese wird aber auf keinen fallen, der nicht die sittlichen Vorbedingungen erfüllt (Vers 24-25).

23. Nicht durch Belehrung wird erlangt der Âtman,
Nicht durch Verstand und viele Schriftgelehrtheit;
Nur wen er wählt, von dem wird er begriffen:
Ihm macht der Âtman offenbar sein Wesen.6

24. Nicht wer von Frevel nicht ablässt,
Unruhig, ungesammelt ist,
Nicht, dessen Herz noch nicht stille,
Kann durch Forschen erlangen ihn.

25. Er, der Brahmanen und Krieger
Beide aufzehrt, als wär' es Brot,
Eingetaucht in des Tod's Brühe, –
Wer, der ein solcher (Vers 24), fände ihn?

Dritte Vallî.

[275] Vers 1-2. Der Âtman als Licht und der ihn umgebende psychische Apparat als Schatten (der ihn verhüllt, als upâdhi) wohnen, in ihrer Vereinigung[275] als individuelle Seele (bhoktar, »Geniesser«), nachdem sie im Jenseits die Vergeltung der Werke getrunken haben, zusammen in der Höhle des Herzens, wie dies nicht nur dem Brahmanwisser, sondern auch schon dem Vollbringer hervorragender ritueller Leistungen kund ist, – eine Bemerkung, welche Anlass gibt, in Vers 2 nochmals das Nâciketa-Feuer als Mittel (als »Brücke«, setu), der Brahmanerkenntnis zu empfehlen.

1. Zwei, Trinker der Vergeltung ihrer Werke
Droben im Jenseits, fuhren in die Höhle;
Schatten und Licht nennt sie, wer Brahman's kundig,
Fünffeuerhaft, Drei-Nâciketa-Zünder.1

2. Um's Nâciketa-Feu'r müht euch!
Brücke ist es den Opfernden,
Zum Ufer ohne Furcht führend,
Zum ew'gen höchsten Brahman hin.

Vers 3-9. Der psychische Organismus (der Âtman verbunden mit Buddhi, Manas und Indriya's) und die daraus sich ergebende ethische Aufgabe.

3. Ein Wagenfahrer ist, wisse,
Der Âtman, Wagen ist der Leib,
Den Wagen lenkend ist Buddhi,
Manas, wisse, der Zügel ist.

4. Die Sinne, heisst es, sind Rosse,
Die Sinnendinge ihre Bahn;
Aus Âtman, Sinnen und Manas
Das Gefügte ›Geniesser‹ heisst.

5. Wer nun besinnungslos hinlebt,
Den Manaszügel ungespannt,
Des Sinne sind unbotmässig,
Wie schlechte Rosse ihrem Herrn.

6. Doch wer besonnen stets hinlebt,
Den Manaszügel wohlgespannt,
Des Sinne bleiben botmässig,
Wie gute Rosse ihrem Herrn.

7. Wer nun besinnungslos hinlebt,
Unverständig, unlautern Sinns,[276]
Der kommt nicht zu dem Ort jenseits,
Im Samsâra verstrickt er bleibt.

8. Doch wer besonnen stets hinlebt,
Verständig und mit lauterm Sinn,
Der gelangt zu dem Ort jenseits,
Von wo keine Geburt mehr ist.

9. Wer mit Besonnenheit lenkte,
Mit Manas zügelnd, sein Gespann,
Der Mann erreicht des Wegs Endziel,
Dort, wo des Vishṇu höchster Schritt.2

Vers 10-13. Auf die ethische Forderung, die Sinne zu zügeln, folgt als höhere Aufgabe der Yoga, welcher darin besteht, die Sinne in dem Manas, dieses in der Buddhi, diese im »grossen Selbst« (mahân âtmâ), dieses endlich im Avyaktam (aus dem sie nach Sâ khya-Anschauung alle hervorgegangen) zu hemmen, wodurch der Purusha von ihnen allen isoliert, und das Ziel (die Erlösung) erreicht wird.

10. Höher als Sinne stehn Dinge,
Höher als Dinge Manas steht,
Höher als Manas steht Buddhi,
Höher als sie das ›grosse Selbst‹.

11. Höher als dies steht Avyaktam,
Höher als dies der Purusha;
Höher als dieser steht nichts mehr,
Er ist Endziel und höchster Gang.

12. In allen Wesen weilt dieser (der Purusha)
Als Âtman, unsichtbar, versteckt,
Dem schärfsten Denken nur sichtbar,
Dem feinsten des, der Feines sieht.

13. Es hemme Rede nebst Manas
Der Weise im Bewusstsein-Selbst (der Buddhi),
Dieses im ›grossen Selbst‹ hemm' er,
Dieses hemm' er im Ruhe-Selbst (dem Avyaktam).

[277] Vers 14-15. Nachdem hiermit die höchste Aufgabe bezeichnet ist, folgt nunmehr die Peroratio, bestehend in einer kräftigen Aufforderung, den von den Weisen gewiesenen Weg zu gehen, und in einer nochmaligen Hinweisung auf das Ziel desselben.

14. Steht auf! wacht auf! erlangt habend
Treffliche Lehrer, merkt auf sie.
Wie schwer zu gehn auf scharfer Messerschneide ist3,
Schwer ist der Weg! Den lehren euch die Weisen.

15. Was unhörbar, unfühlbar, unsichtbar beharrt,
Unschmeckbar und unriechbar, unvergänglich ist,
Anfanglos, endlos, grösser als Grosses, ewig bleibt,
Wer das erkennt, wird aus des Todes Rachen frei.«

Vers 16-17. Epilog, unzweifelhaft ursprünglich den Abschluss der Upanishad bildend.

16. Die Nâciketa-Mitteilung4,
Die ew'ge, die der Tod gemacht,
Wer diese lehrt und hört weislich,
Der wird herrlich in Brahman's Welt.

17. Wer dies Geheimnisvoll-Höchste
Vorträgt in der Brahmanen Kreis,
Oder beim Totenmahl, zuchtvoll5,
Dem hilft es zur Unendlichkeit,
– dem hilft es zur Unendlichkeit.

Vierte Vallî.

[278] Vers 1-2. Die Innenerkenntnis der Einheit und die Aussenerkenntnis der Vielheit.
[278]
1. Auswärts die Höhlungen der Schöpfer bohrte:
Darum sieht man nach aussen, nicht im Innern.
Ein Weiser wohl inwendig sah den Âtman (die Seele),
In sich gesenkt den Blick, das Ew'ge suchend.

2. Den Lüsten draussen laufen nach die Toren
Und gehn ins Netz des ausgespannten1 Todes;
Doch Weise, wissend was unsterblich, werden
Im Wechsel hier das Bleibende nicht suchen.

Vers 3-5. Der Âtman als das Subjekt des Erkennens ist der alleinige Träger aller Realität, sowohl der im Wachen wie im Traume. Alles übrige ist bloss Objekt (»Honig«, vgl. Bṛih. 2,5) für ihn und ohne ihn nichts (kim atra pariçishyate, 4,3 und 5,4).

3. Durch den man sieht, schmeckt, riecht, hört und
Berührung gegenseitig fühlt,
Durch ihn allein erkennt einer, –
Was fragt ihr nach dem übrigen!

Wahrlich, dieses ist das!

4. Durch den man überschaut beide,
Des Traumes und des Wachens Stand,
Den Âtman, gross, alldurchdringend,
Kennt der Weise und grämt sich nicht.

5. Wer ihn, dem alles ist Honig,
Als Selbst, als Seele nah sich weiss,
Herrn des Vergangnen und Künft'gen,
Der ängstigt sich vor keinem mehr.

Wahrlich, dieses ist das!

Vers 6-7. Wer den Purusha (Vers 6) und wer die Prakṛiti (Vers 7), die Trägerin der ganzen objektiven Welt, in ihrem Wesen erkennt, – »der ängstigt sich vor keinem mehr«, wie aus Vers 5 zu beiden Versen zu ergänzen ist. Beide aber, Purusha wie Prakṛiti, sind (im Gegensatze zur Sâ khyalehre) nur Âtman (»wahrlich, dieses ist das!«).

6. Wer ihn, der da war vor Tapas, –
Vor den Urwassern war er schon, –
In Herzenshöhle sieht weilen,
Wer ihn schaut durch die Wesen hin, –

Wahrlich, dieses ist das!
[279]
7. Und wer die lebendurchsetzte2
Götterträgerin Aditi
In Herzenshöhle3 sieht weilen,
Sich gebärend durch Wesen hin, –

Wahrlich, dieses ist das!

Vers 8. Durch Einflechtung eines Ṛigvedaverses (3,29,2) wird die Verborgenheit des Âtman in den Leibern an der Verborgenheit des Feuers in den Reibhölzern erläutert.

8. ›Versteckt in Reibhölzern, der Wesenkenner,
Wie Leibesfrucht von Schwangern wohlgehütet,
Zu preisen täglich neu von aufgewachten,
Von opferfreud'gen Menschen ist Gott Agni‹, –

Wahrlich, dieses ist das!

Vers 9. Der im Leibe verborgene Âtman (Vers 8) ist aber zugleich der allbefassende, wie durch einen öfter vorkommenden (Atharvav. 10,8,16. Bṛih. 1,5,23), ursprünglich auf Ṛigv. 10,121,6 zurückgehenden, Vers erläutert wird.

9. Aus dem der Sonne Aufgang ist,
In dem sie wieder untergeht,
Die Götter all in ihm fussen,
Ihn überschreitet keiner je, –

Wahrlich, dieses ist das!

Vers 10-11. Die Vielheit der Dinge ist nicht real; das Hier und das Dort sind identisch. Wer an die Vielheit glaubt, bleibt in der Seelenwanderung befangen. Beide Verse scheinen eine Erweiterung von Bṛih. 4,4,19 zu sein.

10. Was hier ist, das ist auch dorten,
Was dorten ist, das ist auch hier;
Von Tod in neuen Tod stürzt sich,
Wer hier Verschied'nes meint zu sehn.

11. Im Geiste soll man dies merken:
Nicht ist hier Vielheit irgendwie,[280]
Von Tod zu neuem Tod schreitet,
Wer hier Verschied'nes meint zu sehn.

Vers 12-13. Der Herr aller Welten wohnt als Purusha zollhoch im Herzen; er ist, vermöge seiner Unberührtheit von psychischen und physischen Vorgängen, einer rauchlosen Flamme vergleichbar.

12. Zollhoch an Grösse weilt mitten
Im Leibe hier der Purusha,
Herr des Vergangnen und Künft'gen,
Wer ihn kennt, ängstigt sich nicht mehr, –

Wahrlich, dieses ist das!

13. Wie Flamme ohne Rauch, zollhoch
An Grösse ist der Purusha,
Herr des Vergangnen und Künft'gen,
Er ist es heut und morgen auch.

Wahrlich, dieses ist das!

Vers 14-15. Wer den Sinneseindrücken, wörtlich den Qualitäten, dharmâḥ (vgl. 2,13), nachgeht, dessen Seele verliert sich in ihnen; wer den Âtman erkennt, bleibt in ihm gesammelt und rein.

14. Wie Wasser, im Gebirg regnend,
An den Abhängen sich verläuft,
So verläuft, wer den Eindrücken
Einzeln folgt, hinter ihnen sich.

15. Wie reines Wasser, zu reinem
Gegossen, eben solches bleibt,
So bleibt dem weisen Schweigsamen
Rein die Seele, o Gautama.

Fünfte Vallî.

[281] Vers 1 und 3-5. Schilderung des Âtman im Organismus des Leibes, durchzogen von Ausblicken auf das Eschatologische und unterbrochen in Vers 2 durch einen Vers aus dem Ṛigveda (4,40,5), dessen ursprüngliche Bedeutung zweifelhaft ist, und der hier (wie auch Mahânâr. 10,6, vgl. ib. 10,4) in glücklicher Umdeutung auf den Âtman bezogen wird: »er ist in allem vorhanden und in allem das Edelste«.

1. Wer die Stadt mit den elf Toren1
Des unwankbaren Geistigen[281]
Des Ew'gen ehrt, der grämt sich nicht
Und wird, des Leibes los, erlöst.

Wahrlich, dieses ist das!

2. ›Im Äther ist Sonnenschwan er, Vasu in der Luft,
Hotar am Opferbette, auf der Schwelle Gast,
Er weilt in Mensch und Weite, im Gesetz, im Raum,
Entspringt aus Wassern, Rindern, Recht, Gebirg' als grosses2 Recht.‹

3. Er, der nach oben hin aushaucht
Und den Einhauch3 nach innen treibt,
In der Mitte als Zwerg sitzend,
Den beten alle Götter an.

4. Wenn nach des Leibes Hinfalle
Der im Leibe Verkörperte
Aus dem Leibe erlöst worden,
Was fragt ihr nach dem übrigen (4,3)?

Wahrlich, dieses ist das!

5. Nicht durch Aushauch und durch Einhauch
Hat sein Leben ein Sterblicher;
Ein anderer macht ihn leben,
Auf dem beruhen jene zwei.


Vers 6-7. Schicksal der Seele nach dem Tode.

6. Wohlan! Ich will dir auslegen
Brahman, ewig, geheimnisvoll,
Und wie es, wenn der Tod eintritt,
Steht mit der Seele, Gautama.

7. Im Mutterschoss geht ein dieser,
Verkörpernd sich zur Leiblichkeit, –
In eine Pflanze fährt jener, –
Je nach Werk, je nach Wissenschaft.

Vers 8. Der Purusha (das Subjekt), welcher im Traum eine Welt aufbaut, derselbe ist auch der Träger der ihn im Wachen umgebenden Welten
[282]
8. Der Geist, der wach auch in dem Schläfer (– U),
Aufbauend, je nach Wunsch, dies oder jenes,
Das ist das Reine, ist Brahman,
Das heisset das Unsterbliche.
In ihm die Welten all ruhen,
Ihn überschreitet keiner je (4,9).

Wahrlich, dieses ist das!

Vers 9-11. Obgleich der Âtman in alle Geschöpfe, sich ihnen anpassend, eingegangen ist, so bleibt er doch ausserhalb derselben in seiner vollen Integrität bestehen und wird von dem Leiden der Kreaturen nicht betroffen. Dieser Gedanke (am kürzesten ausgesprochen Bṛih. 5,1: pûrṇasya pûrṇam âdâya, pûrṇam eva avaçishyate) wird hier durch drei vortreffliche Gleichnisse erläutert.

9. Das Licht, als eines, eindringt in den Weltraum
Und schmiegt sich dennoch jeglicher Gestalt an;
So wohnt das eine innre Selbst der Wesen
Geschmiegt in jede Form, und bleibt doch draussen.

10. Die Luft, als eine, eindringt in den Weltraum
Und schmiegt sich dennoch jeglicher Gestalt an;
So wohnt das eine innre Selbst der Wesen
Geschmiegt in jede Form, und bleibt doch draussen.

11. Die Sonne, die des ganzen Weltalls Auge,
Bleibt rein von Fehlern ausser ihr der Augen;
So bleibt das eine innre Selbst der Wesen
Rein von dem Leiden ausser ihm der Welten.

Vers 12-13. Beseligung und Friede dessen, der den Âtman in sich erkannt hat.

12. Den einen Herrn und innres Selbst der Wesen,
Der seine eine Form ausbreitet vielfach,
Wer den, als Weiser, in sich selbst sieht wohnen,
Der nur ist ewig selig, und kein andrer.

13. Der, als der Ew'ge den Nichtew'gen, Freude,
Als Geist den Geistern, schafft, als Einer Vielen,
Wer den, als Weiser, in sich selbst sieht wohnen,
Der nur hat ew'gen Frieden, und kein andrer.

Vers 14-15. Unbeschreibliche Wonne liegt in dem Gefühl der Einheit mit dem Âtman (»Dieses ist das«); aber erkennen kann man denselben[283] nicht weiter, da er als die Quelle aller Erkenntnis (als das Subjekt des Erkennens) selbst unerkennbar bleibt.

14. ›Dieses ist das!‹ – Dies Wort fühlt man
Als unaussprechlich höchste Lust;
Doch wie kann man es wahrnehmen?
Glänzt, oder widerglänzt es wohl?

15. Dort leuchtet nicht die Sonne, nicht Mond noch Sternenglanz,
Noch jene Blitze, geschweige irdisch Feuer.
Ihm, der allein glänzt, nachglänzt alles andre,
Die ganze Welt erglänzt von seinem Glanze.

Sechste Vallî.

[284] Vers 1. Die Welt ist ein Açvattha-Baum; die vielen Wesen hier unten sind seine Zweige, das eine Brahman droben ist seine Wurzel. – An den Nyagrodha-Baum (der seine Zweige in die Erde senkt, wo sie neue Wurzel treiben) kann nur denken, wer niemals beide Bäume gesehen; sie sind nach Wuchs und Blättern völlig verschieden.

1. Die Wurzel hoch, die Zweig' abwärts
Steht jener ew'ge Feigenbaum;
Das ist das Reine, ist Brahman,
Das heisset das Unsterbliche;
In ihm die Welten all ruhen,
Ihn überschreitet keiner je (5,8).

Wahrlich, dieses ist das!

Vers 2-3. Die »Furcht Gottes« ist vorwiegend ein semitischer Begriff; sie entspringt daraus, dass man den Âtman nicht als Selbst in sich, sondern personifiziert ausser sich auffasst (Bṛih. 1,4,2: dvitîyâd vai bhayam bhavati), wozu den Menschen die natürliche Neigung, das Göttliche zu erkennen (zum Objekte zu machen), gelegentlich auch in der Upanishadreligion veranlasst. So hier Vers 2, woran sich Vers 3 ein Spruch reiht, der in älterer Form Taitt. 2,8 erhalten ist, wo vorher (oben, S. 232) der Ursprung dieser »Furcht Gottes« sehr klar darge legt wird.

2. Alles was ist, das Weltganze,
Lebt im Prâṇa, dem es entsprang;
Ein grosser Schreck ist's, ein gezückter Blitzstrahl,
Unsterblich werden solche, die es wissen.

3. Aus Furcht vor ihm brennt das Feuer,
Aus Furcht vor ihm die Sonne brennt,[284]
Aus Furcht vor ihm eilt hin Indra
Und Vâyu und der Tod zu fünft.

Vers 4-5. Vergleichbar der spätern Theorie von der Kramamukti (Syst. d. Ved., S. 472), werden hier, wie es scheint, für die verschiedenen Grade der Brahmanerkenntnis verschiedene Welten (Körperwelt, Väterwelt, Gandharvawelt, Brahmanwelt) in Aussicht gestellt, in welchen, entsprechend der vor dem Tode erworbenen Erkenntnis (vgl. Chând. 3,14,1. Bṛih. 4,4,5), der Âtman in stufenweise zunehmender Deutlichkeit angeschaut wird. Die Erläuterung der unvollkommenen Erkenntnisstufen durch das Bild im Spiegel, im Traume, im Wasser erinnert an Chând. 8,7 fg., aber die Anordnung ist eine andre. Im Spiegel sieht man nur einen Teil der Gestalt, im Traume die ganze, aber schemenhaft, wie man sich die Manen denkt (treffend erinnert Weber an Çatap. Br. 12,9,2,2), im Wasser spiegelt sich die Gestalt vollständig (pari iva dadṛiçe), aber erst mit dem Auseinandertreten der höchsten und der individuellen Seele (Licht und Schatten, oben 3,1) wird die vollkommene Erkenntnis ermöglicht.

4. Wer zur Erkenntnis aufwachte
Hienieden vor des Leibs Zerfall,
Dem ist in Schöpfungen1, Welten
Es dienlich zur Verkörperung.

5. Wie im Spiegel, so in der Leiblichkeit;
Wie im Traume, so in der Väterwelt;
Wie er im Wasser ganz erscheint, so in der Gandharvawelt;
Wie im Schatten und Licht, so in der Brahmanwelt.

Vers 6-13. Wieder wird zum Schlusse, mit Anknüpfung an 3,10-13 und übereinstimmend damit, als Weg zum höchsten Ziele der Yoga empfohlen, dessen Theorie und Terminologie jedoch hier merklich entwickelter erscheint als in der frühern Stelle.

6. Der Sinne Einzelwahrnehmung,
Ihr Auftauchen und Untergehn
Und ihr gesondert Auftreten
Kennt der Weise und grämt sich nicht.

7. Höher als Sinne steht Manas,
Höher als Manas Sattvam steht,
Höher als dies das ›grosse Selbst‹,
Über diesem Avyaktam steht.
[285]
8. Dies überragt der Purusha,
Alldurchdringend und merkmallos2,
Wer ihn erkannt, erlöst wird er
Und geht ein zur Unsterblichkeit,

9.3 Nicht ist zu schauen die Gestalt desselben,
Nicht sieht ihn irgendwer mit seinem Auge;
Nur wer an Herz und Sinn und Geist bereitet, –
Unsterblich werden, die ihn also kennen.

10. Erst wenn gelangt zum Stillstande
Mit den fünf Sinnen Manas ist,
Und unbeweglich steht Buddhi,
Das nennen sie den höchsten Gang.

11. Das ist es, was man nennt Yoga,
Der Sinne starke Fesselung4,
Doch ist man nicht dabei lässig5:
Yoga ist Schöpfung und Vergang.6

12. Nicht, durch Reden, nicht durch Denken,
Nicht durch Sehen erfasst man ihn:
›Er ist!‹ durch dieses Wort wird er
Und nicht auf andre Art erfasst.

13.›Er ist!‹ so ist er auffassbar,
Sofern er beider Wesen ist7,
›Er ist!‹ wer so ihn auffasste,
Dem wird klar seine Wesenheit.

Vers 14-16. Die Vollendung. Sie besteht nicht in der Erreichung eines künftigen oder jenseitigen Zustandes, sondern ist schon jetzt und[286] hier für den verwirklicht, der sich als Brahman weiss. Die beste Erläuterung bietet Bṛih. 4,4,6-7, woher Vers 14 entnommen sein mag. Hiermit ist die Lehre beschlossen (etâvad anuçâsanam). Der weitere Hinweis in Vers 16 = Chând. 8,6,6 auf Devayâna und Pitṛiyâna betrifft die nicht zur vollen Erkenntnis des Âtman Durchgedrungenen.

14. Wenn alle Leidenschaft schwindet,
Die nistet in des Menschen Herz,
Dann wird, wer sterblich, unsterblich,
Hier schon erlangt das Brahman er.

15. Wenn alle Knoten8 sich spalten,
Die umstricken das Menschenherz,
Dann wird, wer sterblich, unsterblich. –
So weit erstreckt die Lehre sich.

16. Hundert und eine sind des Herzens Adern,
Von diesen leitet eine nach dem Haupte:
Auf ihr steigt auf, wer zur Unsterblichkeit geht.
Nach allen Seiten Ausgang sind die andern.

Vers 17. Noch einmal weist der Schluss auf die Isolie rung des Purusha (kaivalyam) hin, in welcher Sânkhyam und Yoga das höchste Ziel erblicken, und erläutert dieselbe durch ein treffendes, merkwürdigerweise in Prosaworten dem Verse eingeschobenes, Bild.

17. Der Purusha, zollhoch, als innre Seele
Ist stets zu finden in der Geschöpfe Herzen.
Den ziehe aus dem Leibe man – wie den Halm aus dem Schilfe – besonnen,
Den wisse man als Reines, als unsterblich,
– den wisse man als Reines, als unsterblich.

Vers 18 ist (wie schon die Wiederholung der vorhergehenden Zeile beweist) ein erbaulicher Zusatz von späterer Hand. Der Verfasser ist seinem Stoffe so sehr entfremdet, dass er, das Feuer mit dem Jüngling verwechselnd, den letztern Nâciketa nennt.

18. Vom Tod empfangen habend, Nâciketa,
Dies Wissen und die ganze Yoga-Vorschrift,
Fand Brahman und ward sündlos und unsterblich.
Und so, wer dies erfuhr am eignen Selbste.

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